Iran Uno-Experten prüfen Atomreaktor in Arak

Wichtiger Fortschritt im Atomkonflikt mit Iran: Kontrolleure der Uno haben erstmals seit zwei Jahren den Schwerwasserreaktor in der Stadt Arak inspiziert. Europa und Amerika beunruhigt die Anlage, weil sie einst waffenfähiges Plutonium herstellen könnte.

Irans Reaktor in Arak: Erster Kontrollbesuch seit zwei Jahren
REUTERS

Irans Reaktor in Arak: Erster Kontrollbesuch seit zwei Jahren


Dubai - Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren haben Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) den iranischen Schwerwasserreaktor in Arak untersucht. Das bestätigte ein Sprecher der iranischen Atombehörde am Sonntag der Nachrichtenagentur Isna. Die Inspektion ist ein Ergebnis des jüngsten Zwischenabkommens mit dem Westen zu dem umstrittenen iranischen Atomprogramm.

Die Anlage in Arak ist noch im Bau. Im Westen wird sie mit Argwohn betrachtet, weil sie Plutonium herstellen könnte. Damit stünde der Regierung in Teheran ein zweiter Weg zur Herstellung von Kernwaffen offen. Die US-Regierung könnte von Iran verlangen, Teile des Komplexes abzubauen, hieß es. Der Sprecher der iranischen Atombehörde lehnte dies ab. Man werde über derartige Fragen nicht einmal diskutieren, sagte er.

Und noch in einem weiteren Punkt zeigte sich Iran unnachgiebig. Am Samstag hatte die Atombehörde erklärt, man setzte die Erprobung neuer Zentrifugen für die Anreicherung von Uran fort. Eine erste Testreihe effizienterer Geräte sei abgeschlossen worden. Mit den Tests scheint Iran zwar nicht direkt gegen das jüngste Abkommen zu verstoßen. Dennoch könnte die Entwicklung die Westmächte beunruhigen, weil Iran die Anreicherung deutlich beschleunigen könnte. Bei entsprechend höherer Anreicherung kann das Uran zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden.

Im November hatten sich die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China und Deutschland in dem jahrelangen Atomstreit mit Iran auf erste Schritte zur Entspannung des Konflikts verständigt. Die Führung in Teheran stimmte Einschränkungen bei ihren Nuklearaktivitäten zu. Dafür werden einige Sanktionen gegen die Regierung gelockert.

Binnen sechs Monaten soll ein endgültiges Abkommen erzielt werden. Vor allem die westlichen Staaten in der Verhandlungsgruppe verdächtigen Iran, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Die Islamische Republik hat dies zurückgewiesen. Nach ihrer Darstellung dient das Programm rein zivilen Zwecken.

