Nach Haft wegen Visaverstoß Iran lässt russische Journalistin frei

Der Iran hatte sie wegen eines Visaverstoßes festgenommen, hinzu kam offenbar ein Spionagevorwurf. Jetzt ist die russische Journalistin Julia Jusik zurück in Moskau.

Journalistin Julia Jusik (2005)
Karlheinz Schindler / ZB/ picture-alliance

Journalistin Julia Jusik (2005)


Nach mehreren Tagen in iranischer Haft ist die russische Journalistin Julia Jusik freigelassen worden. Der Iran habe die 38-Jährige nach Bemühungen des russischen Außenministeriums und der russischen Botschaft in Teheran ausreisen lassen, teilten Diplomaten auf Twitter mit. "Die Geschichte ist vorbei. Julia ist schon in Moskau", schrieb Jusiks Ehemann am Donnerstag auf Facebook.

Die Reporterin war in der vergangenen Woche in Teheran festgenommen worden. Nach Angaben eines iranischen Regierungssprechers wurden ihr Verstöße gegen die Einreisebestimmungen vorgeworfen. Die russische Botschaft erklärte jedoch, Jusik werde beschuldigt, für israelische Geheimdienste zu arbeiten. Russland protestierte bereits kurz nach der Festnahme gegen den Schritt und zitierte den iranischen Botschafter ins Außenministerium in Moskau.

Im Iran werden Ausländer bei Visaverstößen normalerweise des Landes verwiesen, aber nicht festgenommen. Anders ist es, wenn ein Verdacht auf illegale Aktivitäten besteht - dazu zählt etwa Spionage. Illegal ist es aber auch, wenn Journalisten ohne Pressevisum mit einem Touristenvisum ins Land kommen und ohne Kenntnis des Presseamts journalistisch arbeiten. Darauf reagieren die iranischen Sicherheitsbehörden empfindlich.

Jusik arbeitete für mehrere Medien, unter anderem für die russische Ausgabe des Magazins "Newsweek". Außerdem ist sie Autorin zweier Bücher, darunter "Die Schule von Beslan" über das Geiseldrama an einer Grundschule in der Kaukasusrepublik Nordossetien im Jahr 2004. Bei dem Überfall protschetschenischer Rebellen auf die Schule starben mindestens 330 Menschen, unter ihnen 186 Kinder.

Im Jahr 2016 war Jusik in der russischen Republik Dagestan im Nordkaukasus als unabhängige Kandidatin für die Staatsduma angetreten. Unterstützung erhielt sie damals von der Partei der Volksfreiheit (Parnas), deren Co-Vorsitzender der frühere Ministerpräsident und Kremlkritiker Michail Kasjanow ist.

jki/dpa/AFP



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