Irans Machtgefüge Ajatollahs, Philosophen und ein Milliardär

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3. Teil: Milliardär in göttlicher Mission - Ali Akbar Haschemi Rafsandschani


Vorsitzender des Expertenrats und des Schlichtungsrats ist Ahmadinedschads Gegner Ali Akbar Haschemi Rafsandschani. Der Geistliche war ab 1989 als Nachfolger Chameneis Staatspräsident und durfte nach zwei Amtsperioden 1997 nicht zur Wiederwahl antreten.

Ex-Präsident Rafsandschani: Gegner des jetzigen Regierungschefs
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Ex-Präsident Rafsandschani: Gegner des jetzigen Regierungschefs

Bei der Präsidentschaftswahl 2005 kandidierte er jedoch erneut und lag nach dem ersten Wahlgang mit 21 Prozent sogar vorne. Im zweiten, entscheidenden Durchgang unterlag er jedoch unerwartet Ahmadinedschad. Chamenei ernannte ihn daraufhin erneut zum Vorsitzenden des Schlichtungsrats mit seinen 28 Mitgliedern, der zwischen dem Parlament und dem Wächterrat vermittelt. Zudem wurde er 2007 zum Vorsitzenden des Expertenrats gewählt, der mit seinen 86 vom Volk gewählten Geistlichen den religiösen Führer des Landes bestimmt.

Rafsandschani war wie Chamenei Schüler von Chomeini, gilt aber als Pragmatiker und hat daher auch Sympathien in westlichen Regierungen. So kritisierte er Ahmadinedschads israelfeindliche Äußerungen und erklärte, man achte das Judentum und stelle das Existenzrecht und die Souveränität Israels nicht in Frage. Auch die strengen Kleidungsvorschriften für Frauen in Iran passten nicht in die Zeit, erklärte er.

Machtgefüge in Iran (zur Großansicht klicken Sie auf die Grafik)
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Gleichwohl sieht er sich auf göttlicher Mission: Im Wahlkampf 2005 erklärte er beispielsweise, er habe sich "bis zum letzten Abend nicht entschließen können, die bittere Pille der Kandidatur noch einmal zu schlucken. Aber dann sah ich mich am Tag des Jüngsten Gerichts vor dem Herrgott stehen, und er fragte mich, warum ich nicht noch einmal angetreten bin". Umso schwerer hat er es verwunden, dass er dann gegen Ahmadinedschad scheiterte.

Seine Kritiker werfen ihm Korruption, Misswirtschaft und die Unterstützung von Terroristen vor. Der Milliardär - sein Vermögen speiste sich unter anderem aus Pistazienexporten und dem Engagement seiner Familie im Tourismus - sei in erster Linie ein Geschäftemacher. Politische Beobachter sehen in ihm und nicht in Ahmadinedschad den zweitmächtigsten Mann des Landes hinter Chamenei.



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