Iranisches Nuklearprogramm Iraner lehnen Vorschläge im Atomstreit ab

Iran und die internationale Gemeinschaft verhandeln wieder über das umstrittene iranische Atomprogramm. Die Uno-Vetomächte und Deutschland machten dabei Vorschläge, die sie als interessant für die iranische Seite bezeichneten. Doch Teheran nannte sie kleinkariert.

Iranische Atomanlage Buschehr: Wie hoch ist die Uran-Anreicherung?
AFP

Iranische Atomanlage Buschehr: Wie hoch ist die Uran-Anreicherung?


Teheran/Bagdad - Zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde im Atomstreit mit Iran haben beide Seiten eigene Vorschläge zur Lösung des Konflikts vorgelegt. Iran solle zu Zugeständnissen bei der Urananreicherung bewegt werden, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Mittwoch in Bagdad. Der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna zufolge legte die Delegation aus Teheran ihrerseits einen Fünf-Punkte-Plan vor. Einzelheiten aus den Vorschlägen wurden nicht bekannt.

Die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland hoffen nach eigenen Angaben auf solide Fortschritte bei dem Treffen, nicht auf einen Durchbruch. Die erste Runde der Gespräche am Morgen sei geschäftsmäßig verlaufen, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Auf iranischer Seite wurden die Verhandlungen von Chefunterhändler Said Dschalili, auf der anderen Seite von Ashton geleitet. Deren Mitarbeiter schlossen eine Verlängerung des Treffens bis Donnerstag nicht aus. Die Verhandlungen sollen dazu beitragen, dass der seit Jahren anhaltende Konflikt doch noch friedlich gelöst wird.

Iran erhofft sich eine Lockerung der zuletzt verschärften Sanktionen. Die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und die Bundesrepublik wollen dafür Zugeständnisse wie etwa einen verbesserten Zugang zu den Atomanlagen Irans. Es ist das zweite Treffen dieser Art, seitdem die Verhandlungen Mitte April nach einer 15-monatigen Unterbrechung wieder aufgenommen worden waren. In der Phase hatten die Spannungen zugenommen.

Westliche Vorschläge "kleinkariert"

Ashtons Sprecher sagte kurz nach dem Beginn der Gespräche, Iran solle insbesondere davon abgebracht werden, Uran in der höheren Konzentration von 20 Prozent anzureichern. Von dieser Schwelle an ist es vergleichsweise einfach, den Kernbrennstoff auf waffentaugliche 90 Prozent anzureichern. Für die Stromgewinnung werden fünf Prozent benötigt. "Die Fähigkeit zur Anreicherung auf 20 Prozent ist die Schlüsselfrage", sagte ein westlicher Diplomat.

Iranische Unterhändler sind mit dem Verlauf der Gespräche Berichten aus Teheran zufolge nicht zufrieden. "Die Vorschläge beinhalten nichts Neues, sie sind unausgewogen und daher nicht nützlich", zitierte die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch aus iranischen Verhandlungskreisen. Der staatliche Nachrichtensender Press TV berichtete auf seiner Internetseite: "Die Weltmächte haben erneut bewiesen, dass sie in ihren Verhandlungen mit Iran nicht ausreichend seriös sind." Die iranische Agentur Irna beschrieb die westlichen Vorschläge zum Atomprogramm des Landes als "kleinkariert". Dagegen sei das eigene Lösungspaket "neu und umfassend".

Iran arbeitet seit zwei Jahren an einer höhergradigen Anreichung. Das hat Israel alarmiert, das einen Angriff auf die Atomanlagen des Golf-Staats nicht ausschließt. Die Regierung in Teheran spricht dagegen von Material, das für medizinische Zwecke benötigt werde.

Der Chef der Internationalen Atomaufsichtsbehörde IAEA, Yukiya Amano, hatte im Vorfeld Zuversicht verbreitet und sogar ein Abkommen in Aussicht gestellt, das die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten fördern werde. Das sorgte für Entspannung an den Ölmärkten. Auch am Mittwoch gab der Ölpreis nach. Amano war Anfang der Woche kurzfristig nach Teheran gereist und hatte sich dort mit hochrangigen Regierungsvertretern getroffen. Amano will unter anderem erreichen, dass seine Inspektoren auch Zugang zu besonders umstrittenen Anlagen wie etwa dem Militärkomplex Parchin erhalten. Die IAEA vermutet, dass dort Forschungsarbeiten stattfinden, die für die Entwicklung von Atomwaffen relevant sein könnten.

