Hassan Rohani Irans Präsident will im Syrien-Krieg vermitteln

Bislang ist Iran der engste Verbündete des Assad-Regimes, jetzt will der neue Präsident Rohani plötzlich zwischen Regierung und Opposition in Syrien vermitteln. Er fordert den Westen auf, seine Bemühungen für einen Dialog zu unterstützen - nicht nur in der Syrien-Frage.

Irans Präsident Rohani: "Wir müssen einander die Hände reichen"
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Irans Präsident Rohani: "Wir müssen einander die Hände reichen"


Teheran - In der kommenden Woche reist Irans neuer Präsident Hassan Rohani zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York. Vor seinem Abflug in die USA hat er sich in einem Gastbeitrag für die "Washington Post" an die Öffentlichkeit gewandt.

In dem Meinungsartikel bietet sich Rohani als Vermittler im Nahen Osten an. USA und Syrien "müssen einander die Hände reichen, um auf einen nationalen Dialog hinzuarbeiten - in Syrien und Bahrain", schrieb der Präsident. Was er nicht schreibt: In beiden Ländern hat Teheran ganz unterschiedliche Interessen. In Damaskus will Iran das Assad-Regime an der Macht halten, in Bahrain unterstützt es die schiitische Opposition gegen das sunnitische Königshaus.

Die Völker in der Region müssten über ihr eigenes Schicksal entscheiden, fordert Rohani. "Als Teil davon, erkläre ich die Bereitschaft meiner Regierung, einen Dialog zwischen der syrischen Regierung und der Opposition zu erleichtern."

Der Präsident stößt damit andere Töne an als die Kommandeure der iranischen Revolutionswächter. Ghasem Sulaimani, Chef der Kuds-Brigaden, einer Spezialeinheit der Paramilitärs, hatte Anfang des Monats erklärt, sein Land werde Syrien "bis zum Ende" unterstützen. Erst in dieser Woche hatten sich die Revolutionswächter öffentlich damit gebrüstet, mit eigenen Kräften an der Seite Assads in Syrien zu stehen. Zuvor war ein Video aufgetaucht, das iranische Spezialeinheiten in dem Bürgerkriegsland zeigte. Deshalb dürfte die syrische Opposition kaum auf das Vermittlungsangebot eingehen.

Rohani bittet um Entgegenkommen des Westens

Obwohl Iran also längst Kriegspartei in Syrien geworden ist, tut Rohani so, als sei er ein neutraler Beobachter. Das Land, "eine Perle der Zivilisation", sei zum Schauplatz "herzzerreißender Gewalt" geworden, schreibt der Präsident. Den Giftgasangriff vom 21. August verurteilt er scharf. Wen er für den Angriff verantwortlich macht, lässt Rohani offen.

Auf das iranische Atomprogramm geht Rohani nur indirekt ein. Zumindest sei in den vergangenen zehn Jahren deutlich geworden, was alle Seiten bezüglich des Nuklearprogramms nicht wollten, schreibt der Politiker. Er ruft die internationale Gemeinschaft auf, ihren Blick auf die Islamische Republik zu verändern.

"Ich rufe meine Amtskollegen auf, die Gelegenheit zu nutzen, die sich durch die Wahl in Iran eröffnet hat", schreibt der Politiker. "Ich fordere sie auf, aufrichtig auf die Bemühungen meiner Regierung für einen konstruktiven Dialog zu reagieren."

Nicht nur in diesem Ansatz unterscheidet sich Rohani von seinem Vorgänger Ahmadinedschad. Auffällig ist auch, dass er ein Thema, das Ahmadinedschad reflexhaft immer wieder vortrug, völlig ausspart: Auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geht Rohani mit keiner Silbe ein.

syd

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zyrtezyrte 20.09.2013
1. Ich hoffe, ...
... Rohani meint es ernst - hoffentlich ist dies nicht zu naiv!
kuddel_knuff 20.09.2013
2. Lichtblick ??
Vielleicht endlich ein kleiner Lichtblick um dem Treiben dieses Diktators ein Ende zu setzen ?
joG 20.09.2013
3. Das ist ein nettes Angebot...
....nachdem Iran so gute Beziehungen zu mehreren dort aktiven Mörderbanden unterhalten und mit Waffenlieferungen und Personal unterstützten. Vor allem werden sicherlich jene die Verhandlungen mit Iran lieben, die im Existenzkampf gegen Irans Klienten standen.
mrm1963 20.09.2013
4. Nun ist Westen daran, die eigene Glaubwürdigkeit zu zeigen
Die westliche Staaten haben einmal mit Chatami die Chance gehabt, die unseelige Zeit mit Ahmadinejad zu vermeiden. Nun hat das iranische Volk sein Votum gegeben und, wer die Möglichkeit nutzt, um die reale Veränderungen im Iran und in der iranischen Politik wahrzunehmen, sollte losgelost von westlicher Hochnäsigkeit in der Lage sein, diesmal die ausgestreckte Hand eines vom Volk gewählten Präsidenten anzunehmen, vielleicht ergibt sich auch morgen eine Chace für die Lösung des Israelskonfliktes. Wenn aber die Westen die Situation so dumm wahrnehmen (etnschuldigung), wie der Autor dieses Artikels, kommt die westliche Politik nie aus dieser Sackgasse heraus und die Welt wird begreifen, dass es ihnen doch um billiges Öls durch Krieg, Vertreibung, Diktatur usw. geht. Iraner haben die Opfer der Chemiewaffe (deutsche Exporte an Irak) noch nicht vergessen. Und ein Blick in die Geschichte Irans zeigt, dass aus diesm Boden noch nie ein Krieg ausgebrochen ist. Nun begreift bitte die Chance, kommt von hohen Roß runter und nimmt es wahr, Menschen wo anders sind manchmal schlauer, als ihr denkt. Die Welt ist wirklich ein Dorf geworden. Jeder kennt jeden!
jeromymcclain 20.09.2013
5. Iranisches Eingeständnits der Giftgas-Attacke
Hoffentlich wird dieser Ansatz nicht wieder vernichtet, wie 2009 Mussawi davongejagt wurde.... Und nein, ich habe ausdrücklich nicht von Wahlfälschung (http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sidentschaftswahl_im_Iran_2009#Vorwurf_des_Wahlbetrugs) gesprochen. nur davongejagt geschrieben, ob nun davongejagt von den Wählern oder davongejagt von einem bestimmten Mullah. Und was die syrischen Giftgaswaffen anbelangt, die vom Berg aus abgeschossen wurden, kann man nur festhalten, dass schon die Israelis sich für diesen Berg interessiert haben (http://www.youtube.com/watch?v=QWmeez3yA2g) , militärisch allzu bedeutungslos wird er also nicht sein und dass der neugewählte iranische Präsident nun mithelfen will, den Konflikt zu beschwichtigen und auch an der Vernichtung der syr. Giftgaswaffen helfen möchte, zeigt eigentlich schon, dass selbst der Iran davon ausgeht, dass die Anhänger von Assad verantwortlich sind für die Giftgas-Attacke vom 21.08.2013, denn der Iran hat schließlich 0 Einfluss auf Assads Gegner oder?
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