Ende der Festsetzung Iranischer Öltanker verlässt Gibraltar - Ziel unbekannt

45 Tage dauerte der Nervenkrieg um die "Grace 1" - nun hat das iranische Schiff unter neuem Namen Gibraltar verlassen. Die Freilassung dürfte in Washington gar nicht gut ankommen.

Jon Nazca/ REUTERS

Zumindest diese Dauerkrise scheint beendet: Der mehr als sechs Wochen lang festgesetzte Supertanker mit iranischem Öl hat Gibraltar verlassen. Das gab der iranische Botschafter in London, Hamid Baeidinedschad, in der Nacht zum Montag auf seiner Instagram-Seite bekannt.

"Hiermit bestätigen wir, dass unser Tanker nach 45 Tagen Gibraltar in Richtung internationale Gewässer verlassen hat", schrieb der Botschafter. Auch dem auf Schiffsverkehr spezialisierten Internetportal Marinetraffic.com zufolge nahm das Schiff in der Nacht zu Montag Fahrt Richtung Süden auf. Das Ziel war jedoch weiter unklar.

Das oberste Gericht des britischen Überseegebiets an der Südspitze der iberischen Halbinsel hatte dem Tanker bereits am Donnerstag freie Fahrt gewährt. Zwei Expertenteams machten das Schiff nach Angaben des iranischen Botschafters daraufhin startklar.

Damit wächst die Hoffnung auf eine Deeskalation in dem schwelenden Konflikt zwischen Iran und mehreren westlichen Ländern, darunter Großbritannien und den USA.

Neuer Name, aber das Ziel bleibt vorerst unbekannt

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker Anfang Juli vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Damit würde das Schiff gegen EU-Sanktionen gegen das Bürgerkriegsland verstoßen, so lautete der Vorwurf. Das Außenministerium in London betonte, Iran müsse sich nun an seine Zusicherung halten, die Ladung nicht nach Syrien zu bringen.

Der Tanker "Grace 1" wurde inzwischen in "Adrian Darya-1" umbenannt und soll unter iranischer Flagge fahren, wie Teheran mitteilte.

Vergeblich versuchten die USA bis zuletzt, den Tanker am Auslaufen zu hindern. Ein US-Bundesgericht wollte das Schiff sogar beschlagnahmen lassen. Das wies die Regierung in Gibraltar aber am Sonntag zurück: Die Verfügung eines Bundesgerichts in Washington sei "untrennbar" mit den Sanktionen der USA gegen Iran verbunden, die aber mit denen der Europäischen Union nicht vergleichbar seien, hieß es.

Die USA hatten weitere Schritte verlangt

Das US-Justizministerium begründete die verlangte Beschlagnahmung in einer Mitteilung mit mutmaßlichen Verstößen gegen US-Sanktionen, Geldwäschegesetze und Terrorismusstatuten. Das Gericht verfügte auch die Beschlagnahmung des Öls an Bord des Tankers und von knapp einer Million Dollar Bankvermögen einer Briefkastenfirma, die Verbindungen zum Schiff haben soll. Die Staatsanwaltschaft erklärte, das Schiff sei Teil eines Plans der iranischen Revolutionsgarden zur Unterstützung illegaler Lieferungen Irans an Syrien.

Der Kapitän und weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, kamen aber wieder auf freien Fuß. Teheran drohte mit Vergeltung und bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein.

Iran habe in dem Konflikt schließlich eingelenkt und das Ziel des Tankers geändert, teilte Gibraltars Regierung mit. Teheran bestand dagegen darauf, das Öl sei niemals für Syrien bestimmt gewesen.

Ärger vor Gibraltar - Ärger in der Straße von Hormus

Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen Iran und mehreren westlichen Staaten, allen voran den USA, der auch auf internationalen Schifffahrtswegen ausgetragen wird. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte die Revolutionsgarden im April als ausländische Terrororganisation eingestuft. Die USA haben zudem harte Sanktionen gegen Iran verhängt, die vor allem auf den Ölsektor des Landes abzielen.

Nur zwei Wochen nach dem Festsetzen des Supertankers stoppten die iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus den britischen Öltanker "Stena Impero". Zur Begründung hieß es, das Schiff habe internationale Regeln der Seefahrt nicht eingehalten, sein GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien an Bord. Einen von Iran vorgeschlagenen Austausch der beiden Tanker lehnte die neue britische Regierung ab.

Hinter den Spannungen zwischen Iran und den USA steht der Atomstreit beider Länder. Die Amerikaner werfen der iranischen Führung vor, Atomwaffen bauen zu wollen. Teheran weist das zurück.

jok/dpa/Reuters



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