Iranische Anwältin im Hungerstreik "Ich werde für Nasrin Sotude kämpfen"

Für die Festnahme gab es keine Begründung - die Anwältin Nasrin Sotude hatte iranische Oppositionelle verteidigt. Jetzt wehrt sie sich zum zweiten Mal mit einem Hungerstreik. Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi erklärt im SPIEGEL-ONLINE-Interview, warum jetzt die Uno helfen muss.

Iranerin Nasrin Sotude: Ihr Verbrechen? Sie vertritt als Anwältin Oppositionelle
DER SPIEGEL

Iranerin Nasrin Sotude: Ihr Verbrechen? Sie vertritt als Anwältin Oppositionelle


SPIEGEL: Ihre Anwaltskollegin Nasrin Sotude, 47, protestiert mit einem Hungerstreik gegen ihre willkürliche Verhaftung. Wie geht es Ihrer Mitstreiterin?

Ebadi: Sotudes Gesundheit ist schwer angeschlagen. Seit Sonntag befindet sie sich in einem Hungerstreik und verweigert diesmal auch das Trinken. Bereits im September hat sie für 27 Tage die Nahrungsaufnahme verweigert.

SPIEGEL: Wie sind Sie über den Hungerstreik informiert worden?

Ebadi: Am 4. November hat man zum ersten Mal Nasrin Sotudes Kindern, ihrer zehnjährigen Tochter und ihrem dreijährigen Sohn, erlaubt, sie im Gefängnis zu besuchen. Ihr Mann wurde nicht mit hineingelassen. Die Kinder weinten während des Besuchs ununterbrochen, weil sie über das Aussehen ihrer Mutter schockiert waren, erklärte ihre Tante Giti Sotude, die mit dem Kindern vorgelassen wurde. Ihren Mann durfte Nasrin Sotude seit ihrer Verhaftung am 4. September nur wenige Minuten am Telefon sprechen. Ihr Anruf im September dauerte höchstens zehn Sekunden. Sie musste den Hörer auflegen, als sie ihren Hungerstreik erwähnte.

SPIEGEL: Welche Vorwürfe erhebt die Teheraner Staatsanwaltschaft?

Ebadi: Von einer offiziellen Anklage ist Sotudes Anwältin in Teheran nichts bekannt. Aber aus Sicht des Regimes besteht ihr "Verbrechen" darin, sich für die Menschenrechte engagiert zu haben und nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad den vielen Verhafteten aus der Oppositionsbewegung Beistand geleistet zu haben.

SPIEGEL: Sotude hat auch Ihre Schwester Nuschin vertreten, die Ende 2009 verhaftet und ohne rechtliche Grundlage 20 Tage festgehalten worden war. Warum war sie in die Mühlen der Justiz geraten?

Ebadi: Es geht dabei um mich: Ich bin nicht bereit, mich dem Druck der iranischen Regierung zu beugen und bei Menschenrechten Kompromisse einzugehen. Weil ich derzeit im Ausland nicht greifbar bin, setzen sie meine Angehörigen in Iran unter Druck, haben meine Schwester sogar drei Wochen inhaftiert, obwohl sie sich aus der Politik völlig raus hält.

SPIEGEL: Was kann der Westen für Menschenrechtsaktivisten wie Sotude tun?

Ebadi: Die Weltgemeinschaft darf über den Nuklearkonflikt die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen des Regimes nicht vergessen. Ich werde für Sotude kämpfen. Ich habe mich bereits an die Vereinten Nationen gewandt, um auf ihre bedrohliche Lage hinzuweisen.

Das Interview führten Dieter Bednarz und Nasrin Bassiri

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Seite 1
Porgy, 09.11.2010
1. Kritik am Islam an sich darf nicht tabu sein
Zitat von sysopFür die Festnahme gab es keine Begründung - die Anwältin Nasrin Sotude hatte iranische Oppositionelle*verteidigt. Jetzt wehrt sie sich*zum zweiten Mal mit einem Hungerstreik. Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi erklärt im SPIEGEL-ONLINE-Interview, warum jetzt die Uno helfen muss. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,727917,00.html
Solange sich Opposition im Iran und anderen islamischen Ländern auf die von Frau Ebadi verkörperte Haltung beschränkt: "Der wahre Islam ist an sich gut, nur das Regime, das den Islam missbraucht. ist böse. Der Islam als solcher aber ist unschuldig." - solange wird man mit "Opposition" und "Hungerstreik" nicht weit kommen. Denn es muss der islamische Glaube an sich auf den Prüfstand. Sonst sterben auch die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan letzten Endes umsonst.
bijan0331 09.11.2010
2. Ebadi = Bitte nicht.
@ Porgy: Stimmt. Ich als Iraner (ergo mit mehr Wissen darüber wie es da drüben so abläuft) kann euch sagen, die Ebadi ist eine Verräterin. Ihre Arbeit an sich ist lobenswert, jedoch verteigt sie stets die islamische Republik und fordert nur Reformen. Nur kann man ein Regime, vergleichbar mit dem NS Regime (von der Grausamkeit), nicht reformieren. Man muss es umstürzen.
MrChance 09.11.2010
3. .
Zitat von bijan0331@ Porgy: Stimmt. Ich als Iraner (ergo mit mehr Wissen darüber wie es da drüben so abläuft) kann euch sagen, die Ebadi ist eine Verräterin. Ihre Arbeit an sich ist lobenswert, jedoch verteigt sie stets die islamische Republik und fordert nur Reformen. Nur kann man ein Regime, vergleichbar mit dem NS Regime (von der Grausamkeit), nicht reformieren. Man muss es umstürzen.
Klar, wie im Irak und Afghanistan. Eine Einladung für Al-Qaida.
bijan0331 09.11.2010
4. Also ...
Ich weiß ja nicht was für Nachrichten Sie lesen bzw. wie intesiv Sie sich mit dem Thema Iran auseinander gesetzt haben. Ich vermute auch nur sehr oberflächlich. Aber der Iran ist keineswegs mit Aghanistan zu vergleichen, das Land wurde durch die Taliban ins Mittelalter katapultiert, das Gesellschaftsverständnis dort ist für alle Zeit gestört. Der Irak ist auch sehr unstabil da es von den USA gestürzt wurde. Der Iran hingegen hat eine Vielzahl von Intellektuellen und Jugendlichen, die sich nach "westlicher" Freheit sehnen, die nach dem Sturz der Regierung die Lange in den Griff kriegen könnten um endlich eine IRANISCHE Republik zu gründen.
MrChance 09.11.2010
5. .
Zitat von bijan0331Ich weiß ja nicht was für Nachrichten Sie lesen bzw. wie intesiv Sie sich mit dem Thema Iran auseinander gesetzt haben. Ich vermute auch nur sehr oberflächlich. Aber der Iran ist keineswegs mit Aghanistan zu vergleichen, das Land wurde durch die Taliban ins Mittelalter katapultiert, das Gesellschaftsverständnis dort ist für alle Zeit gestört. Der Irak ist auch sehr unstabil da es von den USA gestürzt wurde. Der Iran hingegen hat eine Vielzahl von Intellektuellen und Jugendlichen, die sich nach "westlicher" Freheit sehnen, die nach dem Sturz der Regierung die Lange in den Griff kriegen könnten um endlich eine IRANISCHE Republik zu gründen.
...wennn Sie einen Umsturz von innen und nicht von außen meinen, ist es völlig in Ordung.
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