Chemiewaffenabkommen mit Assad Iran spottet über US-Niederlage in Syrien

Das Regime in Teheran brüstet sich nach der abgesagten US-Intervention in Syrien mit einem Sieg über den Westen. Den Kompromiss zur Chemiewaffenkontrolle wertet der Kommandeur der Revolutionswächter als Einknicken gegenüber Assad. Nach dieser Lesart hat auch Iran nichts mehr zu befürchten.

Iranischer Kommandeur Dschafari: "Verschwörung des Westens ist gescheitert"
AFP

Iranischer Kommandeur Dschafari: "Verschwörung des Westens ist gescheitert"


Teheran - Irans Regime sieht sich durch den Kompromiss über die Chemiewaffenkontrolle in Syrien gestärkt. Die vorerst abgewendete US-Militärintervention gegen das Assad-Regime zeige die Schwäche des Westens, sagte Mohammad Ali Dschafari, Kommandeur der iranischen Revolutionswächter, am Montag in Teheran.

"Die Feinde, die keine Macht haben, die Widerstandsfront in Syrien anzugreifen, werden auch nicht die Macht haben, irgendetwas gegen Iran zu unternehmen", sagte Dschafari. Die "Verschwörung der arroganten Mächte" gegen Damaskus und Teheran sei gescheitert, die USA hätten "eine Niederlage und ein Scheitern" in Syrien erlebt. Der Kommandeur räumte ein, dass Kämpfer seiner paramilitärischen Kuds-Brigaden in Syrien und dem Libanon aktiv seien - jedoch nur als Berater.

Irans Präsident Hassan Rohani betonte in einer Rede vor den Revolutionswächtern die Bedeutung der Allianz mit dem Assad-Regime. "Von Syrien hängt das Schicksal der ganzen Region ab - unter gewissen Umständen sogar das Schicksal der gesamten Welt", sagte der neugewählte Regierungschef. "Der Westen hat eine Entscheidung für die gesamte Region getroffen, und es ist offensichtlich, dass ihm unsere Region in der jetzigen Form nicht gefällt." Die USA und ihre Verbündeten arbeiteten daran, Israel gegenüber den Nachbarstaaten zu stärken.

Syrien will Uno-Resolution befolgen

Am Wochenende hatten sich Washington und Moskau auf einen Zeitplan für die Vernichtung der syrischen Chemiewaffenbestände geeinigt. Die republikanischen US-Senatoren John McCain und Lindsey Graham werteten das Abkommen - ähnlich wie die iranische Führung - als Zeichen der Schwäche.

Assads Informationsminister Omran al-Subi bekräftigte am Montag, dass Damaskus die Vereinbarung zu den Chemiewaffen umsetzen werde - wenn die Vereinten Nationen dazu eine Resolution verabschieden.

Die syrische Führung sei bereits dabei, die notwendigen Unterlagen zusammenzustellen, sagte Subi. Waffeninspektoren sollten freien Zugang zu allen Anlagen erhalten. Damit helfe Syrien "der ganzen Region, einen Krieg zu verhindern". Experten halten den Zeitplan, der eine Beseitigung der C-Waffen bis Mitte 2014 vorsieht, für unrealistisch.

Frankreich, die USA und Großbritannien arbeiten nach den Worten von François Hollande derzeit an einer "starken und verpflichtenden" Uno-Resolution zur Zerstörung des Arsenals. Darin sollen Assad Strafaktionen angedroht werden, sollte er nicht vollständig kooperieren. Die Resolution soll bis Ende kommender Woche verabschiedet werden.

syd/AFP/Reuters

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privat23 16.09.2013
1. Mission erfolgreich
Zitat von sysopAFPDas Regime in Teheran brüstet sich nach der abgesagten US-Intervention in Syrien mit einem Sieg über den Westen. Den Kompromiss zur Chemiewaffenkontrolle wertet der Kommandeur der Revolutionswächter als Einknicken gegenüber Assad. Nach dieser Lesart hat auch Iran nichts mehr zu befürchten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-sieht-usa-durch-syrien-abkommen-ueber-chemiewaffen-geschwaecht-a-922434.html
Liebe möchtegern Pazifisten, da haben wir den Salat. Rote Linie übertreten, egal. Chemiewaffen eingesetzt, egal. Glaubwürdigkeit um ander abzuschrecken, egal. Die Iraner sollten sich nicht als Sieger betrachten, es ist davon auszugehen, sollten sie diese Denke real umsetzen , dass das Reich der Mullahs als atomare Wüste endet.
mfetzer 16.09.2013
2. stimme dem Iran zu
Die Uno lässt sich von Putin und China vorführen und der Westen versagt komplett. Die Möglichkeit zum schnellen Handeln wurde durch monatelanges sinnloses rumdisskutieren vertan. Aber da sind wir ja gut. Auch in jugoslaswien sind 100 000 tausende ermordet worden bis endlich die NATO mit durch den Druck der USA eingegriffen hat.
j.vantast 16.09.2013
3. Besser so als anders
Zitat von sysopAFPDas Regime in Teheran brüstet sich nach der abgesagten US-Intervention in Syrien mit einem Sieg über den Westen. Den Kompromiss zur Chemiewaffenkontrolle wertet der Kommandeur der Revolutionswächter als Einknicken gegenüber Assad. Nach dieser Lesart hat auch Iran nichts mehr zu befürchten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-sieht-usa-durch-syrien-abkommen-ueber-chemiewaffen-geschwaecht-a-922434.html
Tja, es ist nicht immer sinnvoll auf dicke Hose zu machen. Lieber ein Zeichen von Schwäche, obwohl es ja überhaupt nicht so ist, als Krieg und Opfer. Wenn sich ein Krieg durch Verhandlungen verhindern lässt ist es doch optimal. Aber offenbar wiegen innenpolitische Standpunkte in den USA viel mehr als Todesopfer durch einen Krieg. Bevor von den Amerikanern ein Politiker sein "Gesicht verliert" zieht man lieber in den Krieg und tötet.
ichbinschlau 16.09.2013
4. Tja,
kann man nur bestätigen. In dieser Region werden die Vereinigten Pleitestaaten von Amerika nicht mehr ernst genommen.
fam.weber11 16.09.2013
5. Wind of change
Ich habe mit dem Mullah-Regime nix am Hut, dennoch ist die Analyse Teherans zutreffend. Vielleicht markiert die Causa Syrien gar eine historische Wende in der Neuzeit. Die USA müssen sich ihre relative Machtlosigkeit gegenüber dem islamischen Kulturkreis eingestehen und es ist Vorbei mit der Rolle des US-amerikanischen Weltpolizisten, der jederzeit und überall seine Interessen mittels rauchender Colts durchsetzen kann. Wenn selbst der britische Wurmfortsatz Washingtons nicht länger zum Waffengang bereit ist und der Rest des Westens (Ausnahme Frankreich) noch weniger, ist die Saat der Bush-Regierung aufgegangen. Die Welt misstraut den USA, ihren Behauptungen und vor allem ihren vorgeblichen Motiven.
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