ssu/Reuters

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criticalsitizen 08.12.2013
1. Herstellerland der Bauteile und Einzelteile veröffentlichen!
Weshab wird das nicht offengelegt? Nor so ekennt man, wer ggf lügt und ggf. Gesetze bricht.
JDR 08.12.2013
2. ...
Zitat von sysopREUTERSWichtiger Fortschritt im Atomkonflikt mit Iran: Kontrolleure der Uno haben erstmals seit zwei Jahren den Schwerwasser-Reaktor in der Stadt Arak inspiziert. Europa und Amerika beunruhigt die Anlage, weil sie einst waffenfähiges Plutonium herstellen könnte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-schwerwasser-reaktor-arak-von-uno-experten-besichtigt-a-937876.html
Ja, die Passage über "Forschung und Entwicklung" scheint es der IRI ebenfalls zu erlauben, neue Zentrifugen zu testen. Es gibt aber ein Detail: Sie dürfen die Zentrifugen dazu nicht bauen. Die Produktion ist beschränkt auf den Ersatz beschädigter Geräte. Unwahrscheinlich bleibt jedoch, ob der Punkt durchgesetzt wird. Im Grunde demonstriert die IRI gerade eindrucksvoll den Unterschied zwischen westlicher Herangehensweise und persischer. Während der Westen sich bemüht, den vermeintlichen "Geist des Dokumentes" um jeden Preis zu wahren, indem z.B. Obama versucht, Sanktionsbeschlüsse zu verhindern, die erst nach dem Ablauf der Frist des Dokumentes greifen würden, zeigt Teheran, wie präzise es die Sprache ausgelegt hat, um alle seine Ziele weiter verfolgen zu können. Neue Reaktoren, Weiterbau von Arak, neue Zentrifugen, alles blumig formuliert in den sogenannten Deal eingebaut. Genf verhindert kurzzeitig die Ansammlung von Uran, während das Atomwaffenprogramm ungebremst fortschreitet - aber ein finaler Deal kann das ja alles ändern, selbst wenn Teheran schon jetzt erklärt, über das eigentliche Thema überhaupt nciht verhandeln zu wollen. Was Teheran Sorge zu machen scheint, ist, dass der Westen, auch, wenn die Sanktionen für einen Nukleardeal aufgehoben würden, diese unschwer mit anderer Begründung neu installieren könnte. Zumindest für Sicherheitsratsbeschlüsse ist dies falsch und was andere Sanktionen angeht, gäbe es Mechanismen, dies zu verhindern. Allerdings demonstriert die iranische Seite heute nur, dass sie alles tut, um jedes "Loophole", jede Formulierung, jeden Winkelzug zu nutzen, der es ihr erlauben würde, trotz eines "Deals" ihre Nuklearwaffenkapazitäten zu behalten. Ehrliche Absichten sehen anders aus.
jautaealis 08.12.2013
3. Mich als Europäer beunruhigt die Anlage nicht im geringsten!
Ganz im Gegenteil: Weil sie Bestandteil einer sinnvollen Strategie ist, ein ökonomisches und militärisches Gleichgewicht der größeren Mächte im Bereich der arabischen Halbinsel herauszubilden... Nicht auszudenken, wenn allein das sunnitisch-islamische Saudi-Arabien und das mehrheitlich jüdische Israel ebendort das Sagen hätten.......
alfredoneuman 08.12.2013
4. Der Iran darf überhaupt nicht anreichern!
Zitat von JDRJa, die Passage über "Forschung und Entwicklung" scheint es der IRI ebenfalls zu erlauben, neue Zentrifugen zu testen. Es gibt aber ein Detail: Sie dürfen die Zentrifugen dazu nicht bauen. Die Produktion ist beschränkt auf den Ersatz beschädigter Geräte. Unwahrscheinlich bleibt jedoch, ob der Punkt durchgesetzt wird. Im Grunde demonstriert die IRI gerade eindrucksvoll den Unterschied zwischen westlicher Herangehensweise und persischer. Während der Westen sich bemüht, den vermeintlichen "Geist des Dokumentes" um jeden Preis zu wahren, indem z.B. Obama versucht, Sanktionsbeschlüsse zu verhindern, die erst nach dem Ablauf der Frist des Dokumentes greifen würden, zeigt Teheran, wie präzise es die Sprache ausgelegt hat, um alle seine Ziele weiter verfolgen zu können. Neue Reaktoren, Weiterbau von Arak, neue Zentrifugen, alles blumig formuliert in den sogenannten Deal eingebaut. Genf verhindert kurzzeitig die Ansammlung von Uran, während das Atomwaffenprogramm ungebremst fortschreitet - aber ein finaler Deal kann das ja alles ändern, selbst wenn Teheran schon jetzt erklärt, über das eigentliche Thema überhaupt nciht verhandeln zu wollen. Was Teheran Sorge zu machen scheint, ist, dass der Westen, auch, wenn die Sanktionen für einen Nukleardeal aufgehoben würden, diese unschwer mit anderer Begründung neu installieren könnte. Zumindest für Sicherheitsratsbeschlüsse ist dies falsch und was andere Sanktionen angeht, gäbe es Mechanismen, dies zu verhindern. Allerdings demonstriert die iranische Seite heute nur, dass sie alles tut, um jedes "Loophole", jede Formulierung, jeden Winkelzug zu nutzen, der es ihr erlauben würde, trotz eines "Deals" ihre Nuklearwaffenkapazitäten zu behalten. Ehrliche Absichten sehen anders aus.
Laut Resolution 1696 des UN-Weltsicherheitsrates aus dem Jahre 2006, muss der Iran die Anreicherung stoppen, andernfalls treten Sanktionen in Kraft. Weil der Iran mit der Anreicherung nicht aufhörte, wurden die Sanktionen ausgelöst, und in 5 weiteren UN-Resolution weiter verschärft. SECURITY COUNCIL DEMANDS IRAN SUSPEND URANIUM ENRICHMENT BY 31 AUGUST, OR FACE POSSIBLE ECONOMIC, DIPLOMATIC SANCTIONS (http://www.un.org/News/Press/docs/2006/sc8792.doc.htm) Wie ist es dann möglich, dass 5+1 mit dem Iran so verhandelt, als ob es von den UN-Resolutionen noch nie etwas gehört hätte?
alfredoneuman 08.12.2013
5. Klare Sache!
Zitat von jautaealisGanz im Gegenteil: Weil sie Bestandteil einer sinnvollen Strategie ist, ein ökonomisches und militärisches Gleichgewicht der größeren Mächte im Bereich der arabischen Halbinsel herauszubilden... Nicht auszudenken, wenn allein das sunnitisch-islamische Saudi-Arabien und das mehrheitlich jüdische Israel ebendort das Sagen hätten.......
Wenn man ignorant genug ist, und an die Formel "Frieden schaffen mit Atomwaffen" (noch dazu, am besten in Islamisten Hand) glaubt, können einen solche Perspektiven natürlich nicht schrecken.
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