Reporter der "Washington Post" Iran klagt US-Journalist wegen Spionage an

Iran erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Reporter der "Washington Post". Jason Rezaian soll spioniert und die nationale Sicherheit gefährdet haben. Das Islamische Revolutionsgericht macht ihm nun den Prozess.
"Washington Post"-Journalist Rezaian (2013): "Er war bei guter Gesundheit und frohen Mutes"

"Washington Post"-Journalist Rezaian (2013): "Er war bei guter Gesundheit und frohen Mutes"

Foto: AP/dpa

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Außenminister John Kerry, Boxlegende Muhammad Ali - sie alle haben sich für die Freilassung des Journalisten Jason Rezaian eingesetzt. Seit Juli 2014 sitzt er in Iran im Gefängnis. Und ein schnelles Ende seiner Haftzeit ist derzeit nicht in Sicht.

Im Gegenteil: Der Reporter der "Washington Post" wird wegen Spionage und Gefährdung der nationalen Sicherheit angeklagt. Das meldet die halbstaatliche Nachrichtenagentur Farsnews aus Teheran. Der Prozess soll vor dem Islamischen Revolutionsgericht stattfinden - einem Sondergericht, das gegen all jene verhandelt, die das Regime stürzen wollen.

Rezaian war vor neun Monaten gemeinsam mit seiner Ehefrau Yeganeh Salehi und zwei Fotojournalisten in Teheran festgenommen worden. Nach wenigen Tagen wurden alle außer Rezaian freigelassen. Er besitzt die iranische und die US-Staatsbürgerschaft, Iran erkennt aber doppelte Staatsbürgerschaften nicht an.

Laut Farsnews soll der Journalist Informationen aus Wirtschaft und Industrie in Iran gesammelt und diese an Amerikaner weiterverkauft haben. "Das ist genauso, als wenn man in Kriegszeiten dem Feind Essen verkauft", schreibt die Nachrichtenagentur.

Martin Baron, Chefredakteur der "Washington Post", sagte: "Alle Vorwürfe dieser Art wären absurd, das Produkt einer blühenden und verworrenen Fantasie."

Rezaians Anwältin Leila Ahsan besuchte ihren Mandaten zuletzt im März. "Er war bei guter Gesundheit und frohen Mutes", sagte die Verteidigerin. "Ich habe das Gericht darum gebeten, den Prozess so schnell wie möglich stattfinden zu lassen.

syd/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.