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02. Januar 2010, 16:51 Uhr

Iran

Montaseri-Sohn warnt vor Untergang des Gottesstaates

Der Sohn des jüngst verstorbenen Großajatollah und Regimekritikers Hossein Ali Montaseri sieht Iran am Scheideweg. Im SPIEGEL-Interview warnt Said Montaseri vor dem Untergang des Gottesstaates. Sollte etwa der iranische Oppositionsführer Mussawi getötet werden, hätte das "katastrophale Folgen".

"So kann es nicht weitergehen", sagt Said Montaseri, 47, in einem Interview mit dem SPIEGEL. Der Sohn des kürzlich im Alter von 87 Jahren verstorbenen Großajatollah und Regimekritikers Hossein Ali Montaseri glaubt, dass die Gewalt auch auf Seite der Protestierenden bald eskalieren könnte. Wenn "junge Leute mitansehen müssen, wie ihre Freunde auf offener Straße verprügelt, verhaftet oder sogar erschossen werden, dann dürfte bald jeder Versuch, sie zur Mäßigung zu bewegen, erfolglos sein", sagt Montaseri: "Und ehrlich gesagt: Ich finde das verständlich, auch wenn ich es nicht gutheiße."

Eine Festnahme oder die Ermordung des iranischen Oppositionsführer Hossein Mussawi etwa hätte "katastrophale Folgen", warnt Montaseri. Die Erschießung von Mussawis Neffen bei einer Demonstration in Teheran vor wenigen Tagen sei "ohne Zweifel eine gezielte Aktion" gewesen, sagt Montaseri. Sie sei "von langer Hand geplant" worden und möglicherweise als "eine Art letzter Warnung" an Mussawi gedacht gewesen. Mussawi hatte sich am Freitag zum "Märtyrertod" bereiterklärt.

Die Eskalation bei den jüngsten Demonstrationen im Iran, die zahlreiche Tote forderte, sei allein "von den Staatsorganen zu verantworten", sagt Montaseri. Die Brutalität der Demonstranten rechtfertigt Montaseri als Gegengewalt: "Die einfachen Leute haben kein Interesse, Hab und Gut in Brand zu setzen, sie wollten für ihre legitimen Interessen demonstrieren, sie sind von der Staatsseite provoziert worden."

Er hoffe, dass es kein Blutbad geben werde, sondern "dass die Regierenden Vernunft annehmen werden", sagte der Sohn des Reformpolitikers und Geistlichen Montaseri weiter. "Ich hoffe immer noch, (...) dass sie Kompromisse akzeptieren und den Weg der nationalen Versöhnung beschreiten. Wenn sie es nicht tun, wird mein Heimatland in einem Jahr in einem weitaus schlimmeren Zustand sein als heute", warnt Montaseri in dem Telefoninterview aus dem iranischen Ghom vor dem Untergang des Gottesstaates.

Er findet: "Welche Form unsere zukünftige Gesellschaftsordnung hat, ist nicht so wichtig. Es kann eine Islamische Republik, eine laizistische Republik, von mir aus auch eine Monarchie sein." Wichtig sei nur, "dass die Menschen in Freiheit und Wohlstand leben können. Dass sie sich frei bewegen können, dass ihre Stimmen Gehör finden".

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