Präsidentenwahl in Iran Moderater Kandidat Rohani führt mit großem Vorsprung

Die Präsidentenwahl in Iran könnte schon im ersten Durchgang einen klaren Sieger hervorbringen: Der moderate Geistliche Hassan Rohani liegt ersten Ergebnissen zufolge weit vorn - die benötigte absolute Mehrheit ist ihm allerdings noch nicht sicher. 

AFP

Teheran - Im Wahlkampf trat er für die Pressefreiheit und für mehr Rechte von Frauen ein - nun könnte der Geistliche Hassan Rohani als Sieger aus der Präsidentenwahl in Iran hervorgehen. Bei der fortschreitenden Auszählung der Stimmen baute der als gemäßigt geltende Kandidat seine Führung aus, wie das iranische Innenministerium in Teheran am Samstag mitteilte.

Der ehemalige Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit dem Westen und Kandidat des Reformlagers lag demnach am frühen Vormittag nach Auszählung von 18 Prozent der Stimmen bereits bei einem Anteil von 52,3 Prozent.

An zweiter Stelle lag Teherans Bürgermeister Mohammed-Bagher Ghalibaf mit einem Stimmenanteil von rund 18 Prozent vor dem Hardliner Said Dschalili (12,6 Prozent). Der langjährige Chefdiplomat Ali Akbar Welajati sowie der frühere Telekommunikationsminister Mohammed Gharasi sind wohl chancenlos.

Insgesamt hatten sich sechs Kandidaten bei den mehr als 50,5 Millionen stimmberechtigten Iranern um die Nachfolge von Mahmud Ahmadinedschad beworben, der laut Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte. Sollte keiner der Bewerber die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten, muss am 21. Juni eine Stichwahl die Entscheidung bringen.

Offizielle Angaben zur Wahlbeteiligung gab es zunächst nicht, doch wegen des hohen Andrangs waren die Wahllokale am Freitagabend erst mehrere Stunden später als geplant geschlossen worden. Innenminister Mustafa Mohammed Nadschar war Kritik an der langsamen Stimmenauszählung schon früh damit begegnet, dass "Genauigkeit vor Schnelligkeit" gehe.

USA bezeichnen Wahlen als "nicht frei, fair oder transparent"

Während das konservative Lager zersplittert ist, haben sich Reformer und Moderate nach dem Kandidaturverzicht von Mohammed Resa Aref hinter Rohani versammelt. Der 64-Jährige erhielt insbesondere die Unterstützung der einflussreichen Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, der selbst nicht hatte antreten dürfen. Bei seinen Auftritten gab es wiederholt öffentliche Proteste gegen die Führung.

Im Atomkonflikt sprach sich Rohani, der als Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats von 2003 bis 2005 die Leitung der internationalen Verhandlungen innehatte, für eine Annäherung an den Westen aus. Rohani führt einen Doktortitel in Recht aus Glasgow und leitet das Zentrum für Strategische Studien in Teheran.

Irans einflussreiches geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hatte bei seiner Stimmabgabe die US-Regierung wegen ihrer Kritik an der Wahl massiv angegriffen. "Zur Hölle mit euch", die nicht mit der Weise der Abstimmung einverstanden sind, sagte Chamenei.

Das US-Außenministerium hatte am Donnerstag erklärt, "nach internationalem Standard ist diese Wahl nicht frei, fair oder transparent".

yes/AFP/dpa/Reuters



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susuki 15.06.2013
1. Hmmm
Alle Macht geht vom religieusen Oberhaupt aus. Der Wächterrat verkündet seine Entscheidung und bestimmt die Kandidaten fürs Präsidentenamt. Wir, um Allahs willen, soll der Gute ein Reformer sein?
jacko2013 15.06.2013
2.
Iran war vor 1979 als der Islam dort einkehrte ein fortschrittliches offenes und friedliches Land. Freundschaft mit Israel etc. der Islam veränderte das ganze Land und zog es auf den Boden... ich wünsche den Persern eine schöne Zukunft mit Reformen und dem Abstand zum Islam: der Islam brachte (sie Zeitgeschichte) nichts gutes: politisch und wirtschaftlich
spon-facebook-583283895 15.06.2013
3. wie Lämmer zur Schlachtbank
Wenn man nur seine eigenen Marionetten antreten lässt, ist es nicht schwer dann auch den vermeindlichen "Reformer" unter ihnen gewinnen zu lassen, um der Strasse keinen Grund für Aufstände zu geben. Jetzt wird das Getöse groß sein, von wegen "schaut wie gut die Demokratie hier funktioniert" usw. Am Ende würde es mich nicht mal wundern wenn auch diese Wahl manipuliert war und Rouhani gar nicht die Mehrheit hat. Um große Massen zu mobilisieren hat er doch viel zu wenig zeig gehabt effektiven Wahlkampf zu betreiben. Die einzige richtige Wahl wäre es gewesen wenn alle zur Wahl gehen und jeder "ungültig" wählt, anstatt wie dumme lämmer sich in Chamineis Marionettentheater einspannen zu lassen.
emperor-of-mankind 15.06.2013
4.
Naja wie es tönt, ist es aber den Landesregeln entsprechen abgelaufen und das ist auch schonmal was!
krasmatthias 15.06.2013
5.
Zitat von sysopAFPDie Präsidentenwahl in Iran könnte schon im ersten Durchgang einen klaren Sieger hervorbringen: Der Reformer Hassan Ruhani liegt ersten Ergebnissen zufolge weit vorn. Demnach kommt er auf mehr als 52 Prozent der Stimmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-ruhani-bei-praesidentenwahl-weit-vor-allen-rivalen-a-905874.html
Der Iran waehlt und das mit einer Wahlbeteiligung, welche ueber der in Deutschland liegt. Politisch interessiert ist der Iraner und ich denke Iran sollte seinen eigenen Weg gehen, unabhaengig was die USA sagt. Deutschland ist leider nicht unabhaengig und die Deutschen kennen keinen Stolz mehr auf das eigene Land so wie das im Iran noch moeglich ist. Wer weiss wie lange noch...
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