Gespräche in Wien Iran und IAEA verhandeln über Atomprogramm

Die Internationale Atomenergiebehörde verlangt Zugang zu umstrittenen Nuklearanlagen in Iran. In Wien verhandelt die IAEA mit Teheran über die Arbeitsbedingungen ihrer Kontrolleure. Sorge bereiten Pläne des Regimes, in der kommenden Woche einen Satelliten ins All zu schießen.

IAEA-Unterhändler Nackaerts: "Zugang zu Menschen, Dokumenten, Informationen"
REUTERS

IAEA-Unterhändler Nackaerts: "Zugang zu Menschen, Dokumenten, Informationen"


Wien - Iran und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verhandeln seit Montag wieder über Teherans umstrittenes Nuklearprogramm. Im Mittelpunkt der zweitägigen Gespräche in der iranischen Botschaft stehen vor allem die Bedingungen, unter denen die IAEA-Kontrolleure im Land arbeiten können.

Der Chefunterhändler der Behörde, Herman Naeckerts, sagte zum Auftakt der Verhandlungen: "Es ist wichtig, dass Iran uns den Zugang zu Menschen, Dokumenten, Informationen und Standorten freigibt."

Konkret geht es bei den Forderungen der IAEA vor allem um Kontrollbesuche in der Militäranlage Parchin bei Teheran, die bei der Behörde als möglicher Standort für Atomexperimente gilt.

Ein Team von IAEA-Inspekteuren unter Leitung von Nackaerts hatte bereits bei zwei Besuchen in Iran im Januar und Februar nach Parchin reisen wollen, dafür aber keine Erlaubnis erhalten. Im März sagte IAEA-Generalsekretär Yukiya Amano, auf dem Stützpunkt seien "Aktivitäten im Gange", die baldmöglichst untersucht werden müssten. Teheran will Kontrollen nur zustimmen, wenn auch eine Einigung über die "Modalitäten" der künftigen Zusammenarbeit mit der IAEA erreicht wird.

Große Sorge bereitet der internationalen Gemeinschaft auch die unterirdische Urananreicherungsanlage Fordow, wo Uran auf 20 Prozent angereichert wird. Der Westen befürchtet, dass die Anlage später leicht dazu genutzt werden könnte, das Uran auf 90 Prozent anzureichern. Dies würde für den Bau einer Atombombe ausreichen.

Zwei Verhandlungsrunden zwischen der IAEA und Iran waren Anfang dieses Jahres in der Sache ohne Ergebnis geblieben. Als Folge des Dauerstreits um das Atomprogramm bestehen umfangreiche Sanktionen gegen Teheran. Unter anderem tritt ab 1. Juli ein Ölembargo seitens der Europäischen Union in Kraft. Nach Informationen der "Washington Post" lagert das Regime deshalb immer größere Mengen von Rohöl auf Tankschiffen.

Iran will Satelliten ins All schießen

Das Treffen in Wien ist auch deshalb wichtig, weil am 23. Mai die fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats sowie Deutschland in Bagdad zu weiteren Verhandlungen mit Teheran zusammenkommen. Dann geht es konkret um den Vorwurf, dass Iran geheime militärische Programme zum späteren Bau von Atombomben betreibt. Das Treffen war Mitte April bei einer ersten Verhandlungsrunde in Istanbul vereinbart worden, die von beiden Seiten verhalten positiv bewertet wurde.

Überschattet werden dürfte der Beginn der Gespräche in Bagdad vom Start eines iranischen Beobachtungssatelliten am selben Tag. Wie Raumfahrtminister Mehdi Farahi laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna am Montag bekanntgab, soll am 23. Mai der Satellit Fadschr (Morgenröte) ins All geschickt werden.

