"Kein Mangel an Entschlossenheit" USA wollen iranische Atombombe um jeden Preis verhindern

Die erhöhte Urananreicherung in Iran verschärft die Spannungen im Atomkonflikt abermals. Die USA wollen Sanktionen gegen das Land aufrecht erhalten. Doch Teheran bestreitet, Nuklearwaffen anzustreben.

US-Vizepräsident Mike Pence: "Amerikanische Zurückhaltung nicht mit einem Mangel an amerikanischer Entschlossenheit verwechseln"
Patrick Semansky/AP/DPA

US-Vizepräsident Mike Pence: "Amerikanische Zurückhaltung nicht mit einem Mangel an amerikanischer Entschlossenheit verwechseln"


Die erhöhte Urananreicherung durch Iran stößt international auf heftige Kritik. Insbesondere US-Spitzenpolitiker griffen die Führung in Teheran wegen des Schrittes scharf an - und richteten ihrerseits Drohungen gegen das Land.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte zuvor bestätigt, dass Iran seit Kurzem Uran über das im Atomdeal vereinbarte Maß von 3,67 Prozent hinaus anreichert. Teheran hatte den Verstoß bereits am Sonntag angekündigt. (Lesen Sie hier, wie die Anreicherung genau funktioniert.)

"Iran sollte die amerikanische Zurückhaltung nicht mit einem Mangel an amerikanischer Entschlossenheit verwechseln", sagte US-Vizepräsident Pence am Montag. Man hoffe auf das Beste - aber das US-Militär sei bereit, amerikanische Interessen und US-Bürger in der Region zu schützen.

Zu den bestehenden Sanktionen gegen Iran sagte Pence, man werde den Druck auf die iranische Wirtschaft aufrechterhalten. Unter Präsident Trump werde man es nicht zulassen, dass Teheran an eine Atomwaffe gelange.

Auch der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, kündigte an, den Druck auf Iran zu erhöhen. Dies gelte, bis das Land das Streben nach Atomwaffen aufgebe und seine gewaltsamen Aktivitäten in der Region einstelle. Trumps Kampagne des maximalen Drucks gegen Iran funktioniere, sagte der Berater. Der Präsident wolle ein neues Abkommen, das den Interessen der USA entspreche.

"Atomwaffen haben keinen Platz im Islam"

Mit Unverständnis reagierten dagegen hohe iranische Funktionäre. Außenminister Javad Zarif teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, ein besseres als das 2015 verhandelte Atomabkommen gebe es nicht.

Die Welt wisse, dass Iran nicht an einer Atomwaffe arbeite, sagte der Chef der iranischen Revolutionsgarden, Hossein Salami, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. "Atomwaffen haben keinen Platz im Islam." Die Religion verbiete Massenvernichtungswaffen.

Trump sprach unterdessen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die Drohung des Iran, die Anreicherung von Uran weiter hochzufahren. Man habe über die laufenden Bemühungen gesprochen, Iran am Besitz von Atomwaffen zu hindern, erklärte das US-Präsidialamt. Außerdem sei es darum gegangen, das destabilisierende Verhalten des Landes in der Region zu beenden.

Macron hatte zuvor bereits mitgeteilt, er sei "stark beunruhigt" angesichts des iranischen Vorgehens. Die Bundesregierung rief Iran "mit Nachdruck dazu auf, alle Schritte einzustellen und rückgängig zu machen". Ähnlich äußerten sich auch Großbritannien und die Europäische Union. (Lesen Sie hier eine Analyse des Konflikts.)

Experten sind sich weitgehend einig, dass Teheran trotz der erhöhten Anreicherung bis zum möglichen Bau einer Atombombe mindestens ein Jahr brauchen würde.

fek/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.