IS-Verbündeter Saddams Ex-Vize angeblich im Irak getötet

Einst war Essat al-Duri engster Vertrauter von Saddam Hussein - zuletzt schwor er der IS-Miliz Treue. Nun soll er im Irak getötet worden sein. Zum Tod des Terroristen gibt es allerdings widersprüchliche Angaben.

Extremist Duri (Archivbild): Tod im Irak?
DPA

Extremist Duri (Archivbild): Tod im Irak?


Auf der Fahndungsliste der USA stand Essat al-Duri weit oben, immer wieder entkam er seinen Jägern. Doch nun ist im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) im Irak nach offiziellen Angaben ein wichtiger Schlag gelungen. Duri, mächtiger Verbündeter der Extremistenmiliz, sei bei einem großangelegten Militäreinsatz ums Leben gekommen, sagte der Gouverneur der Provinz Salahuddin dem Sender al-Arabija.

Dazu wurde ein Foto einer Leiche gezeigt, die Duri ähnlich sieht. Zu erkennen ist angeblich unter anderem der rote Schnurrbart, eines der Erkennungszeichen Duris. Er gehörte zum inneren Machtzirkel des früheren Diktators Saddam Hussein und war dessen letzter enger Vertrauter, der sich noch auf der Flucht befand. Duri soll ein Drahtzieher des Aufstands gegen die von Schiiten geführte Zentralregierung in Bagdad sein.

Im vergangenen Jahr waren Aufnahmen aufgetaucht, in denen Duri angeblich dem IS die Treue schwört. Die Islamisten stellten sich damit als Befreier sunnitischer Gebiete dar.

Im Kartenspiel der 55 meistgesuchten Iraker, das die Amerikaner herausgaben, zierte Duris Gesicht die Königskarte. Zehn Millionen Dollar waren auf ihn ausgesetzt. Dutzende Male hieß es schon, der Rothaarige sei getötet oder verhaftet worden - doch immer wieder taucht er auf.

Die von ihm seit dem Tod Saddam Husseins geführte, inzwischen verbotene, Baath-Partei dementierte dann auch sogleich den Tod Duris. Nun soll ein DNA-Test Klärung bringen, die Regierung erwartet nach eigenen Angaben schon bald ein Ergebnis.

Der IS nahm im vergangenen Jahr weite Teile des Nordiraks ein und ermordete oder versklavte bei seinem Vormarsch Tausende Zivilisten. Inzwischen wird die Miliz auch mit internationaler Hilfe zurückgedrängt: So ist Saddams Heimatstadt Tikrit wieder in der Hand der Regierung.

Der langjährige Machthaber, der 2003 gestürzt und 2006 hingerichtet wurde, war Sunnit. Auch bei den IS-Anhängern handelt es sich um Sunniten. Sie wollen aber der Bevölkerung eine besonders radikale Auslegung der Glaubensrichtung aufzwingen. Bei dem IS-Vormarsch Richtung Bagdad verbündeten sich viele Saddam-Anhänger mit der Miliz.

Einflussgebiet des IS: Weite Teile unter Kontrolle
SPIEGEL ONLINE

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jok/Reuters/AFP



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