Irans Reaktion auf Republikaner-Brief "Die Welt ist nicht die USA"

Mit einem Brief wollten 47 US-Senatoren die iranische Führung im Atomstreit verunsichern. Teheran antwortet umgehend - mit einer Belehrung über internationales Recht.

Irans Außenminister Zarif: Eine Lektion an die US-Senatoren
AP

Irans Außenminister Zarif: Eine Lektion an die US-Senatoren


Es ist eine Kampfansage an Präsident Barack Obama und an Teheran: 47 republikanische Senatoren haben einen Brief an Iran geschrieben, um die Atomverhandlungen zu sabotieren. "Es ist uns aufgefallen, dass Sie möglicherweise nicht ganz unser Verfassungssystem verstehen", legen die Oppositionspolitiker los. Eine neue US-Regierung könne jederzeit "mit einem Federstrich" ein mögliches Atom-Abkommen wieder rückgängig machen.

Mit ihrer Belehrung sind sie jedoch offenbar an den Falschen geraten. Denn auf den Brief hat jetzt Irans Verhandlungsführer Mohammad Javad Zarif geantwortet. Der Außenminister hat in den USA über internationales Recht promoviert, als Professor hält er in Teheran Vorlesungen über multilaterale Verhandlungen. Seit Jahrzehnten ist Zarif zudem Mitglied des iranischen Diplomatencorps.

Zarifs Antwort ging an Tom Cotton, den Initiator des Senatoren-Briefes. Auf Twitter, für alle Welt sichtbar, und "auf Englisch" - damit Cotton es auch ja verstehe. Zarif kanzelte dabei das Schreiben der Republikaner als "Propaganda" ab und legte seinerseits zu einer Belehrung los.

Tweet von Javad Zarif
"Ich sollte die Aufmerksamkeit der Autoren auf einen wichtigen Punkt lenken, und das ist: Die Welt ist nicht nur die USA. Die Beziehungen zwischen Staaten werden vom internationalen Recht geregelt und nicht vom inländischen amerikanischen Recht." Weiter führte Zarif aus: "Ich möchte die Autoren darüber aufklären, dass es schlicht eine Verletzung internationalen Rechts wäre, wenn die nächste US-Regierung irgendeine Vereinbarung mit einem Federstrich wieder zurücknimmt, wie die Autoren prahlen."

Die tatsächliche Rechtslage ist zwar ein wenig komplizierter, allerdings hat Zarif in einem wesentlichen Punkt recht: Die Atomgespräche mit Teheran sind multilaterale Verhandlungen der internationalen Gemeinschaft mit Iran. Ein mögliches Übereinkommen würde Teil internationalen Rechtes und könnte von einem neuen US-Präsidenten nicht so einfach wieder aufgehoben werden.

Mit scheinbarer Höflichkeit spottet Zarif, er hoffe etwas zum Wissen der Senatoren über internationales Recht beigetragen zu haben.

Auf Twitter löste Zarif mit seiner selbstbewussten Antwort einen Sturm aus: Über tausend Mal wurde der Brief weiterverbreitet. Das Hashtag #Iran wurde zum "trending topic".

Eigentlich wollten die 47 Republikaner Irans Verhandlungspartner mit ihrem Brief verunsichern. Dieser Versuch ist offenbar nach hinten losgegangen.

ras



insgesamt 71 Beiträge
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gismo2013 10.03.2015
1. Wer anderen eine Grube graebt
Ob die 47 ihrerseits die Retourkutsche verstehen, darf bezweifelt werden. Jaemmerlich der Versuch ihrem Praesidenten in den Ruecken zu fallen und die ohnehin schwierigen Verhandlungen zu torpedieren.
mistermister 10.03.2015
2. Wow, Respekt vor dem Iran
Ich bin begeistert von der Iranischen Reaktion. Genau richtig. Und sehr sehr peinlich für die USA.
Porsche007 10.03.2015
3. richtige Reaktion!
Ich bin kein Freund des Irans und halte die jahrelange Konfrontationspolitik für sehr gefährlich. Aber ich bin erst recht kein Freund von irgendwelchen amerikanischen Politikern, die glauben sie selbst und ihr Land seien das Zentrum der Welt und dass jedes Regime sein Existenzrecht vom Wohlwollen der Amerikaner ableiten müsste. Frei nach dem Prinzip: "Was gut ist für die USA ist auch gut für die Welt!"
Markus Frei 10.03.2015
4. Respekt
Man kann ja über den Iran denken was man will. Aber selten hat es ein iranischer Politiker geschafft US-Politiker so höflich bis auf die Knochen zu blamieren. Und die ganze Welt schmunzelt darüber. Obama dürfte herzhaft gelacht haben.
JohnF.S. 10.03.2015
5. sehr schön...
Ich finde es ganz ausgezeichnet, daß man "den Westen" einmal darauf hinweist, daß die ständigen Forderungen an Drittstaaten sich an internationales Recht und allgemeingültige Werte zu halten nur dann irgendeinen Sinn ergeben wenn man sich als "derWesten" zuerst einmal selber an seinen propagierten Werten orientiert und internationales Recht beachtet.
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