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20. September 2013, 07:14 Uhr

Hassan Rohani

Irans Präsident will im Syrien-Krieg vermitteln

Bislang ist Iran der engste Verbündete des Assad-Regimes, jetzt will der neue Präsident Rohani plötzlich zwischen Regierung und Opposition in Syrien vermitteln. Er fordert den Westen auf, seine Bemühungen für einen Dialog zu unterstützen - nicht nur in der Syrien-Frage.

Teheran - In der kommenden Woche reist Irans neuer Präsident Hassan Rohani zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York. Vor seinem Abflug in die USA hat er sich in einem Gastbeitrag für die "Washington Post" an die Öffentlichkeit gewandt.

In dem Meinungsartikel bietet sich Rohani als Vermittler im Nahen Osten an. USA und Syrien "müssen einander die Hände reichen, um auf einen nationalen Dialog hinzuarbeiten - in Syrien und Bahrain", schrieb der Präsident. Was er nicht schreibt: In beiden Ländern hat Teheran ganz unterschiedliche Interessen. In Damaskus will Iran das Assad-Regime an der Macht halten, in Bahrain unterstützt es die schiitische Opposition gegen das sunnitische Königshaus.

Die Völker in der Region müssten über ihr eigenes Schicksal entscheiden, fordert Rohani. "Als Teil davon, erkläre ich die Bereitschaft meiner Regierung, einen Dialog zwischen der syrischen Regierung und der Opposition zu erleichtern."

Der Präsident stößt damit andere Töne an als die Kommandeure der iranischen Revolutionswächter. Ghasem Sulaimani, Chef der Kuds-Brigaden, einer Spezialeinheit der Paramilitärs, hatte Anfang des Monats erklärt, sein Land werde Syrien "bis zum Ende" unterstützen. Erst in dieser Woche hatten sich die Revolutionswächter öffentlich damit gebrüstet, mit eigenen Kräften an der Seite Assads in Syrien zu stehen. Zuvor war ein Video aufgetaucht, das iranische Spezialeinheiten in dem Bürgerkriegsland zeigte. Deshalb dürfte die syrische Opposition kaum auf das Vermittlungsangebot eingehen.

Rohani bittet um Entgegenkommen des Westens

Obwohl Iran also längst Kriegspartei in Syrien geworden ist, tut Rohani so, als sei er ein neutraler Beobachter. Das Land, "eine Perle der Zivilisation", sei zum Schauplatz "herzzerreißender Gewalt" geworden, schreibt der Präsident. Den Giftgasangriff vom 21. August verurteilt er scharf. Wen er für den Angriff verantwortlich macht, lässt Rohani offen.

Auf das iranische Atomprogramm geht Rohani nur indirekt ein. Zumindest sei in den vergangenen zehn Jahren deutlich geworden, was alle Seiten bezüglich des Nuklearprogramms nicht wollten, schreibt der Politiker. Er ruft die internationale Gemeinschaft auf, ihren Blick auf die Islamische Republik zu verändern.

"Ich rufe meine Amtskollegen auf, die Gelegenheit zu nutzen, die sich durch die Wahl in Iran eröffnet hat", schreibt der Politiker. "Ich fordere sie auf, aufrichtig auf die Bemühungen meiner Regierung für einen konstruktiven Dialog zu reagieren."

Nicht nur in diesem Ansatz unterscheidet sich Rohani von seinem Vorgänger Ahmadinedschad. Auffällig ist auch, dass er ein Thema, das Ahmadinedschad reflexhaft immer wieder vortrug, völlig ausspart: Auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geht Rohani mit keiner Silbe ein.

syd

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