Iran hatte erstmals im Februar 2009 einen Satelliten in den Weltraum gebracht und damit weitere Ängste bei der internationalen Gemeinschaft geschürt. Den westlichen Staaten zufolge könnte das Regime die Technologie zum Transport von Satelliten auch dazu verwenden, konventionelle oder Atomwaffen abzufeuern. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

syd/dpa/AFP

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
ritotschka 14.05.2012
1. Wer bestimmt
Zitat von sysopREUTERSDie Internationale Atomenergieagentur verlangt Zugang zu umstrittenen Nuklearanlagen in Iran. In Wien verhandelt die IAEA mit Teheran über die Arbeitsbedingungen ihrer Kontrolleure. Sorge bereiten Pläne des Regimes, in der kommenden Woche einen Satelliten ins All zu schießen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833115,00.html
wer Satelliten oder Raketen ins All schießen darf? Europa und die USA? Iran ist ein souveräner Staat und meines Wissens hat das Land die Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen unterschrieben. Die USA nicht
Coroner 14.05.2012
2. Die IAEA hätte eigentlich eine gewaltige Aufgabe.
Sie sollte sich um die radioaktive Verseuchung Japans durch den Unfall in Fukushima kümmern und internationale Standards setzen, die so etwas verhindern. Es ist eine Unverschämtheit, dass sich diese internationale Organisation dort ihrer Verantwortung entzieht und sich einfach wegduckt - genauso wie weltweit alle AKW-Betreiber. Staatdessen lässt sich die IAEA zum Büttel westlicher Militärinteressen gegen Iran machen. Eigentlich sollte diese Organisation unabhängig sein. Es ist eine Schande.
ShieTar 14.05.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSDie Internationale Atomenergieagentur verlangt Zugang zu umstrittenen Nuklearanlagen in Iran. In Wien verhandelt die IAEA mit Teheran über die Arbeitsbedingungen ihrer Kontrolleure. Sorge bereiten Pläne des Regimes, in der kommenden Woche einen Satelliten ins All zu schießen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833115,00.html
Wer ist denn dieser Herr Westen, und warum befürchtet der ständig Sachen für die die zuständige Kontrollbehörde seit Jahren trotz strikter Kontrollen keine Hinweise findet? Selbst der israelische Geheimdienst ist inzwischen überzeugt das Iran keine nukleare Bewaffnung mehr anstrebt, aber die deutschen Medien zeigen sich von den IAEA-Berichten weitestgehend unbeeindruckt. Sind ein klein wenig Recherche und eine neutrale Bewertung der Fakten denn wirklich zuviel verlangt?
LeonLanis 14.05.2012
4. Steht doch im Artikel,
Zitat von ritotschkawer Satelliten oder Raketen ins All schießen darf? Europa und die USA? Iran ist ein souveräner Staat und meines Wissens hat das Land die Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen unterschrieben. Die USA nicht
wer sich "Sorgen" um den Beobachtungssatelliten macht: die "internationale Gemeinschaft". Darunter sind zu verstehen die USA und ihre Verbündeten. Diese Staaten nehmen sich das exklusive Recht heraus, andere Staaten aus dem Weltall zu beobachten, mit Drohnen zu überfliegen etc. Und um zu verschleiern, daß man konkurrierende Staaten aus machtpolitischen Gründen daran hindern will, dasselbe zu tun, hat man den Begriff 'Internationale Gemeinschaft' erfunden. Ursprünglich war mit diesem Begriff die UNO in ihrer Gesamtheit gemeint. Aber wenn diese wahre internationale Gemeinschaft gegen die USA und den Westen stimmt, z.B. in der Frage der Vollmitgliedschaft Palästinas in der UNO, dann wird der Begriff 'Internationale Gemeinschaft' in unseren Medien strikt gemieden. So wird Sprache den politischen Interessen angepaßt.
cour-age 14.05.2012
5. ääähm...
Zitat von CoronerSie sollte sich um die radioaktive Verseuchung Japans durch den Unfall in Fukushima kümmern und internationale Standards setzen, die so etwas verhindern. Es ist eine Unverschämtheit, dass sich diese internationale Organisation dort ihrer Verantwortung entzieht und sich einfach wegduckt - genauso wie weltweit alle AKW-Betreiber. Staatdessen lässt sich die IAEA zum Büttel westlicher Militärinteressen gegen Iran machen. Eigentlich sollte diese Organisation unabhängig sein. Es ist eine Schande.
Ist die IAEA neuerdings für Katastrophenschutz zuständig? Das Problem in Fukushima waren meines Wissens Erdbeben & Tsunami. Sie verwechseln hier Fundamentales.
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