Präsidentenwahl in Iran Der Pistazienkönig fordert Chameneis Getreue heraus

Er ist Milliardär, 78 Jahre alt und will wieder ganz nach oben: Akbar Haschemi Rafsandschani hat seine Kandidatur für die Präsidentenwahl in Iran eingereicht. Ob der Ex-Präsident wirklich antreten darf, entscheidet nun der Wächterrat. Staatschef Chamenei schickt zwei eigene Zöglinge ins Rennen.

Politiker Rafsandschani: Bewerbung ums Präsidentenamt
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Politiker Rafsandschani: Bewerbung ums Präsidentenamt


Teheran/Berlin - Akbar Haschemi Rafsandschani will es noch einmal wissen: Kurz vor Abschluss der Bewerbungsfrist hat sich der 78-Jährige in Teheran für die iranische Präsidentschaftswahl am 14. Juni als Kandidat registrieren lassen.

Rafsandschani ist ein Gründungsvater und prägende Figur der Islamischen Republik. Er war ein enger Vertrauter von Revolutionsführer Ajatollah Chomeini und stieg zu einem der reichsten Männer des Landes auf. Mit dem Handel von Pistazien, auf den seine Familie quasi ein Monopol besitzt, brachte es Rafsandschani zum Milliardär.

Regimegegner werfen ihm vor, in den achtziger und neunziger Jahren die Ermordung Hunderter Oppositioneller angeordnet zu haben. Argentinien erließ 2006 Haftbefehl gegen Rafsandschani, weil er für den Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum verantwortlich sein soll. Bei dem Attentat waren im Juli 1994 85 Menschen getötet und etwa 300 weitere verletzt worden.

Der Geistliche amtierte bereits von 1989 bis 1997 als Präsident der Islamischen Republik. 2005 wollte er das Amt erneut übernehmen, unterlag aber dem Außenseiter Mahmud Ahmadinedschad in der Stichwahl.

Am 23. Mai benennt der Wächterrat die Kandidaten

Schon vor der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 warnte Rafsandschani Staatsoberhaupt Chamenei vor Wahlfälschungen. Die landesweiten Proteste gegen die Wiederwahl Ahmadinedschads bezeichnete er als Staatskrise. Wegen seiner Nähe zur sogenannten Grünen Bewegung um den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawi ist Rafsandschani in den vergangenen Jahren ins politische Abseits geraten. Er mied die Öffentlichkeit weitgehend. Wegen seiner Prominenz und seines Reichtums wagten es die Behörden bislang jedoch nicht, ihn zu verhaften, oder wie im Falle von Mussawi unter Hausarrest zu stellen.

Nun ist Rafsandschani der einzige Bewerber aus dem Umfeld des Reformerlagers, der bei den Wahlen antreten will. Ob sein Name am 14. Juni auch auf dem Wahlzettel steht, entscheidet nun der Wächterrat - ein zwölfköpfiges Gremium, das zur Hälfte aus Geistlichen und Juristen besteht. Der Rat wird am 23. Mai die endgültige Namensliste bekanntgeben.

Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am Samstagnachmittag hatten mehr als 500 Iraner ihre Kandidatur offiziell angemeldet. Unter ihnen sind auch zwei Bewerber aus dem engsten Umfeld von Amtsinhaber Ahmadinedschad - zum einen sein älterer Bruder Dawud und zum anderen sein engster Berater Rahim Maschai. Dessen Sohn ist mit der Tochter des Präsidenten verheiratet.

Welajati und Dschalili als aussichtsreichste Kandidaten

Dieser wird von Staatschef Chamenei und dem religiösen Establishment mit großem Argwohn begutachtet, weil er in ihren Augen ein "Abtrünniger" ist: Er behauptete in der Vergangenheit, in direktem Kontakt mit dem Mahdi zu stehen, dem verborgenen Imam, der eines Tages zurückkehren soll, um mit Jesus zusammen die Menschheit zu erlösen. Die meisten schiitischen Gelehrten lehnen diese Islam-Interpretation entschieden ab.

Als Wunschkandidaten des Obersten Führers Chamenei dürften zwei andere Politiker ins Präsidentenrennen gehen: Der eine ist Ex-Außenminister Ali Akbar Welajati. Derzeit ist der 67-Jährige außenpolitischer Berater Chameneis. In den vergangenen Jahren wurde er zu einem entschiedenen Kritiker Ahmadinedschads.

Der andere aussichtsreiche Bewerber ist der erst 47 Jahre alte Said Dschalili, Irans Verhandlungsführer in den internationalen Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm seines Landes. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre lang als Chameneis Bürochef.

Welajati und Dschalili gelten als linientreue Köpfe, die kompromisslos zum Kurs der Islamischen Republik stehen. Sowohl ihre Unterstützer in Iran, als auch Beobachter im Ausland setzen aber darauf, dass ihr Kurs berechenbarer sein wird, als der des Populisten Ahmadinedschad.

