Krise am Persischen Golf USA sollen Cyberangriff auf Iran ausgeführt haben

Die Attacke soll Teherans Raketenabschusssystem lahmgelegt haben: Die USA haben Berichten zufolge einen Vergeltungsangriff gegen Iran ausgeführt. Präsident Trump kündigte zudem weitere Sanktionen an.

Ali Chamenei vor einem iranischen Raketensystem
Iranian Supreme Leader Office/EPA-EFE/REX

Ali Chamenei vor einem iranischen Raketensystem


Der Konflikt zwischen den USA und Iran spitzt sich weiter zu. Die Vereinigten Staaten ließen Medienberichten zufolge vergangene Woche das Land mit einem Cyberangriff attackieren. Es habe sich um eine Vergeltungsaktion gehandelt nach den jüngsten Attacken auf Tanker, berichteten die "Washington Post" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen sowie "Yahoo News" unter Berufung auf frühere Geheimdienstvertreter.

Der Cyberangriff habe am Donnerstag stattgefunden und sei von langer Hand vorbereitet gewesen, hieß es bei der "Washington Post", von Wochen oder gar Monaten ist die Rede. Die Aktion habe das iranische Raketenabschusssystem außer Kraft gesetzt. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Washington äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

US-Präsident Donald Trump will nach eigener Darstellung kurzfristig einen Vergeltungsschlag gestoppt haben, nachdem Iran eine unbemannte US-Drohne abgeschossen hatte. Dem Konflikt mit der Drohne war ein Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman vorausgegangen, für den die USA Iran verantwortlich machen. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe zurück.

Trump kündigte nun zusätzliche Sanktionen gegen Iran an. Offen blieb zunächst, welche neuen Sanktionen kommen sollen. Der US-Präsident sagte, bereits die derzeitigen Wirtschaftssanktionen hätten Iran hart getroffen, nun würden "viele weitere" folgen.

"Make Iran Great Again"

US-Außenminister Mike Pompeo signalisierte allerdings Bereitschaft zu Gesprächen mit der Islamischen Republik. Wenn Iran auf Gewalt verzichte und sich auf die diplomatischen Bemühungen der USA einlassen wolle, "weiß er, wie er uns erreicht", hieß es in einer Erklärung Pompeos.

Trump stellte in Aussicht, die Strafmaßnahmen wieder außer Kraft zu setzen, wenn sich die Führung in Teheran dauerhaft verpflichte, keine Atombombe zu bauen. "Wenn sie dem zustimmen, werden sie ein wohlhabendes Land haben, sie werden so glücklich sein, und ich werde ihr bester Freund sein." In Anlehnung an seinen alten Wahlkampfslogan "Make America Great Again" fügte er hinzu: "Wir werden es 'Make Iran Great Again' nennen, ergibt das Sinn? 'Make Iran Great Again', das ist in Ordnung für mich."

Weiter sagte Trump mit Blick auf die von streng muslimischen Geistlichen kontrollierte iranische Führung, es könne sehr schnell einen Deal geben. Das liege an ihnen. "Aber wenn sie sich dumm benehmen, wird das nie passieren."

Der nun berichtete Angriff durch das Cyberkommando der US-Streitkräfte legte laut "Washington Post" zwar militärische Kontrollsysteme der Revolutionsgarden in Iran lahm, habe aber nicht zu Opfern geführt. Trump hatte angegeben, den für vergangenen Freitag geplanten konventionellen Angriff gestoppt zu haben, weil er die 150 befürchteten Todesopfer im Vergleich zum Abschuss eines unbemannten Flugzeugs für unverhältnismäßig hielt. Er legte zugleich wert darauf, dass er den konventionellen Angriff nicht abgesagt, sondern nur gestoppt habe. Militärische Optionen seien "immer auf dem Tisch, bis wir das gelöst bekommen", twitterte er.

Die "Washington Post" berichtete, das US-Heimatschutzministerium habe Industrievertreter und Behörden am Samstag davor gewarnt, dass der Iran seine Cyberangriffe auf wichtige Branchen wie etwa den Energiesektor verstärkt habe. Der Iran habe das Potenzial, Computersysteme zu stören oder zu vernichten.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 92 Beiträge
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hero874 23.06.2019
1. Wofür Vergeltung?
Dafür, dass Iran in seinem Luftraum eine amerikanische Militärdrohne abgeschossen hat? Das darf doch wohl nicht wahr sein.
espressotime 23.06.2019
2.
Irgendwie liest sich das alles wie Grimms Märchen. Eine Kapitulation wäre lächerlich. Was für Sanktionen bleiben denn eigentlich noch? Und außerdem wird hier schon von einer Verurteilung des Irans ausgegangen, worauf jetzt was passieren muss. Die USA sind sehr schnell bei solchen Entscheidungen.
sven2016 23.06.2019
3. Fox News berichtet, dass der Präsident
das Briefing zum geplanten Angriff auf Iran geschwänzt hatte, den Einsatzbefehl gab und erst dann von Mitarbeitern auf die voraussichtlichen Opferzahlen aufmerksam gemacht werden konnte. Der Irre mit den Launch Codes bekommt wirklich nichts auf die Reihe. Das Amtsenthebungsverfahren ist dringend erforderlich. Wer den dann stützt, muss sich später mitverantworten.
rocketsquirrel 23.06.2019
4. Na toll
Erst das Atomabkommen aufkündigen, Iran mit Sanktionen überziehen, dann Gesprächsbereitschaft signalisieren...läuft bei Donald!
Emderfriese 23.06.2019
5. Spiegelfechterei
"...Trump stellte in Aussicht, die Strafmaßnahmen wieder außer Kraft zu setzen, wenn sich die Führung in Teheran dauerhaft verpflichte, keine Atombombe zu bauen..." Die USA unter Trump werden immer unglaubwürdiger. Es gibt bereits einen Vertrag, der den Iran verpflichtet, keine Atombomben zu bauen. Und Trump hat ihn einseitig aufgekündigt. Was will er denn noch? Dass der Iran nunmehr auf die Einhaltung dieser Vereinbarungen pocht - die von allen übrigen Partnern weiter akzeptiert werden - ist doch nur verständlich! Was soll bei einem neuen Vertragswerk herauskommen, das umgehend nicht wieder vom US-Präsidenten gebrochen werden kann, wenn es ihm gerade passt? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...
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