Diplomaten warnten, es sei noch weit bis zu einem Durchbruch. Auch die USA äußerten sich reserviert. "Versprechen sind eine Sache, Taten und die Erfüllung von Verpflichtungen eine andere", sagte ein Sprecher des US-Präsidialamts in Washington. Der US-Senat hatte am Montag grünes Licht für weitere Wirtschaftssanktionen gegeben.

ler/Reuters/dpa



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der_pirat 23.05.2012
1. Lernen
Lernen Menschen aus Erfahrung? Die Antwort lautet: Leider nein. Diese Gespräche sind doch eine Farce. "Wir fahren jetzt dort hin und sehen uns die Sache an und nehmen Proben. Oder die Verhandlungen sind vorbei." Ach ja, wir können uns diplomatisch nicht so richtig ausdrücken und müssen daher sagen: "Wir würden uns freuen, wenn Sie bereit wären uns Einblicke in Ihre Forschungen zu geben." Antwort: "Das sind Geheimnisse." Antwort: "Okay. Das verstehen wir..." Wie lange soll das denn noch so weitergehen? Klar: Nur bis zu dem Zeitpunkt als der Iran die erste Bombe zündet...
Heinz-und-Kunz 23.05.2012
2. Westliche Vorschläge "kleinkariert"
Aha, der Westen sichert zu, dass er ein ziviles Atomprogramm akzeptieren kann, bietet auch eine Aufhebung der Sanktionen an und verlangt dafür im Gegenzug nur, dass der Iran nicht bis an die Grenze des Erlaubten geht, weil die Hochanreicherung von Uran dem Iran erlauben würde innerhalb kürzester Zeit eine Bombe zu bauen. Was hat der Iran, der angeblich nur ein rein ziviles Atomprogramm verfolgt dazu zu sagen? Das er die Vorschläge rundrum ablehnt. Damit hat der Iran nur erneut bestätigt, dass er eben KEIN ziviles Atomprogramm verfolgt, sondern die Fähigkeit zum Bau der Bombe erwerben will.
bayrischcreme 23.05.2012
3.
also das mit den "medizinischen Zwecken" kann doch nun wirklich niemand mehr glauben. Dieses Land investiert etlichge Milliarden, riskiert Kriege und nimmt ein beispielloses Embargo in Kauf, nur um ein bisschen Uran zu produzieren, das dann in der Nuklearmedizin eingesetzt werden kann?
gbilow 23.05.2012
4. medizinische Zwecke
Es geht auch nicht nur um Urananreicherung für medizinische Zwecke! Es geht um die Souveränität des Iran ! Laut Atomwaffensperrvertrag darf der jedes Land Uran auch bis auf 20% anreichern solange kein militärischer Zweck vorliegt! Dieses Recht möchte der Iran verteidigen!
franko_pizza 23.05.2012
5.
Zitat von Heinz-und-KunzAha, der Westen sichert zu, dass er ein ziviles Atomprogramm akzeptieren kann, bietet auch eine Aufhebung der Sanktionen an und verlangt dafür im Gegenzug nur, dass der Iran nicht bis an die Grenze des Erlaubten geht, weil die Hochanreicherung von Uran dem Iran erlauben würde innerhalb kürzester Zeit eine Bombe zu bauen. Was hat der Iran, der angeblich nur ein rein ziviles Atomprogramm verfolgt dazu zu sagen? Das er die Vorschläge rundrum ablehnt. Damit hat der Iran nur erneut bestätigt, dass er eben KEIN ziviles Atomprogramm verfolgt, sondern die Fähigkeit zum Bau der Bombe erwerben will.
Vor einem Jahr war keiner Bereit dem Iran 20% Uran für Tehraner Reaktor zu Verkaufen. Iraner haben gesat wir produzieren die ganze Uran und Brennstoff selbst, dann haben alle 5+1 gelacht. Jetzt Lacht niemand mehr, Jetzt Kommt AHA erlebnis. Fars News Agency :: Iranian Experts Place Fuel Plates into Heart of Tehran Research Reactor (http://english.farsnews.com/newstext.php?nn=9102113083)
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