syd

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Sabi 11.05.2013
1. blutig
Alle Kandidaten haben Blut an den Händen, egal wie sie sich nennen. Sogenannte Feinde der Revolutin verfolgt zu haben ist die Voaussetzung, um diesen satanischen Klub anzugehören. Übrigens, der Rafsanjani Clan ist nicht nur durch Pistazien reich geworden. Er besitzt auch Fabriken und eine Fluggesellschaft.
ofelas 11.05.2013
2. Nichts geaendert
Zitat von SabiAlle Kandidaten haben Blut an den Händen, egal wie sie sich nennen. Sogenannte Feinde der Revolutin verfolgt zu haben ist die Voaussetzung, um diesen satanischen Klub anzugehören. Übrigens, der Rafsanjani Clan ist nicht nur durch Pistazien reich geworden. Er besitzt auch Fabriken und eine Fluggesellschaft.
Genau wie die Vorgaenger, der Schah und sein Clan, all die Iraner die dann in die USA, Grossbritannien und auch Deutschland gezogen sind (Koeln, Muenster). Die Gelder welche sie dem Volk entzogen haben, sind nie zurueckgezahlt worden. Als der Schah und die Oberschicht damals blutig das Land ausgeraubt haben, habe ich kaum eine Stimme im Westen (Politik) gehoert die es angeprangert haben (bad guy but our kind of bad guy) Wie es sich hier zeigt, es geht weniger um Religion und eigentlich um Macht, was auch gleichzusetzen ist mit Geld.
brinom 11.05.2013
3. Wer sind...
Zitat von SabiAlle Kandidaten haben Blut an den Händen, egal wie sie sich nennen. Sogenannte Feinde der Revolutin verfolgt zu haben ist die Voaussetzung, um diesen satanischen Klub anzugehören. Übrigens, der Rafsanjani Clan ist nicht nur durch Pistazien reich geworden. Er besitzt auch Fabriken und eine Fluggesellschaft.
... denn die Feinde der Revolution Ihrer Meinung nach? Etwa die Shah Anhänger, die Tausende getötet und gefoltert haben? Oder sprechen Sie von der Terror Gruppe der Mujdahedin, die reihenweise Bomben gelegt haben und auf offener Straße die Leute erschossen haben? Ich freue mich darüber, dass es im Iran überhaupt Wahlen gibt. Die anderen Länder in der Region dort träumen noch heute davon, eine annähernd funktioniernde Demokratie wie im Iran zu haben. Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchem Wahlmanipulationengejammer! Sie erinnern mich an einige selbsternannten Exil Iraner, die keineswegs in Exil sind, sich aber damit ausreden, warum sie es vorziehen, hier in Deutschland zu sein. Schönen Abend noch!
Izmi 11.05.2013
4. Wo bin ich?
Zitat von ofelasGenau wie die Vorgaenger, der Schah und sein Clan, all die Iraner die dann in die USA, Grossbritannien und auch Deutschland gezogen sind (Koeln, Muenster). Die Gelder welche sie dem Volk entzogen haben, sind nie zurueckgezahlt worden. Als der Schah und die Oberschicht damals blutig das Land ausgeraubt haben, habe ich kaum eine Stimme im Westen (Politik) gehoert die es angeprangert haben (bad guy but our kind of bad guy) Wie es sich hier zeigt, es geht weniger um Religion und eigentlich um Macht, was auch gleichzusetzen ist mit Geld.
Das ist wohl die Wirklichkeit, die sich durch fast alle Konflikte dieser Welt zieht: Die Einen zeigen mit dem Finger auf die Anderen und umgekehrt und rufen "Verbrecher". Und verlangen gleichzeitig, dass man (der Beobachter, der man ist) eindeutig Partei für das eine oder andere Lager ergreift. Dabei werden die Vielfältigkeiten, die die Konflikte ausmachen, schlicht negiert. Sicher, ich war eindeutig gegen den Schah und für die iranische Revolution. Bin ich nun eindeutig für Chamenei oder Ahmadinedschad? Ich bin eher eindeutig gegen die Fremdeinmischung in den Konflikt um die iranische Führung, was noch nicht heißt, ich fände die Mullah-Republik gut. Meine Sympathien sind beim iranischen Volk - wie auch bei dem der Syrer, der Iraker, der Israeli, der Italiener, ... und und und... Auf welcher Seite stehe ich nun? Ihr letzter Satz, bester Ofelas, beschreibt wohl auch am besten, worum es tatsächlich geht!
Tubus 11.05.2013
5. Keine Ahnung
Zitat von IzmiDas ist wohl die Wirklichkeit, die sich durch fast alle Konflikte dieser Welt zieht: Die Einen zeigen mit dem Finger auf die Anderen und umgekehrt und rufen "Verbrecher". Und verlangen gleichzeitig, dass man (der Beobachter, der man ist) eindeutig Partei für das eine oder andere Lager ergreift. Dabei werden die Vielfältigkeiten, die die Konflikte ausmachen, schlicht negiert. Sicher, ich war eindeutig gegen den Schah und für die iranische Revolution. Bin ich nun eindeutig für Chamenei oder Ahmadinedschad? Ich bin eher eindeutig gegen die Fremdeinmischung in den Konflikt um die iranische Führung, was noch nicht heißt, ich fände die Mullah-Republik gut. Meine Sympathien sind beim iranischen Volk - wie auch bei dem der Syrer, der Iraker, der Israeli, der Italiener, ... und und und... Auf welcher Seite stehe ich nun? Ihr letzter Satz, bester Ofelas, beschreibt wohl auch am besten, worum es tatsächlich geht!
Die drohende Fremdeinmischung treibt dieese Regime zur atomaren Bewaffnung. Das Schah-Regime war sicher korrupt, aber das beste ,was dem Land passieren konnte. Wohin haben diese oberschlauen Studenten und Intellektuellen das Land gebracht? Schätzungsweise 30-40 Jahre zurück oder mehr, wenn man dieses mittelalterliche Regime betrachtet, das zugegeben semi-demokratisch regiert. Die Teheraner, kannten schon damals ihr eigenes Volk nicht, das mehrheitlich auf dem Lande wohnt und das glaubt, was der Mullah sagt. Ähnlich, wie in Ägypten oder Oberbayern.
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