Hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte Zahl der Todesopfer in Iran laut Amnesty auf über 200 gestiegen

Das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte gegen regierungskritische Demonstranten hat zahlreiche Menschen das Leben gekostet. Menschenrechtler werfen den Behörden einen "schrecklichen Amoklauf" vor.
Ausgebrannte Bank in Teheran: Demonstranten sollen Hunderte öffentliche Gebäude in Brand gesteckt haben

Ausgebrannte Bank in Teheran: Demonstranten sollen Hunderte öffentliche Gebäude in Brand gesteckt haben

Foto: Wana News Agency/ VIA REUTERS

Bei den Massenprotesten gegen die iranische Regierung  könnten deutlich mehr Menschen getötet worden sein als bislang angenommen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtete unter Berufung auf "glaubwürdige Berichte" von mindestens 208 Todesopfern und teilte mit, die tatsächlichen Zahlen lägen wahrscheinlich höher.

Allein in der Stadt Schahriyar nahe Teheran seien bei Zusammenstößen mit iranischen Sicherheitskräften dutzende Menschen getötet worden. In der vergangenen Woche hatte Amnesty noch von mindestens 143 Toten gesprochen. Die Organisation gibt an , die Zahlen mithilfe von Familien der Opfer, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten innerhalb und außerhalb des Landes geprüft zu haben. Unabhängig verifizieren lassen sie sich nicht.

Der iranische Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili wies die Angaben dem Staatsfernsehen zufolge zurück. "Ich sage ganz klar, dass die Zahlen der feindlichen Gruppen absolut gelogen sind." Viele der behaupteten Opfer seien "noch am Leben". Außerdem seien viele Menschen von "bewaffneten Randalierern" erschossen worden und nicht von den Sicherheitskräften. Eigene Zahlen nannte er nicht. Die Behörden haben ihrerseits nur den Tod von vier Angehörigen der Sicherheitskräfte und von einem Demonstranten bestätigt.

"Schamlose Missachtung menschlichen Lebens"

Die Menschenrechtler von Amnesty sehen ihre Zahlen hingegen als weiteren Beweis "für einen schrecklichen Amoklauf der iranischen Sicherheitskräfte". Die iranischen Behörden zeigten mit dieser Opferzahl ihre "schamlose Missachtung menschlichen Lebens", sagte Amnestys Regionaldirektor Philip Luther. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte der Regierung in Teheran Ende November vorgeworfen, das Ausmaß der Gewalt zur Unterdrückung der Proteste gezielt zu verschleiern.

Die landesweiten Proteste waren Mitte November wegen einer Erhöhung der Benzinpreise und der Rationierung von Kraftstoff durch Präsident Hassan Ruhani ausgebrochen. Nach offiziell unbestätigten Angaben gab es zudem mehr als 1000 Festnahmen - unter ihnen 180 "Rädelsführer", denen die Todesstrafe droht. Mit einer zeitweisen Internetblockade sorgte Teheran dafür, dass kaum Informationen, Bilder und Videos der Proteste verbreitet werden konnten.

Staatschef Ajatollah Ali Khamenei hatte die Unruhen in der vergangenen Woche scharf kritisiert und als Teil einer von den USA unterstützten "Verschwörung" dargestellt. Belege dafür lieferte er nicht.

mes/dpa/AFP