Mögliche Syrien-Intervention Iran droht USA mit "ernsthaften Konsequenzen"

Scharfe Töne im Syrien-Konflikt: Der US-Verteidigungsminister erklärt, das Pentagon sei auf einen militärischen Einsatz vorbereitet. Ein iranischer Kommandeur droht mit "ernsthaften Konsequenzen". Und Israels Premier sagt, er habe den "Finger am Abzug".
Mögliche Syrien-Intervention: Iran droht USA mit "ernsthaften Konsequenzen"

Mögliche Syrien-Intervention: Iran droht USA mit "ernsthaften Konsequenzen"

Foto: STR/ AFP

Teheran/Jerusalem - Nach den Berichten über eine Giftgasattacke in der Nähe von Damaskus verschärfen alle Seiten den Ton im Syrien-Konflikt. Jetzt hat ein hochrangiger iranischer Militärführer die US-Regierung vor einem militärischen Eingreifen gewarnt. "Wenn die Vereinigten Staaten diese rote Linie überschreiten, wird das ernste Konsequenzen für das Weiße Haus haben", sagte der stellvertretende Generalstabschef Massud Dschasajeri laut der Nachrichtenagentur Fars.

Er reagierte damit auf die aktuelle Debatte über eine Militärintervention. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hatte am Sonntag gesagt, die US-Streitkräfte seien bereit zum Eingreifen in Syrien, sollte Präsident Barack Obama dies anordnen. Obama wiederum rief bereits am Samstag seine Sicherheitsberater zusammen, um über eine Reaktion auf den angeblichen Chemiewaffenangriff zu beraten. Zudem telefonierte er mit dem britischen Premierminister David Cameron, sie kündigten eine "ernste Antwort" an. Am Freitag hatte er sich allerdings zurückhaltend zu den Berichten geäußert  und vor den Gefahren eines Militäreinsatzes gewarnt.

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Möglicher Giftgasangriff: Uno-Inspekteure in Syrien

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Der iranische Kommandeur Dschasajeri warf den USA nun vor, den "derzeitigen Terrorkrieg" in Syrien gemeinsam mit den "reaktionären Staaten der Region" geplant zu haben, um den Widerstand gegen Israel zu schwächen. "Jene, die Öl auf das Feuer gießen, werden der Rache der Völker nicht entgehen", drohte der Armeekommandeur. Iran ist ein enger Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Der neu gewählte iranische Präsident Hassan Rohani will ebenfalls an der Unterstützung der syrischen Regierung in dem Bürgerkrieg festhalten.

"Furchtbare Tragödie und Verbrechen"

Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu meldete sich zu Wort. Er bezeichnete den mutmaßlichen Giftgasangriff als "furchtbare Tragödie und Verbrechen". So könne es nicht weitergehen. "Die gefährlichsten Regime der Welt dürfen nicht die gefährlichsten Waffen der Welt haben." Israel wisse seine Bürger im Notfall selbst zu verteidigen, betonte er. Man werde sich verantwortlich verhalten, aber "notfalls ist unser Finger am Abzugshahn", sagte Netanjahu.

Staatspräsident Schimon Peres rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Chemiewaffen in Syrien "zu beseitigen". Dies sei zwar schwierig und kostspielig, aber "es wird noch teurer und gefährlicher, nicht zu handeln", sagte er, ohne explizit ein militärisches Eingreifen anzusprechen.

Die israelische Justizministerin Zipi Livni betonte angesichts eines möglichen US-Militärschlags in Syrien, Israel verfolge weiterhin eine Politik der Nichteinmischung. US-Präsident Barack Obama müsse in der Frage einer militärischen Intervention in Syrien eine "sehr dramatische Entscheidung" treffen, sagte sie dem israelischen Rundfunk.

Zudem schaltete sich Frankreichs Außenminister Laurent Fabius ein und forderte eine starke Reaktion der internationalen Gemeinschaft, sollte ein Giftgasangriff bei Damaskus bewiesen werden.

Das syrische Regime ging ebenfalls verbal in die Offensive: Jede militärische Aktion würde den Nahen Osten in Flammen setzen. Die Staatsmedien verbreiteten am Sonntag Fotos und Erklärungen der Armee, die beweisen sollen, dass angeblich die Rebellen am Stadtrand von Damaskus Giftgas eingesetzt haben. Dies sei auch durch russische Satellitenaufnahmen belegt, zitierte die Nachrichtenagentur Sana Informationsminister Omran al-Soabi.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschavad Sarif vertrat nach Angaben des Senders Press TV in einem Telefongespräch mit seiner italienischen Amtskollegin Emma Bonino ebenfalls die Meinung, Rebellen hätten in Syrien Giftgas eingesetzt. Er sagte, die syrische Regierung "hat uns versichert, dass sie nie solche unmenschlichen Waffen eingesetzt hat".

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hatte zuvor erklärt, dass diese Woche in von der Organisation betreuten Krankenhäusern in Syrien 3600 Menschen mit Symptomen von Nervengift behandelt wurden. Von ihnen seien 355 gestorben.

Auf die Eskalation der Worte könnte bald eine materielle folgen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf syrische Oppositionelle, dass 400 Tonnen Waffen über die türkisch-syrische Grenze geliefert worden seien.

otr/AFP
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