Reaktion auf neue Sanktionen Iran wirft den USA "Vergiftung des internationalen Klimas" vor

Der iranische Außenminister Zarif hat empört auf die jüngsten Sanktionen der USA reagiert - sie seien "illegal". Iran halte sich schließlich an das Atomabkommen. Freitag treffen beide Länder aufeinander.

Irans Präsident Hassan Rohani spricht mit Außenminister Mohammad Javad Zarif
DPA

Irans Präsident Hassan Rohani spricht mit Außenminister Mohammad Javad Zarif


Iran hat mit scharfer Kritik auf die neuen US-Wirtschaftssanktionen reagiert und eigene Strafmaßnahmen gegen amerikanische Bürger angekündigt. Die USA würden auf Eskalation statt auf Entspannung setzen, sagte der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif am Rande eines Besuchs bei der Uno in New York dem katarischen Nachrichtensender Al Jazeera.

Die Regierung von Donald Trump habe "illegale Sanktionen" beschlossen, "um das internationale Klima zu vergiften", sagte Zarif dem Sender. Es werde geprüft, ob die Sanktionen gegen Vereinbarungen verstießen. Zarifs Ministerium nannte die Maßnahmen in einer Erklärung "verachtungswürdig und nutzlos".

Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte zuvor unter anderem mit Hinweis auf das iranische Raketenprogramm Strafmaßnahmen gegen mehrere Personen, Unternehmen und Organisationen verhängt. Es bestehe eine "anhaltende Bedrohung" hieß es zur Begründung.

Donald Trump setzt damit eine Doppelstrategie gegen Teheran um. Am späten Montagabend hatte das US-Außenministerium Iran erneut bescheinigt, sich an die Auflagen des 2015 geschlossenen Atomabkommens zu halten. Die US-Regierung ist aber nach wie vor der Meinung, dass das Land unter Führung von Präsident Hassan Rohani zu wenig unternehme, um dem "Geist des Abkommens" gerecht zu werden.

Der iranische Chefdiplomat Zarif kündigte an, bei der Vorstellung der Zwischenbilanz zum Atomabkommen mit Iran werde er sich beschweren, dass die USA Strafmaßnahmen entgegen dem Abkommen nicht aufgehoben hätten. An dem Treffen am Freitag in Wien beteiligen sich außer Iran und den USA auch die vier anderen Vetomächte des Uno-Sicherheitsrats sowie Deutschland.

Zarif klagte, dass er keinen Kontakt zu US-Außenminister Rex Tillerson habe. Mit dessen Vorgänger John Kerry hatte er hingegen im Zuge der Verhandlungen über das Atomabkommen sehr oft gesprochen. Er sei aber weiter offen für Gespräche.

Die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland hatten das Atomabkommen mit Iran im Juli 2015 geschlossen. Trump hatte es im Wahlkampf als "schlimmsten Deal" bezeichnet, der jemals geschlossen worden sei.

apr/AFP/Reuters



insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gehirngebrauch 19.07.2017
1. dank den usa
läuft das ja auf das hochfahren der zentrifugen hinaus. ob das dem "westen" nutzt, bezweifele ich stark. außerdem wird sich der russ.militärkomplex freuen über damit verbundene aufträge aus dem iran.
mwroer 19.07.2017
2.
Zitat von gehirngebrauchläuft das ja auf das hochfahren der zentrifugen hinaus. ob das dem "westen" nutzt, bezweifele ich stark. außerdem wird sich der russ.militärkomplex freuen über damit verbundene aufträge aus dem iran.
Nicht zwangsläufig. Im Prinzip müssten, im Interesse der Glaubwürdigkeit solcher Verträge und der Entspannung in der Region, die anderen 4 Vertragspartner hier Flagge zeigen und den USA auf die Finger klopfen. Das die USA weitere Sanktionen gegen den Iran verhängen - während sie ihm bescheinigen sich explizit an die Verträge zu halten - zeigt eigentlich nur dass diese Verträge offensichtlich nicht das Papier wert sind auf denen sie geschrieben stehen. Schon im Interesse zukünftiger Verträge müssen die anderen Partner und die UN dagegen protestieren. Anderenfalls kann jeder Staat mit Fug und Recht Verhandlungen an denen die USA beteiligt sind als sinnlos deklarieren.
l/d 19.07.2017
3. Das kennt man:
Wenn die Menschen alt werden und gar erste Zeichen von Demenz zeigen, fällt es ihnen schwer, differenzierte Standpunkte einzunehmen und sie erscheinen zunehmend als giftig, böse und als Unruhestifter, weil sie sich auf schwarz-weiß Eindrücke ihrer Mitmenschen beschränken müssen, um das Nachlassen des Geistes zu kompensieren. So dürfte es auch bei Trump sein, und seine kindliche Ausdrucksweise "böse, böse" spricht sehr dafür, dass ein zunehmend einfacher gestrickter Alter die Weltpolitik aufmischt. Insofern kann ich dem Iran zustimmen.
ex_Kamikaze 19.07.2017
4. Die willkürliche Verhängung
irgendwelcher Sanktionen ohne jegliche Legitimation durch die UN zeigt, das die USA sich an keinerlei internationaler Norm mehr orientieren und auch Abkommen kaum das Papier wert sind auf dem sie gedruckt sind. Das Mullah-Regime in Teheran hat auf Nuklearwaffen verzichtet und dafür die Aufhebung von Sanktionen erhandelt. Dabei sind sie sogar dem Westen entgegen gekommen - sie waren einverstanden schrittweise die Sanktionen aufzuheben. Aber nun? Keine Ahnung ob das Abkommen von 2015 so noch einen Sinn hat für den Iran. Mehr Sorge macht mir allerdings die imperiale Großmannssucht der USA, ein Symtom das sich seit Bush jr ungeheuer verstärkt hat. Wer soll überhaupt noch mit den USA verhandeln oder Abkommen schließen wenn die jegliche Vereinbarungen nach Gutdünken auslegen?
frankfurtbeat 19.07.2017
5. wen ...
wen interessiert es denn eigentlich wenn die USA irgendwelche Sanktionen aussprechen oder ausweiten? Solange es nicht im Namen der UN erfolgt können die anderen lassen und tun - und das sollten sie auch. Persönlich sehe den Iran pro-westlich eingestellt während die orientalischen Freunde der USA als hardliner die absurde Religion vertreten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.