Luftschläge in Syrien Iran sucht Freiwillige für den Kampf gegen Israel

Teheran reagiert auf die israelischen Luftangriffe in Syrien. Um das Assad-Regime zu unterstützen, rekrutiert Iran im Internet freiwillige Kämpfer für den Einsatz im Bürgerkriegsland.
Mitglieder der Freiwilligen-Miliz Bassidsch in Iran 2011 (Archivbild): Suche nach Freiwilligen

Mitglieder der Freiwilligen-Miliz Bassidsch in Iran 2011 (Archivbild): Suche nach Freiwilligen

Foto: ABEDIN TAHERKENAREH/ picture alliance / dpa

Teheran - Iran will sein Engagement in Syrien offenbar ausweiten. Auf mehreren iranischen Webseiten wurde eine Syrien-Kampagne ausgerufen. Unter einer Handynummer sollen sich Freiwillige melden, um in Syrien in den Krieg zu ziehen. Der öffentliche Appell ging von einer Webseite  aus, die Großajatollah Ali Chamenei nahesteht.

Der Krieg in Syrien sei kein sunnitisch-schiitischer Konflikt, sondern ein Kampf zwischen den "Gegnern und Unterstützern der Zionisten", heißt es in dem Aufruf. So bezeichnet das iranische Regime Israel.

Syrien ist zur heftig umkämpften Front im israelisch-iranischen Schattenkrieg geworden. Erst am Wochenende hatte Israel innerhalb von 48 Stunden zweimal Syrien massiv bombardiert. Ein hochrangiger israelischer Verteidigungsbeamter sagte anschließend, der Angriff habe eigentlich gar nicht Syrien gegolten, sondern Iran und dessen Verbündeten, der libanesischen Hisbollah.

Auf dem iranischen Kampfaufruf für Syrien ist auch das Hisbollah-Logo abgebildet. Ihre Kämpfer sind schon länger in Syrien aktiv und haben ihr Engagement zuletzt deutlich ausgeweitet.

Der Syrien-Aufruf appelliert auch an religiöse Gefühle, um die Iraner zu mobilisieren. Man müsse schiitische Heiligtümer verteidigen. Radikale unter den Assad-Gegnern haben wiederholt Übergriffe auf Schiiten verübt. Großajatollah Ali Chamenei persönlich hat sich zu den Vorgängen geäußert und diese scharf verurteilt. Ob sich bisher tatsächlich Freiwillige auf den Aufruf hin gemeldet haben, ist nicht bekannt.

Syrien ist Teherans Waffenlieferant für israelfeindliche Gruppen

Für Teheran ist Syrien unter Baschar al-Assad quasi Umschlagplatz, um israelfeindliche Gruppen aufzurüsten. Nahezu alle illegalen iranischen Waffenlieferungen für die palästinensische Hamas oder die libanesische Hisbollah liefen bisher über Syrien, so ein Uno-Bericht 2011.

Vor allem deshalb tut das iranische Regime so viel, um Assad an der Macht zu halten. Seit Beginn der Aufstände hat Iran seine Unterstützung systematisch ausgeweitet, wie eine neue Studie des US-Forschungszentrums Institute for the Study of War dokumentiert.

  • Top-Militärberater: Irans Elitekräfte beraten Syriens Militär. Auch aus dem Innen- und Staatssicherheitsministerium hat Teheran Berater entsandt. Syrischen Rebellen gelang es, den erfahrenen iranischen Elitegeneral Hassan Schateri zu töten, der davor jahrelang für Teheran im Irak und im Libanon tätig war.
  • Milizen-Ausbildung: Iran schult proiranische Milizen in Syrien und offenbar auch in Trainingslagern im eigenen Land. So will sich Teheran versichern, dass es im Falle eines Sturzes von Baschar al-Assad weiterhin zuverlässige Verbündete hat und Einfluss behält. Eine ähnliche Strategie verfolgte Teheran auch im Libanon und im Irak während des Bürgerkriegs - mit Erfolg.
  • Waffen: Nach US-Einschätzungen landen täglich Flüge aus Iran in Syrien mit Militärausrüstung. Ein Großteil der Überlandrouten von Iran über den Irak nach Syrien sind inzwischen von den Aufständischen unterbrochen.
  • Überwachungstechnik: Syrien bekommt aus Iran Drohnen. Zudem erhält es nach Einschätzungen der USA Störtechnik, um die Kommunikation von Aktivisten und Aufständischen zu überwachen und zu unterbrechen.

Israel will seinerseits die Gunst der Stunde nutzen, die sich mit dem Chaos in Syrien bietet, um Iran zu schwächen, indem es die Nachschubrouten mit seinen Verbündeten stört. Die Luftschläge am Wochenende sowie im Januar sollen einer iranischen Waffenlieferung an die libanesische Hisbollah gegolten haben. Die Hisbollah ist Irans verlängerter Arm - und ein Druckmittel im Streit mit Israel über das Atomprogramm.

Denn im Gegensatz zum syrischen Regime hat die Hisbollah Israel immer wieder empfindlich getroffen. Wiederholt hat die Organisation klargemacht, dass Israel im Falle eines Angriffs auf Iran damit rechnen müsse, mit Raketen beschossen zu werden. Schafft es Israel, die Nachschublieferungen Irans an die Hisbollah abzuschneiden, könnte es im Falle eines Angriffs auf iranische Atomanlagen glimpflich davonkommen.

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