Tote und Verletzte bei Protesten Vereinte Nationen drängen auf Deeskalation in Iran

Die iranischen Sicherheitskräfte gehen hart gegen die anhaltenden regierungskritischen Proteste vor. Bislang haben die Behörden drei Todesopfer bestätigt, die Zahl könnte der Uno zufolge jedoch weit höher liegen.
Ausgebrannte Tankstelle in Teheran: Die Ausschreitungen richten sich gegen eine starke Erhöhung der Benzinpreise

Ausgebrannte Tankstelle in Teheran: Die Ausschreitungen richten sich gegen eine starke Erhöhung der Benzinpreise

Foto: Abdolvahed Mirzazadeh/ISNA/AP/dpa

Die anhaltenden Proteste in Iran könnten deutlich mehr Todesopfer gefordert haben als bislang bekannt. Den Vereinten Nationen (Uno) lägen Berichte vor, wonach bereits Dutzende Menschen ums Leben gekommen seien, sagte Rupert Colville, Sprecher der Uno-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet. Das Ausmaß der Gewalt sei "offensichtlich sehr ernst".

Bislang haben die iranischen Behörden den Tod zweier Polizisten und eines Demonstranten bestätigt. Medien berichten jedoch seit Tagen über weitere Tote auf beiden Seiten sowie zahlreiche Verletzte. Einigen der Anführer drohten die Revolutionsgarden, eine dem System besonders loyale Elitetruppe, zudem mit der Todesstrafe.

Die Ausschreitungen hatten am Freitag begonnen, nachdem die Regierung von Präsident Hassan Rohani eine Einschränkung der Spritausgabe und Erhöhung der Benzinpreise um mindestens 50 Prozent bekannt gegeben hatte.

Behörden melden mehr als tausend Festnahmen

Am Wochenende waren zahlreiche Tankstellen angezündet, Banken verwüstet und Geschäfte geplündert worden. Mehr als tausend Protestierende sind offiziellen Angaben zufolge festgenommen worden. Auch diese Zahl lässt sich bislang nicht unabhängig prüfen und könnte deutlich höher sein.

Seit vier Tagen ist in Iran zudem das Internet weitgehend gesperrt. Das erschwert die Koordination der Demonstranten und soll offenbar verhindern, dass Bilder der Proteste an die Öffentlichkeit gelangen.

Die Vereinten Nationen verurteilten den Einsatz scharfer Munition gegen Demonstranten durch iranische Sicherheitskräfte und riefen die Behörden zur Mäßigung auf.

Die jüngsten Proteste sind die größten seit dem Winter 2017/18, als 25 Menschen getötet worden waren. Auch damals hatten sich die Proteste an der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Iran entzündet. Das Land ist wegen der im Atomstreit verhängten US-Wirtschaftssanktionen in eine tiefe Rezession gerutscht.

mes/Reuters/dpa/AFP