Attacke auf Frachter vor Iran Tanker-Besatzung sah "fliegende Objekte"

Wer hat die Tanker im Golf von Oman attackiert? Die USA beschuldigen Iran, jetzt hat sich der japanische Schiffseigner der "Kokuka Courageous" geäußert.

Bild des US-Militärs, das einen Schaden und eine mögliche Mine an der Bordwand der "Kokuka Courageous" zeigen soll
AFP

Bild des US-Militärs, das einen Schaden und eine mögliche Mine an der Bordwand der "Kokuka Courageous" zeigen soll


Nach dem Anschlag auf zwei Tanker im Golf von Oman bleibt weiter rätselhaft, wer dafür verantwortlich ist: Die USA wollen eine iranische Urheberschaft mit einem Video belegen. Die japanische Firma Kokuka Sangyo hat nun erstmals erklärt, was die Besatzungsmitglieder ihres Schiffes "Kokuka Courageous" beobachtet haben wollen.

Demnach wurde der mit Methanol beladene Tanker zwei Mal im Abstand von drei Stunden von einer Explosion erschüttert, einmal am Heck und einmal Mitschiffs. Danach habe die 21-köpfige Besatzung das Schiff verlassen, sie wurde von dem in der Nähe befindlichen US-Zerstörer "USS Bainbridge" aufgenommen.

Die Besatzungsmitglieder hätten vor der Explosion "fliegende Objekte" gesehen, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo bei einer Pressekonferenz in Tokio.

Mittlerweile ist die Crew auf die "Kokuka Courageous" zurückgekehrt. Nun soll das Schiff, das von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) betrieben wird, in den Hafen Khor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschleppt werden. Es bestehe keine Gefahr des Sinkens, auch Ladung verliere die "Kokuka Courageous" nicht, erklärte BMS.

Courtesy U.S. Military/REUTERS

Die USA hatten am Donnerstag ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen sein soll, wie iranische Revolutionsgarden einen nicht explodierten Sprengsatz von der Außenwand eines Tankers entfernen. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom seien Menschen an Bord eines iranischen Schnellboots dabei "beobachtet und aufgenommen" worden, wie sie eine nicht explodierte Mine vom Tanker "Kokuka Courageous" entfernten.

In einer ersten Reaktion drauf nannte Irans Außenministerium den Verdacht "zwar lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich". Irans Präsident Hassan Rohani sagte im kirgisischen Bischkek, das Handeln der USA sei eine ernste Bedrohung für die Stabilität im Nahen Osten.

Der Auswärtige Dienst der EU schließt sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen Iran vorerst nicht an. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein ranghoher EU-Beamter. Die Uno-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. "Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion", sagte Außenamtssprecher Geng Shuang. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte ebenfalls vor übereilten Reaktionen. Die Vorfälle seien wirklich sehr besorgniserregend, aber man dürfe nicht hastig reagieren, sagte er in einem von CNN Türk übertragenen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. "Das muss ernsthaft untersucht werden." Zu den Vorwürfen der USA in Richtung Iran sagte er: "Wir denken, dass es keinen Zweck hat, das auf die Schnelle einem einzigen Land anzulasten."

Das zweite attackierte Schiff, die "Front Altair", fährt unter der Flagge der Marshallinseln, gehört aber zur Flotte der norwegischen Reederei Frontline. Das Schiff ist beladen mit 75.000 Tonnen Naphtha, einem raffinierten Erdöl. Der Tanker war auf dem Weg von Abu Dhabi nach Kaohsiung in Taiwan. An Bord befanden sich 23 Besatzungsmitglieder. Das Schiff "Hyundai Dubai", das in der Nähe war, nahm sie an Bord und brachte sie in Sicherheit. Inzwischen befindet sich die Besatzung - elf Russen, elf Filipinos und ein Georgier - im iranischen Hafen Bandar Abbas.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version diese Artikels hieß es, Rohani habe sich aus Russland zu Wort gemeldet. Richtig ist: Er sprach im kirgisischen Bischkek.

cht/AP/Reuters/dpa

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Seite 1
Ein_denkender_Querulant 14.06.2019
1. Genau wie im Beweisvideo
Das deckt sich ja genau mit dem Beweisvideo der USA. Dann sollte man die Tankerbesatzung jetzt schnell unter internationalen Schutz stellen, ansonsten sind diese wichtigten Zeugen sehr schnell ganz zufällig gestorben. Das verlogene Spiel ist offensichtlich, die Kriegstreiber wollen einen neuen Schauplatz der brennt. Es reicht langsam.
transsib_reisen 14.06.2019
2. Im UN-Sicherheitsrat:
Quelle faz.net (..) Vor dem UN-Sicherheitsrat präsentierten die Vereinigten Staaten trotz der öffentlichen Schuldzuweisungen offensichtlich keine Belege für eine Verantwortung Irans. "Wir haben keinerlei Beweise diskutiert", sagte der kuweitische UN-Botschafter Mansur al Otaibi nach einem Treffen des Gremiums am Donnerstag. Kuweit steht dem Gremium momentan vor. Auch habe der Sicherheitsrat zunächst keine Maßnahmen angesichts der steigenden Spannungen beschlossen. Es müsse seiner Ansicht nach eine unabhängige und gründliche Untersuchung geben. (...)
phillyst 14.06.2019
3.
Das Ganze ist schon wieder so eine undurchsichtige Geschichte... ich kann gar nicht sagen, welche der Parteien die involviert sind tatsächlich interesse an einer Eskalation hätten, aber es hätte aus keiner strategischen Überlegung irgendeinen Sinn für Iran, jetzt zufällig irgendwelche Tanker aus aller Herren Länder zu attackieren? Was wäre der Vorteil daran, den USA einen Grund zu geben, einen heissen Krieg vom Zaun zu brechen? Nicht, das ich die Iraner für heilige halten würde, aber wäre einfach sinnlos - und für völlig blöd halte ich sie nicht.
zoon.politicon 14.06.2019
4.
In Erinnerung an die "Gründe" der USA für den 2. Irakkieg (damals gezeigt: Schemazeichnung eines LKW mit Anlage zur Herstellung chemischer Waffe) scheint es jetzt wieder um einen Kriegsgrund zu gehen: waren es "die Iraner", die "revolutionären Garden", irgendwelche Provokateure welcher Herkunft auch immer? Leider wiederholt sich die Geschichte gerne.
hausfeen 14.06.2019
5. Fleigende Objekte, die von einem Schnellboot der Garden ...
.... von der Schiffswand geklaubt werden, da bleibt einem nur noch die Spucke weg. Nicht wegen der Dreistigkeit der Lüge, sondern weil die Lüge so schrecklich dämlich dumm ist.
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