Tankerflotte Iran umgeht Ölembargo mit Flaggen-Trick

Das Ölembargo der EU gegen Iran tritt an diesem Sonntag in Kraft - doch das Land umgeht die Sanktionen offenbar mit einem Trick: Die Regierung in Teheran lässt laut BBC ihre Tanker unter der Flagge eines kleinen Inselstaats fahren.
Iranischer Tanker: Unter anderer Flagge unterwegs

Iranischer Tanker: Unter anderer Flagge unterwegs

Foto: TIM CHONG/ REUTERS

Teheran - Große Tankschiffe unsichtbar zu machen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit - und dennoch sind Irans Öltanker derzeit inkognito unterwegs. Die Islamische Republik habe 15 ihrer 39 Öltanker ausgeflaggt, berichtet die BBC . Die Schiffe fahren demnach nicht mehr unter iranischer Flagge, sondern unter der des winzigen Pazifik-Inselstaates Tuvalu. Die iranische Tankergesellschaft habe auch Namen von Schiffen geändert. Mit diesen Tricks könnte Iran trotz Sanktionen Öl nach Europa schiffen.

Grund für die Ausflaggung ist das am Sonntag in Kraft tretende Ölembargo der Europäischen Union gegen Iran. Iranische Öleinfuhren in die EU sollen damit komplett gestoppt werden. Auch Altverträge für die Lieferung iranischen Öls müssen zu dieser Frist enden. Versicherer in der EU dürfen außerdem nicht mehr die Absicherung von iranischen Öltransporten übernehmen. Mit den Sanktionen will die EU im Streit über das iranische Atomprogramm den politischen Druck erhöhen.

Um nicht erkannt zu werden, hätten iranische Tanker in jüngster Zeit zudem die Transponder ausgeschaltet, mit denen sie über das sogenannte AIS-System geortet werden können, heißt es bei der BBC weiter. Über AIS (Automatic Identification System) werden auch die Schiffsdaten übermittelt. Von jedem Flaggen-, Namens- oder Eignerwechsel unberührt bleibt etwa die Registriernummer, die jedes Schiff von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation erhält. Diese ähnelt der Fahrgestellnummer eines Autos.

Zwei der iranischen Tanker unter tuvaluischer Flagge seien derzeit auf dem Weg zum ägyptischen Hafen Ain al-Sukhna am südlichen Ende des Suez-Kanals, berichtete die BBC. Um das Embargo zu umgehen, könnten die Schiffe ihr Öl theoretisch von diesem Hafen aus über eine Pipeline nach Alexandria pumpen und dort dann von Tankern anderer Länder abholen lassen. Anschließend könnte dieses Öl an europäische Raffinerien geliefert werden.

Die EU-Außenminister hatten in der vergangenen Woche noch einmal bekräftigt, dass sie an dem Ölembargo festhalten wollen und auch weitere Strafmaßnahmen gegen Iran erwägen. Vertreter Teherans warnten dagegen mehrmals vor negativen Folgen des Embargos für die Atomgespräche mit dem Westen. Viele Länder verdächtigen das Land, an einem geheimen Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Vertreter Irans haben dies stets bestritten.

cab/dpa