Irans Atomprogramm Ahmadinedschad räumt Kritik im eigenen Land ein

Irans Präsident Ahmadinedschad hat Kritiker des nationalen Atomprogramms als Verräter bezeichnet - die bisher schärfste Warnung gegen die Opposition im eigenen Land. Er warf ihnen Kollaboration mit ausländischen Feinden vor.

Teheran - Mahmud Ahmadinedschad hat im Atomstreit mit dem Westen eingestanden, dass es auch im eigenen Land Kritik an seinem Kurs gibt. "In der nuklearen Frage sind die ausländischen Feinde äußerst entschlossen, unseren Fortschritt zu blockieren, aber wir werden auch mit Hindernissen im Inneren konfrontiert", sagte er heute in einer Rede an einer Universität in Teheran.

Bisher habe die Regierung viel Geduld bewiesen, sagte der nationalistisch-konservative Präsident. Aber nun werde er gegen diese "Verräter", die sich "wöchentlich mit Ausländern getroffen und regelmäßig vertrauliche Informationen nach draußen gebracht haben", vorgehen. "Wir werden nicht einfach stillsitzen und abwarten." In seiner bisher schärfsten Warnung machte Ahmadinedschad keine Angaben darüber, welchem politischen Flügel seine Gegner angehören.

Er warf seinen Widersachern auch vor, Richter in einem Verfahren beeinflusst zu haben, bei dem es um einen Angeklagten gehe, von dem man wisse, dass "er in Spionage verwickelt ist". Ahmadinedschad bezog sich dabei nach Einschätzungen von Beobachtern auf den früheren Atomunterhändler Hussein Mussavian, der im Sommer kurzfristig inhaftiert worden war. Der frühere Botschafter in Deutschland, der unter den iranischen Präsidenten Mohammed Chatami und Ali Akbar Haschemi Rafsandschani gearbeitet hatte, war nach wenigen Tagen auf Kaution freigelassen worden.

Die beiden Ex-Präsidententen Chatami und Rafsandschani führen inzwischen die politische Opposition gegen den Hardliner Ahmadinedschad an. Rafsandschani rief am Montag zur Besonnenheit auf. Wenige Monate vor den Parlamentswahlen sollten "Differenzen nicht zu Feindschaft" werden, sagte der als reformorientiert geltende Ex-Präsident. Die Parlamentswahlen sollen im kommenden März stattfinden.

Im Atomstreit verdächtigt der Westen Teheran, Atombomben herstellen zu wollen. Er will die iranische Führung durch Sanktionen zwingen, die Urananreicherung aufzugeben.

ler/dpa

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