Krise am Persischen Golf Iran schlägt Austausch von Öltankern vor

Iran sendet ein Signal der Entspannung: Präsident Rohani zeigt sich bereit, den im Persischen Golf festgesetzten britischen Tanker freizugeben - allerdings nur, wenn Großbritannien sich erkenntlich zeigt.

Von Iran festgesetzter britischen Öltanker "Stena Impero": Teheran bietet Austausch an
Morteza Akhoundi/ ISNA/ XinHua/ DPA

Von Iran festgesetzter britischen Öltanker "Stena Impero": Teheran bietet Austausch an


Erst haben britische Behörden einen iranischen Supertanker vor Gibraltar festgesetzt, kurz darauf brachten die iranischen Revolutionsgarden einen britischen Tanker in ihre Gewalt. Nun lenkt die islamische Republik offenbar ein: Zur Beilegung des Streits mit Großbritannien hat der iranische Präsident Hassan Rohani einen Austausch der Schiffe in Aussicht gestellt.

"Wir wollen keine Spannungen", sagte Rohani bei einer Kabinettssitzung am Mittwoch. Wenn sich alle an die geltenden Vorschriften hielten, auch an die in Gibraltar, würden die Briten "von uns eine geeignete Antwort erhalten", so Rohani weiter. Iran sei weder stur, noch wolle man einen Konflikt am Persischen Golf. Allerdings werde er auch nicht auf Druck und Drohungen klein beigeben, so der Präsident.

Die jüngste Eskalation des Konflikts begann am 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar ein Supertanker mit Öl aus Iran festgesetzt wurde. Er soll mit von der EU untersagten Lieferungen an Syrien beladen gewesen sein.

Am vergangenen Freitag stoppten die iranischen Revolutionsgarden dann den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus. Das Schiff habe internationale Vorschriften nicht beachtet, erklärten sie. Außerdem soll die "Stena Impero" ihr GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien an Bord gehabt haben. Großbritannien warf Iran "staatliche Piraterie" vor.

Im Video: Die Festsetzung der "Stena Impero"

REUTERS

Die Regierung in London setzt sich nun für eine von europäischen Ländern angeführte Seeschutzmission in der Region ein. Dieser angedachte Einsatz soll Schiffe schützen, die durch die für den internationalen Handel wichtige Meerenge fahren.

Große psychische Belastung für die Crew

In der Zwischenzeit konnte die Reederei der "Stena Impero" erstmals mit der Besatzung des Schiffs sprechen. Man habe am Dienstagabend zum ersten Mal seit dem Vorfall in der Straße von Hormus direkt mit der Crew des Tankers kommuniziert, teilte das schwedische Schifffahrtsunternehmen Stena Bulk mit. Der Kapitän habe die Reederei benachrichtigt, dass alle Besatzungsmitglieder in Sicherheit seien und gut mit dem iranischen Personal an Bord kooperiert werde.

"Wir wissen diesen Entwicklungsschritt natürlich zu schätzen", erklärte Reedereichef Erik Hånell. Es handele sich um ein erstes Zeichen, dass man bald weiteren Fortschritt vonseiten der iranischen Behörden sehen werde. Der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" sagte Hånell, der Kapitän habe davon berichtet, dass die Crew zwar gut behandelt werde und körperlich unversehrt sei, die Situation aber eine große psychische Belastung für sie sei. An Bord befinden sich 23 Seeleute aus Indien, Russland, Lettland und von den Philippinen.

Die Krise mit Iran trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten. Die neue Regierung unter Premierminister Boris Johnson wird sich ab diesem Mittwoch auf das weitere Vorgehen im Fall Iran verständigen müssen.

vks/dpa

insgesamt 121 Beiträge
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lutzi-lange 24.07.2019
1. Alles sehr einfach
Tanker gegen Tanker und alles ist gut. Eigentlich sehr einfach.
dirkcoe 24.07.2019
2. Ein Vorschlag der Vernunft
Der Austausch der beschlagnahmten Tanker ist ein Weg, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können - also vernünftig. Niemand kann an einer weiteren Eskalation Interesse haben.
Liberalitärer 24.07.2019
3. Entladen
Das wird schon kommen, aber ohne Ladung.
unixv 24.07.2019
4. Falsch!
Zitat von lutzi-langeTanker gegen Tanker und alles ist gut. Eigentlich sehr einfach.
Mit Terroristen, macht man keine Geschäfte!
Flari 24.07.2019
5. Danke...
Danke an den halbwegs objektiven Bericht und schön, dass der Iran hier einen OFFIZIELLEN und deeskalierenden Schritt in die richtige Richtung geht, obwohl GB versucht, weiter zu zündeln. Wie geht es eigentlich der Besatzung der Grace 1, die von GB festgesetzt wurde und deren Offiziere sogar zeitweise in Haft genommen wurden? Fühlen die sich auch einer großen psychischen Belastung ausgesetzt?
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