Irans Atomprogramm Ahmadinedschad droht mit harter Antwort auf US-Sanktionen

Iran reagiert auf die neuen Sanktionen der USA: Das Land werde dem "Druck seiner Feinde" entgegentreten, kündigte Präsident Ahmadinedschad an. Bei einem Militärmanöver wurde eine Mittelstreckenrakete gezündet. Und Teheran prahlte mit der Herstellung eines Nuklearbrennstabs aus eigenen Uranerz-Vorkommen.
Irans Atomprogramm: Ahmadinedschad droht mit harter Antwort auf US-Sanktionen

Irans Atomprogramm: Ahmadinedschad droht mit harter Antwort auf US-Sanktionen

Foto: REUTERS/ IRIB

Teheran - Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad droht der US-Regierung. Teheran werde "dem Druck seiner Feinde" entgegentreten, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung des Staatschefs an die Notenbank, die auf der Internetseite der Präsidentschaft veröffentlicht wurde. "Wir müssen das Volk und die Nation gegen Verschwörungen der Feinde verteidigen", erklärte Ahmadinedschad darin weiter. Derzeit habe die iranische Wirtschaft "keine Probleme", behauptete Ahmadinedschad. US-Präsident Barack Obama hatte am Samstag neue Sanktionen gegen Iran in Kraft gesetzt. Die Strafmaßnahmen sollen die iranische Führung weiter unter Druck setzen.

Um die Drohungen gegen Washington zu unterstreichen, begann Iran nahe der Seestraße von Hormus mit Raketentests. Während eines Marinemanövers feuerte die Armee eine Mittelstreckenrakete ab, wie der für die Übung zuständige Admiral Mahmud Mussawi laut der Nachrichtenagentur Irna sagte. Die getestete Boden-Luft-Rakete verfüge über "die neueste Technologie, um für Radarsysteme unsichtbare Ziele und intelligente Systeme abzuwehren, die versuchen, die Flugbahn einer Rakete zu stören", sagte Mussawi. Seinen Angaben zufolge wurde der getestete Raketentyp in Iran "entwickelt und hergestellt".

Teheran hatte am Freitag angekündigt, während des seit dem 24. Dezember stattfindenden Marinemanövers Raketen verschiedener Reichweiten ausprobieren zu wollen. Die Tests hatten ursprünglich bereits am Samstag beginnen sollen. Dann teilte die iranische Armee jedoch mit, erst "in den kommenden Tagen" damit beginnen zu wollen. Die Langstreckenraketen könnten Israel und die US-Militärstationen im Nahen Osten erreichen.

Den Tests war ein verbaler Schlagabtausch zwischen den USA und Iran vorausgegangen. Irans Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi hatte am Dienstag gesagt, bei weiteren Sanktionen gegen das Land wegen seines Atomprogramms werde die für Öltransporte wichtige Meerenge von Hormus blockiert. Die USA hatte angekündigt, eine Blockade nicht hinnehmen zu wollen. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Sonntag, Westerwelle sei "besorgt" angesichts der Drohungen.

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Iran: Raketentests und Blockade-Drohungen

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Noch am Samstag hatte Teheran einen versöhnlicheren Ton angeschlagen und erklärt, zur Wiederaufnahme der internationalen Gespräche über sein Atomprogramm bereit zu sein. Irans Chefunterhändler Said Dschalili sagte laut Medienberichten, Teheran habe die an den Atomgesprächen teilnehmenden fünf Vetomächte des Uno-Sicherheitsrats plus Deutschland (5+1-Gruppe) "offiziell" aufgefordert, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Gespräche zwischen Iran und Vertretern der fünf Vetomächte USA, China, Russland, Großbritannien, Frankreich und Deutschland liegen seit fast einem Jahr auf Eis.

Die EU begrüßte das Gesprächsangebot. Voraussetzung sei allerdings, dass vom Iran keinerlei Vorbedingungen gestellt würden, teilte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton über ihren Sprecher mit. Ähnlich äußerte sich auch Außenminister Guido Westerwelle. Er forderte den Iran zu "konkreten nachprüfbaren Taten" auf. Es dürfe nicht bei vagen Ankündigungen bleiben.

Im Zentrum des Atomstreits steht die Urananreicherung, denn angereichertes Uran kann für zivile Zwecke, aber auch zum Bau von Atombomben genutzt werden. Teheran versichert, Atomenergie nur für friedliche Zwecke zu nutzen. Am Samstag unterzeichnete US-Präsident Barack Obama ein Gesetz, das weitere Strafmaßnahmen gegen die iranische Zentralbank und den Finanzsektor vorsieht. Zusammen mit mehreren EU-Staaten wollen die USA auch die iranische Öl-, Gas- und Petrochemie-Branche mit Strafmaßnahmen belegen.

Am gleichen Tag war bekannt geworden, dass die USA angesichts der Spannungen mit Iran ihre Verbündeten in der Golf-Region weiter aufrüsten. Die US-Regierung verkündete den Verkauf eines Raketenabwehrsystems an die Vereinigten Arabischen Emirate für 3,5 Milliarden Dollar. Das bereits 2008 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush eingefädelte Geschäft sei ein wichtiger Schritt um die Sicherheit in der Region zu verbessern, erklärte das Verteidigungsministerium in Washington.

Erst vorige Woche gab die US-Regierung den Verkauf von 84 Kampfjets an Saudi-Arabien im Wert von knapp 30 Milliarden Dollar bekannt. Auch Israel soll neue US-Kampfflugzeuge erhalten.

Einsatz in einem Forschungsreaktor

Irans Atomenergiebehörde gab am Sonntag weitere Fortschritte beim umstrittenen Nuklearprogramm bekannt. Erstmals sei ein eigener Kernbrennstab hergestellt und getestet worden. Wissenschaftler hätten den Brennstab in den Kern eines Forschungsreaktors in Teheran eingeführt, um seine Nutzbarkeit zu prüfen. Der Teheraner Reaktor dient offiziell medizinischen Zwecken. "Diese tolle Errungenschaft wird den Westen überraschen, weil die westlichen Länder darauf gesetzt haben, dass der Iran keine atomaren Brennplatten herstellen kann", schreibt die "Teheran Times".

Außenminister Ali-Akbar Salehi hatte im Dezember angekündigt, bis Februar 2012 werde die Anlage in Teheran erstmals mit iranischen Brennstäben betrieben werden können. Dabei geht es um einen kleinen Leichtwasserreaktor, der noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut worden war. Er soll Material für medizinische Zwecke etwa zur Krebsbehandlung produzieren und benötigt dazu angereichertes Uran.

Im Oktober hatte Iran angekündigt, weiterhin im eigenen Land Uran anzureichern, falls eine internationale Tauschvereinbarung nicht zustande komme. Ein 2010 mit Brasilien und der Türkei vereinbartes Tauschgeschäft sah die höhere Anreicherung iranischen Urans im Ausland vor.

jbr/aar/AFP/Reuters/dpa
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