Iran Nobelpreisträgerin Ebadi wehrt sich gegen Druck aus Teheran

Bitterer Streit um eine große Ehrung: Teheran dementiert, den Nobelpreis für Schirin Ebadi beschlagnahmt zu haben. Die Iranerin bezichtigt das Regime der Lüge. Ihre Medaille sei entwendet, ihr Konto gesperrt worden. Ebadi erhielt die Auszeichnung für ihr Engagement für Menschenrechte.

Iranische Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi: "Sie sagen nicht die Wahrheit"
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Iranische Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi: "Sie sagen nicht die Wahrheit"


London/Teheran - Sie bemüht sich um Demokratie und Menschenrechte in Iran und erhielt dafür den Friedensnobelpreis. Doch um die 2003 verliehene Auszeichnung tobt eine heftige Auseinandersetzung. Iran hat am Freitag bestritten, die Medaille der Menschenrechtlerin "gezielt" beschlagnahmt zu haben, räumte aber ein, dass die Regierung ihr Bankkonto blockiert habe, auf dem das Preisgeld von umgerechnet rund 870.000 Euro liegt.

Bei Ebadi habe eine gerichtliche angeordnete Beschlagnahmeaktion stattgefunden, wie bei Steuerangelegenheiten in Iran üblich, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran am Freitag laut der Nachrichtenagentur Mehr. Er lies offen, was die Behörden genau sichergestellt haben.

Ebadi wehrte sich gegen die Regierung in Teheran. "Sie sagen nicht die Wahrheit", erklärte die Iranerin im britischen Rundfunksender BBC in London. "Sie haben mein Bankkonto gesperrt und meine Pensionszahlungen gestoppt." Dasselbe sei mit dem Konto und der Pension ihres Ehemannes geschehen. Zudem sei sein Bankschließfach ausgeräumt worden, in dem sich ihr Nobelpreis und die Medaille der französischen Ehrenlegion befunden hätten, sagte die 62-Jährige.

"Wenn sich die Islamische Republik über die Veröffentlichung von Menschenrechtsberichten ärgert, sollte sie lieber die Menschenrechtslage verbessern", sagte Ebadi laut der Farsi-sprachigen Website des Radiosenders Farda. "Die iranischen Behörden wollen auf diese Weise Druck auf mich ausüben, aber das wird nicht funktionieren."

Die Anwältin appellierte an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, sich von den Menschenrechtsverletzungen in Iran ein Bild zu machen. "Kein iranischer Richter wagt es, meine Klagen zu hören", fügte sie hinzu.

Kampf für Demokratie und Menschenrechte

Der norwegische Außenminister Jonas Gahr Stoere hatte sich am Donnerstag "schockiert" gezeigt. Es sei das erste Mal, dass die Behörden eines Landes einen Friedensnobelpreis beschlagnahmt hätten. Er bestellte den iranischen Vertreter in Oslo ein, um gegen das Vorgehen zu protestieren und seine Besorgnis über das Wohlergeben Ebadis und ihrer Angehörigen auszudrücken.

Ebadi war mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, mit dem ihr Kampf für Demokratie und Menschenrechte im Iran gewürdigt wurde. Die Anwältin war mehrfach in Haft und musste auch als Friedensnobelpreisträgerin immer wieder mit Schikanen der Behörden bis hin zur Zwangsschließung ihres Büros kämpfen.

Ebadi, die sich seit Jahren viel im Ausland aufhält, war seit den Unruhen nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad am 12. Juni nicht mehr in ihrer Heimat. Sie muss fürchten, wegen ihrer strikten Gegnerschaft zu Ahmadinedschad bei ihrer Einreise wieder verhaftet zu werden.

kgp/dpa/AFP

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