Menschenrechte Uno-Experte verurteilt Hinrichtung von Minderjährigen in Iran

Uno-Experte Javaid Rehman hat die Menschenrechtslage in Iran kritisiert. Allein 2018 seien ihm zufolge sieben Minderjährige hingerichtet worden, Dutzende weitere befänden sich derzeit in Todeszellen.

Protest gegen die Todesstrafe: Aktivisten haben sich vor der iranischen Botschaft in Brüssel versammelt
Yves Herman/REUTERS

Protest gegen die Todesstrafe: Aktivisten haben sich vor der iranischen Botschaft in Brüssel versammelt


Immer wieder steht Iran für seine willkürliche Justiz und Menschenrechtsverletzungen im Fokus internationaler Kritik. Ein Uno-Experte kritisierte Teheran nun für die Hinrichtung mehrere Jugendlicher.

Der Uno-Sonderermittler für Menschenrechte in Iran, Javaid Rehman, äußerte sich vor der Versammlung der Vereinten Nationen (Uno) dazu. Seinen Angaben zufolge wurde allein im vergangenen Jahr gegen sieben Minderjährige die Todesstrafe vollstreckt, im laufenden Jahr zähle er bisher zwei Hinrichtungen von Jugendlichen.

Die Urteile seien vollstreckt worden, obwohl die Menschenrechtskonvention die Todesstrafe für Personen unter 18 Jahren verbiete. Auch habe Rehman "glaubwürdige Informationen" darüber, dass sich derzeit mindestens 90 Jugendliche in Todeszellen befänden.

Rehman äußerte sich zudem zutiefst besorgt über die allgemeine Anwendung der Todesstrafe in der Islamischen Republik und sagte, dass die Hinrichtungsrate "auch nach einem Rückgang von 507 im Jahr 2017 eine der höchsten der Welt bleibt". Nach vorsichtigen Schätzungen seien im laufenden Jahr mindestens 173 Todesurteile vollstreckt worden.

Zwei 17-Jährige hingerichtet

Im Mai waren in Iran zwei 17-Jährige hingerichtet worden. Den Jungen wurde Raub und Vergewaltigung vorgeworfen. Die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Uno, Michelle Bachelet, kritisierte die Hinrichtungen damals scharf. Minderjährige hinzurichten verstoße gegen Menschenrechte und die Uno-Konvention zu Kinderrechten, die Iran unterzeichnet habe.

Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat, die im Alter von 15 Jahren festgenommen worden waren, hatten laut Uno über Misshandlung in Polizeigewahrsam berichtet. Sie sagten demnach, dass sie zu falschen Geständnissen genötigt worden seien. Weder ihre Anwälte noch ihre Eltern seien vorab über die Hinrichtung am 25. April in Schiras im Süden des Landes informiert worden.

asc/AP

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