Laut Bericht von Menschenrechtsorganisation Mehr als 300 Tote bei Unruhen in Iran

Bei der Niederschlagung der Proteste gegen die Benzinpreiserhöhung in Iran sind offenbar mehr Menschen getötet worden als vermutet. Amnesty International wirft den Behörden "bösartiges Vorgehen" vor.
Ausgebrannte Tankstelle im Iran: Unruhen im ganzen Land

Ausgebrannte Tankstelle im Iran: Unruhen im ganzen Land

Foto: Abdolvahed Mirzazadeh/DPA

Bei den schweren Unruhen in Iran im November sind offenbar deutlich mehr Menschen getötet worden, als bislang von ausländischen Beobachtern angenommen wurde. Nach neuesten Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kamen 304 Menschen ums Leben. Bislang war Amnesty von mindestens 208 Toten ausgegangen.

Mehrere Tausend Menschen seien zudem verletzt worden, als Sicherheitskräfte die Proteste "mit tödlicher Gewalt zerschlugen", heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Im Anschluss an die Unruhen habe es laut Augenzeugen ein breit angelegtes "bösartiges Vorgehen" der Behörden gegeben, um die Menschen daran zu hindern, über die Ereignisse zu sprechen. Amnesty gibt an, die Zahlen mithilfe verschiedener Quellen geprüft zu haben. Unabhängig verifizieren lassen sie sich nicht.

In Iran waren Mitte November landesweite Proteste gegen eine Erhöhung der Benzinpreise und die Rationierung von Kraftstoff ausgebrochen, die Sicherheitskräfte reagierten mit Gewalt. Nach unbestätigten Angaben wurden zudem mehr als tausend Menschen festgenommen - darunter 180 "Rädelsführer", denen offenbar die Todesstrafe droht. Mit einer zeitweisen Internetblockade sorgte die Regierung in Teheran dafür, dass kaum Informationen, Bilder und Videos der Proteste verbreitet werden konnten.

Iran hatte bereits Anfang Dezember die außerhalb des Landes veröffentlichten Opferzahlen kategorisch dementiert und als "absolut falsch" bezeichnet. Eigene Zahlen hat Teheran bisher allerdings nicht vorgelegt. Die USA äußerten Anfang Dezember die Befürchtung, dass das Regime "seit Beginn der Proteste mehr als tausend iranische Bürger ermordet haben könnte".

jki/mes/dpa/AFP
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