Kritik an islamischem Recht Reformzeitung im Iran verboten

Sie kritisierte das in Iran geltende Recht auf Vergeltung als "unmenschlich", daraufhin haben die Behörden eine Reformzeitung geschlossen. Der Chefredakteur landete im Gefängnis - wegen "Beleidigung islamischer Heiligkeiten".

Teheran - In Iran ist eine reformorientierte Tageszeitung nur fünf Tage nach ihrer Erstausgabe verboten worden. Das Blatt "Aseman" (Himmel) dürfe nicht weiter erscheinen, weil in einem Artikel das islamische Recht verunglimpft worden sei, erklärte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf ihrer Internetseite. In dem Bericht war das in Iran geltende Rechtsprinzip der Vergeltung für Familien von Opfern als "unmenschlich" kritisiert worden.

Der Chefredakteur der Zeitung, Abbas Bosorgmehr, wurde nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Irna wegen "Beleidigung islamischer Heiligkeiten" festgenommen. Er wurde demnach in das berüchtigte Gefängnis Ewin in der Hauptstadt Teheran gebracht.

Zuvor hatte Bosorgmehr sich für den Vorfall entschuldigt. Das Wort "unmenschlich" sei durch einen Fehler in die Ausgabe gerutscht, nachdem er es bereits gestrichen hatte. Solche Fehler könnten bei einer neuen Tageszeitung passieren. "Aseman" war zuvor zwei Jahre lang wöchentlich erschienen, bevor es in der vergangenen Woche auf tägliches Erscheinen umgestellt wurde.

Die Zeitung ist nicht das erste Opfer der iranischen Pressezensur in jüngster Zeit: Bereits im Oktober war die reformorientierte Zeitung "Bahar" nach einem kritischen Artikel über den schiitischen Islam verboten worden. Der im Juni gewählte Staatspräsident Hassan Rohani hatte dem Volk mehr Freiheiten versprochen. Nach seinem Amtsantritt wurden mehrere Oppositionsaktivisten und reformorientierte Journalisten aus der Haft entlassen.

mxw/AFP/dpa/AP
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