Straße von Hormus Showdown im Nadelöhr

Die Straße von Hormus gilt als weltweit wichtigste Seeroute für Öl. Ausgerechnet dort setzt Iran nun britische Tanker fest. Falls der Konflikt eskaliert, wären die Folgen für die Weltwirtschaft drastisch.
Straße von Hormus und Golf von Oman: Es würde wohl ausreichen, dass Iran droht, die Straße von Hormus durch Minenfelder zu sperren.

Straße von Hormus und Golf von Oman: Es würde wohl ausreichen, dass Iran droht, die Straße von Hormus durch Minenfelder zu sperren.

Foto: DPA/ NASA/The Visible Earth

Der Streit um einen britischen Tanker in der Meerenge von Hormus hat sich am Samstag deutlich verschärft. Deutschland und Frankreich forderten die "unverzügliche" Freigabe der "Stena Impero", die die Iranischen Revolutionsgarden am Freitag beschlagnahmt hatten. Der britische Außenminister Jeremy Hunt drohte mit "ernsthaften Konsequenzen", in London wurde der Vertreter des iranischen Botschafters einbestellt. Und die US-Regierung kündigte an, ihre Militärpräsenz in der Golfregion zu verstärken.

"Eine weitere regionale Eskalation wäre sehr gefährlich", teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Das französische Außenministerium äußerte "große Besorgnis" über den Vorfall. Und der norwegische Reedereiverband riet seinen Mitgliedern sogar, iranische Gewässer zu meiden.

Die Tankerkrise am Persischen Golf erhitzt die Gemüter aus gutem Grund. Denn es geht nur vordergründig um die "Stena Impero" mit ihren 23 Matrosen. Es geht auch nur vordergründig um einen zweiten Tanker der britischen Reederei Norbulk Shipping, dem Iran ebenfalls vorübergehend die Passage verweigerte.

Tatsächlich spielt sich in der Straße von Hormus nicht weniger ab als ein geopolitischer Machtpoker.

"Stena Impero"

"Stena Impero"

Foto: Handout ./ REUTERS

Laut der US-Energieagentur EIA ist die Straße von Hormus die weltweit wichtigste Seeroute für Öllieferungen. Rund 18,5 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) werden täglich durch die Wasserstraße transportiert, knapp ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Öls.

Auch für Flüssiggaslieferungen ist die Meerenge von größter Bedeutung. Der Hauptexporteur, das Emirat Katar, verschiffte 2016 rund 104 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas über diesen Weg, mehr als 30 Prozent des weltweiten Handelsvolumens.

An ihrer schmalsten Stelle ist die Straße von Hormus gut 54 Kilometer breit. Nach Abzug der Hoheitsgewässer von Iran und Oman bleibt nur ein schmaler schiffbarer Korridor, in beide Richtungen gerade rund 3,7 Kilometer breit, getrennt von einer ebenso breiten Pufferzone. Wie eng befahren die Straße von Hormus ist, lässt sich auf der Webseite marinetraffic.com verfolgen , die Schiffsrouten in Echtzeit anzeigt.

Weil die Wasserstraße zwischen Iran und der zum Oman gehörenden Halbinsel Musandam so eng ist, lässt sie sich mit relativ einfachen militärischen Mitteln kontrollieren. Teheran nutzt das seit Jahrzehnten immer wieder als Druckmittel - auch jetzt, in einer Zeit, in der sich der Machtkampf mit den USA verschärft.

Im Mai 2018 sind die USA einseitig aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran ausgestiegen und haben in der Folge neue Sanktionen gegen das Land verhängt. Die iranische Bevölkerung leidet massiv darunter, das Regime in Teheran baut die USA zum Todfeind der Nation auf. Und müht sich, wo es kann, Stärke zu zeigen. Provokationen im Persischen Golf sind dafür ein beliebtes Mittel.

Bis jetzt sieht es nicht so aus, als ob Iran mehr will als drohen; aber wenn das Regime in Teheran es wirklich darauf anlegen sollte, dann könnte es die Straße von Hormus womöglich komplett lahmlegen.

Es würde wohl ausreichen, dass Iran droht, die Straße von Hormus durch Minenfelder zu sperren. Viele Versicherungsfirmen dürften sich dann weigern, Deckungen für die dort verkehrenden Öltanker zu übernehmen, und ohne diese Absicherung für die viele Millionen Dollar teure Fracht, dürfte kaum ein Reeder noch in See stechen.

Der weltweite Ölhandel wäre dann gelähmt. Denn andere Handelsrouten sind rar. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate betreiben Pipelines, die die Straße von Hormus umgehen können. Diese verfügen jedoch nur über eine geschätzte Kapazität von knapp sieben Millionen Barrel pro Tag - viel zu wenig, um eine Blockade der Meerenge zu kompensieren.

Für die Weltwirtschaft hätte das fatale Folgen. Die Ölpreise dürften stark in die Höhe schnellen und eine gewaltige globale Umverteilungsmaschine in Gang setzen: Bei den aktuellen Ölpreisen von knapp unter 60 Dollar je Barrel ist die globale Jahresproduktion von Rohöl rund zwei Billionen Dollar wert. Steigt der Preis auf 100 Dollar, wären es gut 3,4 Billionen.

Im Falle eines Preisschubs würden also gewaltige Kapitalströme umgelenkt, was die Weltwirtschaft an zahlreichen Stellen betreffen würde: Unternehmen müssten Projektpläne ändern, Investoren ihre Risikokalkulationen, Autobesitzer würden unter steigenden Benzinpreisen leiden, Volkswirtschaften unter höherer Inflation, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Entsprechend groß ist die Sorge vor einer Eskalation. In Großbritannien tritt wohl auch deshalb am Samstag erneut der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) zusammen, bereits zum zweiten Mal seit Freitagabend. Es gilt jetzt, rasch eine entschlossene Antwort auf Irans Muskelspiele zu finden - ohne den Konflikt vollends eskalieren zu lassen.

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