Teheran Explosion im iranischen Parlament - Berichte über Geiseln und Tote

Im iranischen Parlament haben Männer um sich geschossen, ein Sprengsatz detonierte. Auch am Mausoleum von Ajatollah Khomeini gab es einen Anschlag. Der IS reklamiert die Angriffe für sich.

REUTERS/ Tasnim News Agency


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Bei den offenbar koordinierten Angriffen in Teheran haben sich zwei weitere Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Einer der bewaffneten Angreifer im Parlament habe in einem Bürogebäude einen Sprengstoffgürtel gezündet, meldete das iranische Staatsfernsehen Irib. Kurz darauf berichtete der Sender, ein zweiter Angreifer habe sich am Mausoleum von Republikgründer Ajatollah Khomeini in die Luft gesprengt.

Rund um das Parlament hatten sich zuvor Scharfschützen postiert, die Zufahrten wurden abgesperrt. Fernsehbilder zeigen Menschen in Panik, die hinter Bäumen knien und darauf warten, ein Signal von den Sicherheitskräften zu bekommen und weglaufen zu dürfen.

Der Abgeordnete Elias Hazrati sagte dem staatlichen TV-Sender, ein Mann mit einer Pistole und zwei mit AK-47-Gewehren seien ins Parlament eingedrungen. Die Agentur Tasnim berichtet ebenfalls über den Angriff und meldet sieben Tote.

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Iran: Anschläge auf Parlament und Mausoleum

Zunächst gab es Berichte über eine Geiselnahme, dann hieß es, ein Selbstmordattentäter habe sich in die Luft gesprengt. Das melden die Agentur Fars und das Staatsfernsehen Irib. Andere Agenturen berichten von der Explosion eines Sprengsatzes und von andauernden Schießereien rund um das Parlament.

Auch am Mausoleum von Khomeini gab es Schüsse. Drei bewaffnete Männer drangen laut übereinstimmenden Berichten in das Mausoleum ein und begannen, auf die dort Betenden zu schießen. Mehrere Menschen seien dabei verletzt worden, meldet die Agentur Fars.

Zwei der Angreifer seien überwältigt und festgenommen worden, ein Dritter habe sich in die Luft gesprengt. Bei dem Selbstmordattentat wurde der Agentur Isna zufolge ein Gärtner getötet.

Polizist im iranischen Parlament
REUTERS/ TIMA

Polizist im iranischen Parlament

Angriffe sollen zeitgleich erfolgt sein

Das Mausoleum liegt im Süden der iranischen Hauptstadt, das Parlament befindet sich etwa 20 Kilometer davon entfernt im Zentrum Teherans. Nach Angaben iranischer Zeitungen erfolgten die Angriffe zeitgleich. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat die Anschläge für sich reklamiert.

IS-Anhänger feiern den Angriff im Internet. Sie sehen den mehrheitlich schiitischen Iran als vom rechten - sunnitischen - Weg abgekommen. Tatsächlich lässt sich nicht unabhängig überprüfen, inwiefern der IS oder IS-Anhänger an den Angriffen auf das Parlament in Teheran und auf das Khomeini-Mausoleum beteiligt waren. Sollten sich die Behauptungen des IS bewahrheiten, wäre es der erste IS-Terroranschlag dieser Art in Iran.

Der Angriff kommt in innen- wie außenpolitisch turbulenten Zeiten: Nach der Präsidentenwahl im Mai, bei der der amtierende Präsident Hassan Rohani wiedergewählt wurde, steht derzeit ein Austausch etwa der Hälfte aller Minister an.

Rohani, der in seiner ersten Amtszeit hinter den Erwartungen zurückblieb und kaum Reformen durchsetzen konnte, will angeblich jüngere, reformbereitere Leute in sein neues Kabinett holen. Außenpolitisch bestimmt vor allem der Streit mit Saudi-Arabien die Agenda.

Saudi-Arabien hat zusammen mit weiteren arabischen Ländern eine Isolation des Emirats Katar durchgesetzt, das vergleichsweise gute Beziehungen zu Iran hat.

cte/kaz/Reuters/AP/dpa/AFP



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