Iran USA verlangen Freilassung von angeblichem CIA-Agenten

Washington hat sich erstmals zum Fall des in Iran festgehaltenen US-Bürgers geäußert. Das Außenministerium verlangt die sofortige Freilassung von Amir-Mirsa Hekmati. Die Eltern beteuern seine Unschuld.

Amir-Mirsa Hekmati im iranischen TV: falsches Geständnis?
DPA

Amir-Mirsa Hekmati im iranischen TV: falsches Geständnis?


Teheran/Washinghton - Die amerikanische Regierung verlangt sofortigen Zugang zu Amir-Mirsa Hekmati. Er solle unverzüglich freigelassen werden. Der US-Bürger wurde am Sonntagabend im iranischen Staatsfernsehen als angeblicher Spion des US-Geheimdienstes CIA präsentiert. Der BBC gegenüber sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums nun, die Regierung erhebe Anspruch auf Kontakt zu dem Mann. Da die USA keine eigene diplomatische Vertretung in Iran unterhalten, solle die Schweiz als Mittler fungieren.

Die Eltern Hekmatis dementierten dem BBC-Bericht zufolge, dass ihr Sohn mit Spionage zu tun habe. "Er ist unschuldig," beteuerte Vater Ali Hekmati demnach. Sein Sohn sei ein guter Bürger und ein guter Mensch. "Das sind alles unbegründete Anschuldigungen und ein Büdel voller Lügen."

Das Außenministerium erklärte, das iranische Regime habe eine lange Geschichte fälschlicher Spionage-Anschuldigungen.

In dem TV-Beitrag vom Sonntag hatte es geheißen, Hekmati sei ein Amerikaner iranischer Abstammung, geboren im US-Bundesstaat Arizona. Vor laufenden Kameras sagte der Mann, er sei als CIA-Agent auf amerikanischen Stützpunkten in Afghanistan und im Irak ausgebildet worden, ehe er nach Iran geschickt wurde, um den iranischen Geheimdienst zu unterwandern. Nach Angaben des Geheimdienstes in Teheran wurde der Mann bereits beim Überqueren der Grenze gefasst.

Die iranischen Behörden haben in der Vergangenheit öfter angebliche Spione aus den USA oder Israel "enttarnt" und deren Geständnisse im Fernsehen gezeigt. Der Wahrheitsgehalt der Berichte lässt sich kaum überprüfen.

Im iranischen Fernsehen sagte der Mann, er sei im Jahr 2001 in die US-Armee eingetreten und habe eine jahrelange Ausbildung als Geheimagent absolviert. Später sei er auf den US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan geschickt worden, wo er Zugang zu Geheimdokumenten gehabt habe.

Der Plan sei gewesen, "nützliche Informationen zu opfern" und diese den Iranern zuzuspielen, sagte Hekmati, der sich auf Farsi und Englisch äußerte, in dem Fernsehbericht. Auf diese Weise habe er Kontaktmann des iranischen Geheimdienstministeriums werden wollen. Der iranische Geheimdienst habe jedoch "die Aktivitäten in Bagram überwacht" und den Agenten so entlarvt, berichtete das Staatsfernsehen weiter.

Die Festnahme des Mannes war bereits am Samstag bekannt gegeben worden. Die Ausstrahlung des TV-Beitrags erfolgte am Sonntagabend.

ler/dapd



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schnitti23 20.12.2011
1. Alles mal andersrum gesehen...
Gedankenspiel: Man stelle sich vor, eine iranische Person sei in den USA festgenommen worden, weil sie angeblich ein Agent ist und Spionage betrieben hat. Der Iran fordert sofortigen Zugang zu der Person und Freilassung. Was würden die USA hierauf erwidern? Allein wenn man sich einmal in die Lage des jeweils anderen versetzt, erfährt man, wie wahnwitzig alles ist.
BingoBongoMan 20.12.2011
2. Klar doch
Zitat von sysopWashington hat sich erstmals zum Fall des*in Iran festgehaltenen US-Bürgers geäußert. Das Außenministerium*verlangt die sofortige Freilassung von Amir-Mirsa Hekmati. Die Eltern beteuern seine Unschuld. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804769,00.html
Ich lass mich auch morgen von BND ausbilden und klopfe danach in Teheran an der Tür des Geheimdienstes und frage, ob die nicht einen Informanten bräuchten! Auch wenn es in Iran quasi nur Initiativbewerbungen gibt, für jede Branchen ist diese Art der Bewerbung aber auch nicht üblich, Herr IRI! Haben die Iraner eigentlich schon seinen CIA-Ausweis in seiner Tasche gefunden und im Fernsehen präsentiert um es vollends glaubwürdig zu machen?
Papst01 20.12.2011
3. lachhafte Forderung
Zitat von sysopWashington hat sich erstmals zum Fall des*in Iran festgehaltenen US-Bürgers geäußert. Das Außenministerium*verlangt die sofortige Freilassung von Amir-Mirsa Hekmati. Die Eltern beteuern seine Unschuld. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804769,00.html
Liebe USA, da Ihr ja die Rechte aller Andersdenkenden ebenfalls mit Füßen tretet, Menschenrechte nur nach Gutdünken gewährt, ist die Forderung nach der Freilassung eines ganz bestimmt total gefährlichen Geheimagenten völlig lachhaft. Stellen wir uns die Situation doch mal andersherum vor: Die USA verschleppen ähh verhaften (sorry falsche Wortwahl) einen Iraner. Natürlich bezeichnet man ihn nicht als Spion, sondern als Terroisten, sperrt ihn ohne Gerichtsverfahren weg, durch ein hochnotpeinliches Verhör kommt man natürlich zu einem Geständnis - so weit so identisch. Und jetzt kommen die Iraner und sagen, dass sie ihren Bürger wieder haben wollen. Selbstverständlich sagen auch die Eltern des Jungen, dass ihr Sohn nichts mit Terrorismus zu tun hat. Wie bitte würdet Ihr drauf reagieren? Wahrscheinlich noch nicht mal eine Reaktion zeigen. Und was macht der Spiegel? Druckt das ohne einen kritischen Satz ab - der böse Iran verschleppt angebliche Spione. Wenn die Amerikaner jemand verschleppen, wird irgendwie nie von angeblichen Terroristen gesprochen - da sind es "mutmaßliche"
jan50 20.12.2011
4. Diese Frage stellt sich nicht, da
Zitat von schnitti23Gedankenspiel: Man stelle sich vor, eine iranische Person sei in den USA festgenommen worden, weil sie angeblich ein Agent ist und Spionage betrieben hat. Der Iran fordert sofortigen Zugang zu der Person und Freilassung. Was würden die USA hierauf erwidern? Allein wenn man sich einmal in die Lage des jeweils anderen versetzt, erfährt man, wie wahnwitzig alles ist.
----------------Diese Frage stellt sich nicht, da die USA ein offener demokratischer Rechtsstaat ist, und IRAN Lichtjahre davon entfernt ist.
Klaschfr 20.12.2011
5. Lachnummer
Zitat von sysopWashington hat sich erstmals zum Fall des*in Iran festgehaltenen US-Bürgers geäußert. Das Außenministerium*verlangt die sofortige Freilassung von Amir-Mirsa Hekmati. Die Eltern beteuern seine Unschuld. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804769,00.html
Die USA verlangen! Wollen die USA sich mit einer Befreiungsaktion noch einmal eine blutige Nase und Blamage holen? Sie werden sich daran gewöhnen müssen, daß sie behandelt werden, wie sie in entsprechenden Fällen Ausländer behandeln, das weiß man mittlerweile ganz gut.
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