Nach Telefonat mit Obama Demonstrant bewirft Rohani mit Schuh

Der Westen feiert Irans neuen Präsidenten Rohani für sein Telefonat mit Barack Obama, doch im eigenen Land hat sich der gesprächsbereite Staatschef Feinde gemacht. In Teheran wurde er jetzt mit einem Schuh beworfen.

AP

Teheran - Es war der erste direkte Kontakt von Staatschefs der USA und Irans seit 30 Jahren: Ein knapp viertelstündiges Gespräch zwischen Barack Obama und Hassan Rohani sorgte am Freitag weltweit für Aufsehen. Der historische Moment, der vor allem als eine Entspannung im Atomstreit des Westens mit Iran gewertet wird, hat aber nicht nur Jubel hervorgerufen.

Als Rohani am Samstag von seinem Besuch der Uno-Generaldebatte in New York zurückkehrte, verschafften einige seiner Landsleute ihrem Ärger auf drastische Weise Luft. Am Flughafen von Teheran riefen seine Gegner "Nieder mit Amerika" und "keine Kompromisse mit den USA, nur Kampf". Mindestens ein Mann versuchte sogar, Rohani mit einem Schuh zu treffen - was in der muslimischen Welt als schwere Beleidigung gilt. Außerdem wurde der Konvoi laut einem Augenzeugenbericht der "New York Times" mit Eiern beworfen.

"Heroische Flexibilität"

Rohani versuchte, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen: "In der Außenpolitik sollte man eine gewisse rationale Flexibilität haben, ohne jedoch die Prinzipien und nationale Würde zu vergessen", sagte er. Dies sei auch der Standpunkt des obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei, der von ihm vor seiner Reise nach New York eine "heroische Flexibilität" gefordert habe.

Die Rohani-Gegner waren in Teheran dann auch in der Minderheit. Die Mehrzahl der versammelten Menschen riefen ihm zu: "Wir danken dir."

US-Präsident Obama sagte nach dem Telefonat mit Rohani: "Die Tatsache an sich, dass dies die erste Kommunikation zwischen einem amerikanischen und einem iranischen Präsidenten seit 1979 war, unterstreicht das tiefe Misstrauen zwischen unseren Ländern. Aber es weist auch auf die Aussicht hin, uns über diese schwierige Geschichte hinwegzubewegen."

Rohani habe angedeutet, dass der Iran nie Atomwaffen entwickeln werde. Er selbst, Obama, habe klar gemacht, dass die USA das Recht des iranischen Volkes auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie respektierten.

Fortschritte im Atomstreit könnten Iran auch von den Lasten der internationalen Sanktionen befreien, so Obama. Der Westen argwöhnt, dass Iran unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms versucht, Atomwaffen zu bauen. Dies wird von Teheran vehement bestritten.

cst/dpa



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
hajiabad 28.09.2013
1. Nur eine Seite!!
Warum wird es nur die negative Seite von dem Iran gezeigt?!? Es gab heute auch viele Anhänger von Mr Pr. Rohani , die heute im Flughafen für ihn gejubelt haben!! Die Wahlergebnisse haben gezeigt dass die Iraner andere Beziehungen zum Westen als vorher haben wollen!! Mehdi aus dem Iran
silberwoelfin 28.09.2013
2. nochmal lesen
In der Mitte des Textes steht genau das: Die Gegner waren in der Minderheit ...
Ernst August 28.09.2013
3.
Zitat von sysopAPDer Westen feiert Irans neuen Präsidenten Rohani für sein Telefonat mit Barack Obama, doch im eigenen Land hat sich der gesprächsbereite Staatschef Feinde gemacht. In Teheran wurde er jetzt mit Schuhen beworfen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-praesident-rohani-mit-schuhen-beworfen-nach-obama-telefonat-a-925110.html
So ist das halt in einer Demokratie. Da wird man schon mal mit Eiern beworfen. Das kann einem US Präsidenten nicht passieren denn der fährt ja nicht im offenen Wagen durch die Menge. Wenn der kommt werden alle Bewohner evakuiert und die Gullydeckel werden zugeschweißt.
itsecuritydude 28.09.2013
4. optional
Mehdi, vlt. wurde der Artikel nochmal ergänzt, aber jetzt steht da korrekterweise, dass die Gegner weit in der Minderheit waren. Hoffen wir, dass zumindest die Sanktionen auf zivile Produkte bald gelockert werden.
kölschejung72 28.09.2013
5.
Zitat von hajiabadWarum wird es nur die negative Seite von dem Iran gezeigt?!? Es gab heute auch viele Anhänger von Mr Pr. Rohani , die heute im Flughafen für ihn gejubelt haben!! Die Wahlergebnisse haben gezeigt dass die Iraner andere Beziehungen zum Westen als vorher haben wollen!! Mehdi aus dem Iran
Das sind die Meldungen der Nachrichtenagenturen, die den US-Interessen dienen. Man kann keinen Krieg führen und auch keinen politischen Druck aufbauen, wenn man den Gegner nicht entsprechend darstellt. Oder würden sie eine Land angreifen wollen, das z.B. den höchsten Anteil weiblicher Studenten weltweit hat? Ein Land, das ein gutes Sozialsystem hat? Ein Land, in dem enorme Gastfreundschaft herrscht? Ein Land mit enorm hoher Alphabetisierungsquote? Es ist für die USA wichtig, dass die Iraner ihre Ölreserven in Dollar handeln. Solange sie das verweigern, wird es Sanktionen und Kriegsdrohungen geben. Denn die USA können ihren Staat insb. das Militär nur dann über Schulden finanzieren, wenn der Petrodollar erhalten bleibt. Umgekehrt sind die USA natürlich nach Jahrzehnten der Sanktionen, die mit der Niederschlagung der Schah-Diktatur begannen, dem US gestützten Putsch gegen den frei gewählten Präsidenten Mussadeck, der Giftgas Einsatzhilfe für Saddam Hussein gegen die Iraner, der Blockade von Resolution im Sicherheitsrat bezüglich Israels und der Unterstützung der Golfdiktaturen für viele Iraner das Reich des Satans.
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