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Abkommen zu Uran-Tausch: Freudentanz in Teheran

Foto: MORTEZA NIKOUBAZL/ REUTERS

Irans Atom-Rückzieher Drei Männer, ein Deal

Irans Präsident Ahmadinedschad gibt im Atomstreit plötzlich nach, Brasiliens Staatschef Lula und der türkische Premier Erdogan feiern sich als erfolgreiche Vermittler. Doch der Coup ist durchaus eigennützig: Beide Länder verfolgen geostrategische Interessen - und suchen deshalb die Nähe Teherans.

Luiz Inácio Lula da Silva

Jerusalem - Als nach Teheran aufbrach, wurden seine Erfolgsaussichten skeptisch beurteilt: Gerade mal eine 30-Prozent-Chance gab Russlands Staatschef Dmitrij Medwedew seinem brasilianischen Kollegen. Auch Hillary Clinton bezweifelte, dass Lula die Iraner davon überzeugen würde, ihre Urananreicherung auszulagern. "Ich glaube nicht, dass wir eine ernsthafte Antwort aus den Iranern herausbekommen werden", sagte die US-Außenministerin. Weitere Sanktionen, die der Uno-Sicherheitsrat verhängen müsse, seien der einzige Weg, die nuklearen Ambitionen der Islamischen Republik zu stoppen.

Recep Tayyip Erdogan

Doch dann kam alles anders: Lula reiste am Wochenende nach Teheran, der türkische Premier jettete hinterher, und nach 17 Stunden Marathon-Sitzung hatten die beiden Staatschefs den Iranern am Montag das abgerungen, was die Weltgemeinschaft seit Monaten vergeblich eingefordert hat: Ein Einlenken Teherans im Atomstreit.

Atomprogramm

Ob das Zugeständnis Irans, schwach angereichertes Uran in die Türkei auszulagern, tatsächlich ernst gemeint ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Kritiker warnen bereits, dass es sich bei dem trilateralen Abkommen womöglich bloß um eine weitere Finte der Iraner handelt. Teheran könnte erneut Zeit schinden wollen, um im Schatten einer werbewirksamen Uran-Auslagerung sein geheimes weiter voranzutreiben.

Belohnung für zwei iranfreundliche Staatsmänner

Iran

Der Türkei und Brasilien dürften die Einzelheiten des Vertrags, den nun mit der Atomenergiebehörde IAEA in Wien ausarbeiten muss, vorerst egal sein: Beide Länder haben einen diplomatischen Sieg errungen, den sie nun daheim und international ausschlachten werden.

Mahmud Ahmadinedschad

Dass Teheran ausgerechnet jetzt eingeknickt ist, dürfte im Kern an den Sanktionsdrohungen liegen. Doch dass der iranische Präsident ausgerechnet gegenüber Lula und Erdogan nachgab, kann man als Geschenk an die beiden Vermittler werten: Er hat damit zwei Staatsmänner belohnt, die sich in den vergangenen Monaten sehr um Iran bemühten.

Dabei haben sich sowohl die Türkei als auch Brasilien durchaus eigennützig in die Verhandlungen um den Atomkonflikt eingeschaltet. Mit ihrer verständnisvollen Annäherung an Teheran, die nun zum Einlenken geführt hat, verfolgen sie ureigene Interessen: Für die Türkei ist die demonstrative Nähe zu Teheran ein geschickter taktischer Schachzug. Denn Ankara hat problematische Beziehungen zu fast allen seinen Nachbarn. Einzig mit Iran pflegt die Türkei beste Kontakte, die unter Ministerpräsident Erdogan noch ausgebaut wurden - sehr zum Ärger der Nato-Partner.

Türkei

Mit dem Schmusekurs gegenüber der Islamische Republik sende die vor allem ein Signal Richtung Westen, sagt Giorgio Franceschini von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. "Die Türkei will die Anbindung an Europa, an die Europäische Union. Aber sie will auch deutlich machen, dass sie sich nach geostrategischen Alternativen umsieht." So wolle Ankara leisen Druck auf Europa ausüben.

Brasiliens Atomprogramm ähnelt dem iranischen

Brasilien

hingegen versucht, seine politische Gewichtsklasse zu verbessern. Seit Jahren fordert der südamerikanische Staat einen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat. Dazu braucht es die Unterstützung der Länder des Südens, als deren Wortführer Präsident Lula immer wieder auftritt.

In Sachen Atompolitik argumentieren die Südamerikaner, der arrogante Norden verwehre ärmeren Ländern den Zugang zur Atomenergie, deren Vorteile die reichen Industrienationen selbst schon lange nutzen. Ein Argument, das auch Ahmadinedschad immer wieder vorträgt. Stets betonte Lula denn auch in den vergangenen Wochen, Iran habe - wie jedes andere Land - das unveräußerliche Recht, Atomenergie friedlich zu nutzen.

Indem er allzu harsche Kritik an Iran zurückweist, spricht Lula auch in eigener Sache: Denn Brasilien betreibt selbst ein Atomprogramm , das dem iranischen verblüffend ähnelt. Auch der südamerikanische Boom-Staat hat eine nationale Anreicherungsanlage und wird verdächtigt, ein geheimes Waffenprogramm zu betreiben.

Brasilien schützt sich also auch selbst, wenn es sich an die Seite Irans stellt. Dass die Welt die Südamerikaner gewähren lasse, während Iran neue Sanktionen drohen, habe einen einfachen Grund, sagt Konfliktforscher Franceschini. "Brasilien ist eine Demokratie, stößt keine Drohungen gegen Nachbarn aus und fördert nicht den internationalen Terrorismus."

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