IS-Vorstoß auf antike Stadt Dutzende Tote bei schweren Gefechten in Palmyra

Artilleriefeuer in der Nähe der Unesco-Welterbestätte: Im syrischen Palmyra liefern sich IS-Kämpfer und Regierungssoldaten schwere Gefechte. Mehr als 50 Kämpfer kamen laut Berichten bereits ums Leben.

Weltkulturerbe in Palmyra: Verwüsten IS-Terroristen auch diese Stätten?
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Weltkulturerbe in Palmyra: Verwüsten IS-Terroristen auch diese Stätten?


Bei Schusswechseln zwischen Kämpfern der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und regierungstreuen Einheiten um die antike syrische Stadt Palmyra sind laut Aktivisten Dutzende Menschen getötet worden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mitteilte, starben seit dem Vortag mindestens 23 regierungstreue Kämpfer und 29 Dschihadisten.

Demnach war aus dem Westen der Stadt Tadmur nahe den antiken Stätten Artilleriefeuer zu hören. Berichte über Schäden an den antiken Bauwerken gab es zunächst nicht.

Laut der Beobachtungsstelle, deren Erkenntnisse aus einem Informantennetzwerk vor Ort stammen und unabhängig kaum überprüfbar sind, hatten IS-Kämpfer am Samstag das nördliche Stadtgebiet von Palmyra in der Provinz Homs unter ihre Kontrolle gebracht. Provinzgouverneur Tala Barasi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Behörden befürchteten eine Massenflucht aus der Stadt und seien bemüht, die Zivilbevölkerung zu schützen und zu versorgen.

Für Assads Generäle geht es in den aktuellen Kämpfen nicht nur darum, das Weltkulturerbe zu schützen: Es ist ein weiteres Tor, von dem die Fundamentalisten Richtung Damaskus vorrücken könnten. Palmyra, dessen Bauten griechisch-römische und persische Baukunst vereinigen, ist laut der Uno-Kulturorganisation Unesco eine Stätte von "überragendem universellen Wert".

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr etliche Kulturstätten zerstört, darunter die jahrtausendealte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Im Museum von Mossul zertrümmerten sie wertvolle Statuen aus assyrischer Zeit. Nun sind die Bauten der Oasenstadt Palmyra nach Einschätzung von Experten ebenfalls akut bedroht. Die weltberühmten Ruinen, darunter von Kolonnaden gesäumte Straßen, liegen im Südwesten der Stadt.

sto/AFP/dpa

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rolf.scheid.bonn 17.05.2015
1. Es ist entsetzlich, ...
... dass nun auch diese einzigartige archäologische Stätte von den Barbaren bedroht wird. Ich war mehrfach dort und kann nur bestätigen, welch einen herausragenden Wert diese wunderbare antike Stätte hat. Es wäre ein Verlust ohnegleichen. Man kann nur hoffen, dass sich Assads Leute gegen die Steinzeitislamisten halten können. Auch wenn Assad ein Diktator ist, er ist allemal besser als die IS-Barbaren. Unter Assad gab es keine religiösen Auseinandersetzungen und es wurde wenigstens das kulturelle Erbe des Landes gepflegt. Man muss leider befürchten, dass der Sieg aller anderen Parteien Schlimmeres bringen werden.
amana 17.05.2015
2. Zwischen den Fronten
Palmyra ist jetzt in einer bedrohlichen Lage, zwischen den Islamisten und dem Assadregime welches mit Artillerie und der Luftwaffe die Stadt auf jeden Fall halten wollen. Das Regime handelt hier nicht um die Ruinen des Weltkulturerbes zu schützen, sondern eher versucht hier das Regime die wichtige Strassenverbindung nach Homs und Damaskus sowie die verbleibenden Erdölquellen in Regimehand zu beschützen.
fritz1 17.05.2015
3. Tadmur
und Palmyra sind die Bezeichnungen für ein und dieselbe Stadt. Dies hätte vom Redakteur klugerweise erwähnt werden sollen. Für Nicht- Syrienkenner ist dieser Text sonst irreführend. Da ich mehrer Jahrzehnte in Syrien lebte, weiß ich die Kulturschätze als auch die Toleranz dieses Landes (unter "Diktator" Assad) sehr zu schätzen. Um so mehr stößt mich die tendenzielle Berichterstattung mit ihrem oft beißendem Unterton ab zB ,was heißt hier " Für Assads Generäle...", die ganze verbliebene syrische bevökerung hat Angst vor dem Vorrücken des IS!
kuac 17.05.2015
4. Unter einer Decke..
Warum tut kein Land in der Nachbarschaft etwas gegen den IS? Sind denn alle ausser Assad mit dem Fortschreiten des IS einverstanden? Haben nicht Saudis in Jemen Huthis bombardiert? Wollten sie nicht dorthin 50.000 Soldaten schicken? Stecken sie vielleicht unter einer Decke mit dem IS?
richardheinen 17.05.2015
5.
Palmyra als Ruine zu bezeichnen, halte ich für falsch. Diese alte Stadt - einst ein Knotenpunkt der antiken Handelsströme - ist von überragender kultureller Bedeutung. Sowohl der "IS" als auch Assad sollten dies respektieren, strategische Bedeutung hin oder her. Aber da mache ich mir nicht viel Hoffnung. Die Ignoranten sind überall.
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