Iran-Politik Annan setzt weiter auf Diplomatie

Kofi Annan will weiter verhandeln. Der Uno-Generalsekretär hält Sanktionen gegen Iran für das falsche Mittel. Auch die EU-Außenminister setzen nach ihrem Treffen im finnischen Lappeenranta weiter auf Gespräche. EU-Chefdiplomat Solana soll in Teheran sein Geschick zeigen.


Berlin/Lappeenranta - Sanktionen gegen Teheran seien wenig wirksam, glaubt Kofi Annan. "Es gibt Augenblicke, wo ein wenig Geduld sehr viel ausrichtet", sagte er der französischen Tageszeitung "Le Monde". Geduld sei eine Qualität, die häufiger eingesetzt werden sollte. "Ich glaube nicht, dass Sanktionen die Lösungen zu allen Problemen sind."

Warten auf Außenminister Mottaki: Kofi Annan in Teheran
REUTERS

Warten auf Außenminister Mottaki: Kofi Annan in Teheran

Annan gab das Interview kurz vor seiner Reise nach Teheran, wo er am Wochenende Gespräche mit der politischen Führung über den Atomkonflikt führt. Wenige Tage nach Ablauf der Uno-Frist für einen Stopp der Urananreicherung durch Teheran will sich Annan heute mit dem iranischen Außenminister Manuchehr Mottaki und Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani treffen. Am Sonntag sind Gespräche mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad geplant.

Annan will seine Gesprächspartner überzeugen, doch noch einzulenken.

Auch die Europäische Union gibt die Hoffnung nicht auf, den Konflikt mit Verhandlungen zu entschärfen. Die Außenminister der 25 EU-Staaten gaben heute in Lappeenranta grünes Licht für Gespräche von EU-Chefdiplomat Javier Solana mit Laridschani. Solana sagte, er werde sich Anfang kommender Woche mit Laridschani treffen.

Die EU hat Iran eine "kurze" Zeit eingeräumt, um der Forderung des Uno-Sicherheitsrats nach Aussetzung der Uran-Anreicherung nachzukommen. Eine Frist gibt es allerdings nicht. "Es gibt keine Deadline", sagte Solana in Lappeenranta.

Er werde "in den nächsten Tagen" mit Laridschani zusammentreffen und hoffe, dass nicht viele Treffen nötig seien. "Je schneller, desto besser", sagte Solana.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso schloss für die EU den Einsatz von Waffengewalt gegen Iran für den Moment aus. "Wir erwägen diese Möglichkeit noch nicht", sagte Barroso dem portugiesischen Wochenblatt "Expresso".

Teheran hatte die vom Weltsicherheitsrat gesetzte Frist, bis zum 31. August seine Urananreicherung einzustellen, verstreichen lassen. Ahmadinedschad hatte sich unbeugsam gezeigt. In New York begannen Beratungen über Sanktionen. Der Westen verdächtigt Teheran, die Atombombe bauen zu wollen.

Der Terminplan sieht vor, dass Solana Anfang nächster Woche mit Laridschani zusammenkommt. Am Donnerstag treffen sich Diplomaten der Sechser-Runde USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland in Berlin. Die EU-Außenminister werden dann am 14. und 15. September bei einem Treffen in Brüssel erneut ihre Position im Atomstreit abstimmen. Anschließend soll die Debatte am Rande in New York beginnenden Vollversammlung der Vereinten Nationen fortgesetzt werden.

ler/dpa/AFP



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