"Unmoralische Projekte" Iran verurteilt drei angebliche Spione zu langen Haftstrafen

Der Fall könnte die Spannungen zwischen Iran und Großbritannien verschärfen: Eine Iranerin, die auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, soll zehn Jahre in Haft. Das Strafmaß ist ungewöhnlich hoch.


Ein iranisches Revolutionsgericht hat zwei Frauen und einen Mann wegen Spionage für Großbritannien und Israel zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Das sagte Justizsprecher Gholamhussein Ismaeli laut der Nachrichtenagentur Isna. Welche Taten den dreien konkret vorgeworfen werden, sagte der Sprecher nicht.

Unter den Verurteilten ist Anuscheh A., die auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt. Sie soll für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet haben und wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Der angeklagte Mann Ali J. arbeitete laut Urteil ebenfalls für den Mossad und soll auch zwölf Jahre hinter Gitter.

Das israelische Außenministerium sowie ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu äußerten sich nicht zu dem Fall.

Die dritte Angeklagte Aras A. war Angestellte des British Council in Iran, einer gemeinnützigen Organisation zur Förderung internationaler Beziehungen, und soll für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 spioniert haben. Sie lebte zuletzt in London, besitzt aber nicht die britische Staatsbürgerschaft. A. wurde bei einem Besuch in Teheran im vergangenen Jahr festgenommen und saß seitdem in Untersuchungshaft. Sie wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil war schon im Mai gefällt worden und wurde nun laut Ismaeli von einem Revolutionsgericht bestätigt.

Aras A. waren bei der Urteilsverkündung im Mai "unmoralische Projekte" sowie "Kulturinvasion" vorgeworfen worden. Der Begriff "Kulturinvasion" taucht häufig im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Gesellschaftsordnung der Islamischen Republik auf. Verstöße dieser Art werden in Iran zwar bestraft, normalerweise jedoch nicht mit einer so langen Haftstrafe.

Angebliche CIA-Spione zum Tode verurteilt

Im Juli hatte es Berichte gegeben, wonach iranische Sicherheitskräfte 17 angebliche Spione festgenommen haben, die für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet haben sollen. Nach iranischen Angaben wurden einige der Verdächtigen zum Tode verurteilt.

Zwischen London und Teheran sorgt ein Streit um beschlagnahmte Schiffe seit Wochen für Anspannung. Im vergangenen Monat hatte Iran den britischen Tanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus, der Meerenge zwischen Persischem Golf und dem Golf von Oman, festgesetzt. Die Führung in Teheran hatte zuvor mehrfach mit Vergeltung für die Festsetzung eines iranischen Tankers durch die britische Marine gedroht. Diese hatte Anfang Juli die "Grace 1" vor Gibraltar aufgebracht.

vks/dpa/AP



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Freidenker10 27.08.2019
1.
All die Linken die den Iran hier ständig verteidigen sollten nicht vergessen das der Iran von einem Menschenverachtenden System geführt wird und auch sehr viele normale Menschen hinter sich hat. Für mich gibt es keinen Grund dieses System zu unterstützen oder es am Leben zu halten. Denke so manch Iraner wäre selbst froh wenn diese fundamental religiöse System zusammenbrechen würde...!
marcanton80 27.08.2019
2. An den Freidenker
Denken können sie ja lt. ihren Namen was sie wollen, aber halten wir uns doch mal an die Fakten. Dort sind drei Leute wegen Spionage verurteilt worden und???.....in den USA werden Manning und Assange für weit weniger wahrscheinlich zu 140 Jahren Haft verurteilt in einen dieser Supermax Knäste ....super fortschrittlich vor allem moralisch steht der Westen da natürlich auf der sicheren Seite.
bloub 27.08.2019
3.
Zitat von Freidenker10All die Linken die den Iran hier ständig verteidigen sollten nicht vergessen das der Iran von einem Menschenverachtenden System geführt wird und auch sehr viele normale Menschen hinter sich hat. Für mich gibt es keinen Grund dieses System zu unterstützen oder es am Leben zu halten. Denke so manch Iraner wäre selbst froh wenn diese fundamental religiöse System zusammenbrechen würde...!
Süss, aber an der Realität vorbei. Spionage wird auch in sakukären Ländern bestraft Hat also absolut nichts mit irgendeiner Religion zu tun, auch wenn das Rechte gerne glauben wollen.
honor1701 27.08.2019
4. @Freidenker10
Was ich vom Iran, Saudi-Arabien und anderen religiös geführten Ländern halte darf ich hier nicht schreiben. ABER es werden hier drei mutmaßliche Spione eingesperrt. Ob se "auch" die britische Staatsbürgerschaft haben oder nicht ist juristisch egal. Aber im Werte Westen (mein Blick wandert Richtung Großbritannien und USA) werden Investigations Journalisten (Assange) eingesperrt. Unabhängig davon um welche Länder es geht, wer ist hier moralisch besser gestellt? Und nicht jeder der im bestimmten Sachen Iran in Schutz nimmt ist Links. Nicht jeder der mal bei Russland bashing widerspricht ist in St Petersburg zuhause. Nicht jeder der ein E-Auto fährt ist a Grüner. Menschen wie sie haben eine Meinung (meistens eine lächerliche) und jeder der widerspricht ist für sie ein bezahlter Troll. Finden Sie diese Art der Diskussion wirklich zielführend? Mfg
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.