Irans Präsident Rohani in New York Der Zweck des Lächelns

Irans neuer Präsident Rohani nutzte seinen Uno-Antrittsbesuch für eine viertägige Charmeoffensive, er gab Interviews, servierte Reis für VIP-Gäste. Er zielt auf eine Lockerung der Sanktionen gegen Teheran - argwöhnisch beäugt von Zweiflern im Westen und Hardlinern im eigenen Land.
Rohani bei der Asia Society: Genug Schlagzeilen gemacht

Rohani bei der Asia Society: Genug Schlagzeilen gemacht

Foto: John Minchillo/ AP/dpa

"Sie haben das letzte Wort", lockt Josette Sheeran, die Präsidentin der Asia Society. "Dies ist noch mal Ihre Gelegenheit." Hassan Rohani lacht aus voller Kehle, biegt sich zur Seite - und winkt dann ab. Nein, danke: Er hat genug Schlagzeilen gemacht für diesen Trip.

Donnerstagabend in Manhattan: Irans Präsident sitzt auf einer blumengeschmückten Bühne. Eineinhalb Stunden stellte er sich den Fragen zweier Denkfabriken, der Asia Society und des Council on Foreign Relations (CFR). Locker und jovial, immerhin sei er ja ein "Kollege": "Bis vor kurzem hatte ich den gleichen Job - ich leitete einen Think-Tank."

Gegen Ende schob sich ein distinguierter Herr ins Publikum: Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Er kam von Atomgesprächen mit den fünf Vetomächten des Sicherheitsrats und Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Das war nun wirklich historisch - die höchste Begegnung in sechs Jahren und Sarifs erste mit seinem US-Amtskollegen John Kerry. Nach dem Auftakt soll es jetzt schnell gehen: Mitte Oktober will man sich mit den Details befassen. Diplomaten diagnostizierten einen "bedeutsamen Wandel" in Irans Haltung.

Ob nicht auch Rohani dazu noch etwas sagen wolle, fragte Moderatorin Josette Sheeran. Doch der überließ das Mikrofon lieber Sarif, der eine Einigung "in hoffentlich einem Jahr" in Aussicht stellte. Dem hatte Rohani nichts hinzuzufügen: "Sie fragten nach einem ersten Schritt", sagte er grinsend. "Sie haben ihn getan."

Reis für die VIPs

Rohani machte aus seinem Antrittsbesuch bei der Uno-Vollversammlung eine viertägige Charmeoffensive. Er bezirzte Delegierte, sonnte sich in Ministertreffen, gab offenherzige Interviews und bewirtete in seiner Hotelsuite gegenüber der Uno-Zentrale VIP-Gäste mit Basmati-Reis.

Krönender Abschluss: Rohani betörte die Polit-Elite Manhattans mit seiner milden Art und moderaten Wortwahl. Vor allem radierte er die Erinnerung an seinen Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad aus, der die Uno-Woche stets für schrille, laute Kapriolen genutzt hatte.

Es war eine kühl kalkulierte PR-Kampagne: "Die Markteinführung des Hassan Rohani", schrieb CFR-Nahostexperte Ray Takeyh in der "Financial Times", "ist mit der Enthüllung eines neuen iPhones vergleichbar." Samt simplen Werbeslogans: Rohani, Stimme des "neuen Iran", Hoffnung auf ein Ende der Eiszeit.

Etwas zu simpel aber: Schließlich stieß auch der wortgewandte Jurist aus Teheran an seine Grenzen. Diese setzten ihm einerseits seine Heimat, wo die Hardliner jedes seiner Worte mit Argwohn verfolgten und letztlich sogar korrigierten - und andererseits der Westen, wo ihm politische Skepsis entgegenwogte.

Selbstlos war diese Goodwill-Tour sowieso nicht. Iran will die internationalen Sanktionen loswerden: Rohani sei mit dem ausdrücklichen Mandat gewählt worden, "ein Nuklear-Deal zu erreichen, um Erleichterung von den Sanktionen zu erreichen", sagte ein Obama-Berater am Rande der Vollversammlung.

Der Handschlag blieb aus

Die Medien reduzierten diese diffizile Diplomatie auf eine Geste: Würden sich US-Präsident Barack Obama und Rohani an der Uno "zufällig" über den Weg laufen, vielleicht sogar die Hand schütteln oder Worte wechseln?

Dass es dazu dann doch nicht kam, verwirrte die US-Beobachter sehr. Also keine Entspannung? Dabei offenbarte das nur den Balanceakt Rohanis: Trotz all der moderaten Worte und versöhnlichen Taten bleibt er den Hardlinern zu Hause verpflichtet. Ein Handschlag? Zu viel.

Auch aus Washington kam Grummeln. Der demokratische Senator Robert Menendez fand Rohanis Rhetorik weiter "überwältigend antagonistisch". Ed Royce, ein Republikaner, und Elio Engel, ein Demokrat, warnten, nur ein "umfassender Deal" könne Sanktionen beenden. Selbst das Weiße Haus betonte wieder und wieder, den Worten müssten Taten folgen.

Den Spagat übte Rohani die ganze Woche. Von seiner Jungfernrede vor der Uno bis zum Interview mit CNN-Star Christiane Amanpour, dessen Schlagzeile "Irans Präsident leugnet den Holocaust nicht" lautete. Noch so ein Symbolakt - Ahmadinedschad hatte den Holocaust bekanntlich bestritten.

Aber auch hier bekam Rohani Probleme. Was genau hatte er gesagt? "Der Holocaust fand statt", fasste es eine CNN-Moderatorin zusammen. Doch diesen Satz äußerte er nie; vielmehr sprach er von einem "Verbrechen", das "verwerflich und verdammenswert" sei. Hinzu kam, dass die CNN-Dolmetscherin die fraglichen Passagen leicht anders übersetzte als die iranische Nachrichtenagentur Fars, die CNN sofort "Fälschung" vorwarf.

Von Fortschritten mag noch keiner so recht sprechen. Baby steps, sagen sie hier, Mini-Schritte. Rohani wiederholte die vorsichtigen Formulierungen in einem weiteren Interview und tags darauf bei einem Treffen mit Kolumnisten und dann bei den Think-Tanks.

Dort gab er sich am lockersten. Plauderte von "Mäßigung und Weisheit", beantwortete Fragen nach Wirtschaftsplänen, Umweltschutz, Wasserknappheit und Jugendarbeitslosigkeit - und gelobte, Iran wolle keine Atombombe.

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