Bericht des Staatsfernsehens Iran beschlagnahmt ausländischen Tanker

Das iranische Staatsfernsehen meldet, Revolutionswächter hätten in der Straße von Hormus einen Tanker und dessen zwölfköpfige Besatzung festgesetzt - wegen "Schmuggels".

Tanker in der Straße von Hormus (Symbolbild)
Ahmed Jadallah/ REUTERS

Tanker in der Straße von Hormus (Symbolbild)


Die Meldung des iranischen Staatsfernsehens birgt politische Sprengkraft: Irans Revolutionswächter haben demnach einen ausländischen Tanker samt zwölfköpfiger Besatzung festgesetzt.

Ein ausländisches Schiff, das eine Million Liter Treibstoff nahe der Lark-Insel geschmuggelt habe, sei beschlagnahmt worden, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Staatssender IRIB. Der Tanker sei bereits am Sonntag festgesetzt worden. Zum Namen und zur Herkunft des Tankers machten die Garden keine Angaben. Auch weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Die Revolutionswächter (IRGC) hätten den Tanker in der Straße von Hormus gestoppt und die zwölf ausländischen Crew-Mitglieder verhaftet, berichtet die Nachrichtenagentur Tasnim.

Die Straße von Hormus im Persischen Golf ist einer der wichtigsten Schifffahrtswege weltweit. Ein Fünftel der Erdöltransporte gehen durch diese Meerenge.

Dritter Vorfall auf See binnen weniger Tage

Vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Iran einerseits und den USA und ihren Verbündeten andererseits war es jüngst zu mehreren Vorfällen auf See gekommen:

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den Supertanker "Grace 1" in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt. Der Kapitän und drei weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, aber inzwischen wieder gegen Kaution freigelassen.

Iran protestierte gegen das Vorgehen der britischen Behörden, bestellte mehrmals den Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof in Gibraltar ordnete jedoch an, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf. Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt stellte zuletzt die Freigabe des Tankers in Aussicht, sollte Iran zusichern, dass die Ladung nicht für Syrien bestimmt sei.

Öltanker "Grace 1": Illegale Öllieferungen nach Syrien?
JORGE GUERRERO / AFP

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Verschärft wurde der Konflikt durch einen weiteren Zwischenfall. Dieser betraf einen britischen Tanker in der Straße von Hormus. Britischen Angaben zufolge hatten dort drei iranische Boote versucht, das britische Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Eine britische Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt jedoch, in den Vorfall verwickelt gewesen zu sein.

Seit dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben sich die Spannungen in der Golfregion massiv verschärft. Seit Anfang Mai gab es mehrere Angriffe auf Tanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate und im Golf von Oman, für die Washington Iran verantwortlich machte. Die Revolutionswächter wiesen wiederholt jede Verantwortung zurück.

Ende Juni brachte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus Iran und die USA an den Rand eines bewaffneten Konflikts. US-Präsident Donald Trump stoppte erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff.

cht/asa/Reuters/AFP/dpa



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