Iran Putin lädt Ahmadinedschad nach Moskau ein

Herzlich Willkommen: Russlands Präsident Wladimir Putin will seinen iranischen Kollegen Mahmud Ahmadinedschad in Russland empfangen. Der nimmt die Einladung dankend an. Zuvor hat Putin ihm im Streit um das iranische Atomprogramm den Rücken gestärkt.


Teheran- Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte aus einer Erklärung der beiden Politiker, wonach diese bei ihrem Treffen heute in Teheran die Reise Ahmadinedschads nach Moskau verabredet haben.

Einigkeit in Teheran: Wladimir Putin (li.) und Mahmud Ahmadinedschad
DPA

Einigkeit in Teheran: Wladimir Putin (li.) und Mahmud Ahmadinedschad

Zudem haben Putin und Ahmadinedschad vereinbart, dass Irans Atomreaktor in Buschehr wie geplant fertiggestellt werden soll. Die friedliche Nutzung von Atomkraft müsse gestattet werden, sagte der russische Präsident. Damit hat Putin dem Iran im Streit um sein Atomprogramm den Rücken gestärkt.

Einen Termin für die Fertigstellung der Leichtwasserreaktoren in Buschehr nannte er jedoch nicht. Die bisherigen Verzögerungen führte Putin darauf zurück, dass die dort vor drei Jahrzehnten eingebaute Siemens-Technologie "veraltet" sei und ausgetauscht werden müsse.

Dieser Hinweis kam überraschend. Bislang hatte Russland, das an den Bauarbeiten in Buschehr beteiligt ist, als Begründung für die Verzögerungen stets iranische Zahlungsrückstände genannt. Nachdem Siemens aus dem Bau der Atomanlage ausgestiegen war, übernahm Russland das Geschäft. Beobachter gehen davon aus, dass Moskau die Verzögerungen als Druckmittel nutzt, damit der Iran sein Atomprogramm offenlegt.

Am Vormittag hatte Putin in Teheran an einem Gipfeltreffen der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres zur Verteilung der Bodenschätze in der Region teilgenommen. Auch die Teilnehmer aus Russland, Iran, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan unterstützten in ihrer Abschlusserklärung Teherans Atomprogramm indirekt. So unterstrich das Papier, jedes Land, das den Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen einhalte, habe im Rahmen der Vorgaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) das Recht auf die Erforschung, Herstellung und Verwendung von Atomenergie zu friedlichen Zwecken.

US-Außenamtssprecher Tom Casey sagte in Washington, die USA glaubten trotz der iranisch-russischen Kooperation, dass Moskau dem Ziel verpflichtet bleibe, den Iran von der Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten. "Wir haben nicht die Sorge, dass sich die russische Regierung von dem Konsens wegbewegt oder nicht länger die grundsätzliche Besorgnis teilt, die wir und andere Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft in Bezug auf den Iran haben," erklärte Casey.

Um das iranische Atomprogramm wird seit Jahren auf internationaler Ebene gerungen. Vor allem die US-Regierung verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung den Bau von Atombomben zu betreiben. Einen Beschluss über weitere Sanktionen gegen Teheran im Uno-Sicherheitsrat verhinderte Russland gemeinsam mit China wiederholt. Bei seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Wiesbaden hatte Putin am Montag für Geduld im Umgang mit dem Iran geworben.

Mit dem Besuch Putins in Teheran hatten die Uno-Veto-Mächte und Deutschland die Hoffnung verknüpft, Russland werde mäßigend auf den Iran einwirken. Die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats beraten derzeit mit Deutschland als einem der europäischen Vermittler in dem Konflikt über schärfere Sanktionen.

Putin besuchte den Iran als erster russischer Staatschef seit Josef Stalin 1943. Vor der Reise waren in Russland Berichte veröffentlicht worden, wonach im Iran ein Attentat auf Putin vorbereitet werde.

esp/Reuters/AFP/dpa



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