Heiligtümer im Irak IS-Terroristen greifen Pilgerstadt Samarra an

Samarra gilt als letzte Bastion vor Bagdad, wichtige Heiligtümer stehen in der Stadt: Nun verstärkt die Terrorgruppe "Islamischer Staat" ihre Angriffe - Großajatollah Ali al-Sistani warnt vor einem Einmarsch.

Spiral-Minarett der großen Moschee in Samarra (Archiv): Weltkulturerbe in Gefahr
REUTERS

Spiral-Minarett der großen Moschee in Samarra (Archiv): Weltkulturerbe in Gefahr


Samarra - Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bedrängt die irakische Pilgerstadt Samarra. Am Rande der Ortschaft brachen heftige Gefechte zwischen den sunnitischen Extremisten und Regierungstruppen aus, teilte das Militär mit. In der Stadt steht eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer.

Iraks höchster schiitischer Geistlicher rief die Armee in seiner Freitagspredigt auf, wachsam und vorsichtig zu sein. Die Dschihadisten stellten eine massive Bedrohung für die heiligen Stätten der Schiiten dar, ließ Großajatollah Ali al-Sistani in Kerbela von einem seiner Repräsentanten verkünden.

Die sunnitischen IS-Extremisten haben die Angriffe im Umland Samarras in den vergangenen Wochen verstärkt und rücken nun weiter vor. Samarra liegt 110 Kilometer nördlich von Bagdad. Erobern sie die Stadt, wären die Dschihadisten in einer strategisch günstigen Position, um auch Bagdad anzugreifen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden mindestens 15 Dschihadisten bei den Kämpfen südlich von Samarra getötet. Über Opfer auf Seiten der Regierungstruppen gab es keine Informationen.

Historische Monumente sind bereits schwer beschädigt

Die einstige Hauptstadt des Abbasidenreiches mit ihren islamischen Altertümern steht seit Jahren auf der Roten Liste der Unesco, "Weltkulturerbe in Gefahr". Berühmt ist vor allem die Goldene Moschee, mit den Schreinen der schiitischen Imame Ali al-Hadi und Hassan al-Askari. Diese werden von den Schiiten als rechtmäßige Nachfolger des Propheten Mohammed angesehen. Bei einem Terroranschlag im Februar 2006 wurde die Kuppel stark beschädigt. Bei einem zweiten Angriff im Juni 2007 sprengten Terroristen auch die beiden Minarette in die Luft. In den Augen sunnitischer Extremisten sind Schiiten abtrünnige Muslime.

Auch in einer anderen Region gerieten Schiiten unter Beschuss. Das Nachrichtenportal Almada Press berichtete unter Berufung auf die Polizei, dass bei einem Mörserangriff auf ein schiitisches Gebetshaus im nördlichen al-Mukdadija mindestens drei Gläubige getötet und 15 weitere verletzt wurden.

Im Irak gibt es seit vielen Jahren Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten und fast täglich Anschläge. Die Lage eskalierte im Sommer dramatisch, als die im syrischen Bürgerkrieg erstarkte IS-Miliz die nordirakische Millionenstadt Mossul eroberte und weiter in Richtung Bagdad vormarschierte. Der neuen Regierung unter Ministerpräsident Haidar al-Abadi ist es bislang nicht gelungen, die politischen und religiösen Blöcke im Land zu einen.

isa/dpa

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chjuma 12.12.2014
1. genau
und wir gucken weiter zu, schicken 100 Mann zum gucken und produzieren so -zig Tausend Flüchtlinge, denen wir hier am Ende auch noch den Respekt versagen. Das einzige was da hilft ist eine grosse Streitmacht die dort einmarschiert, alle Bombenleger entwaffnet und den Frieden erzwingt, und zwar unter der Fahne der UN. Aber das scheint ja keiner zu wollen.
marillion83 13.12.2014
2.
Zitat aus dem Text "In den Augen sunnitischer Extremisten sind Schiiten abtrünnige Muslime." Die Schiiten sind diejenigen, die die direkten Nachkommen des Propheten Mohammed verehren (Mohammed's Tochter Fatima, die Enkel Imam Hassan, Imam Hussein, Zainab, den Urenkel Imam Ali Zain-Al-Abidin, etc.). Und diese sollen Abtrünnige sein??? Hauptsache den Ober-Terroristen Al-Baghdadi als Kalifen betrachten - was für eine Logik dieser kranken Mörderbande.
DerAraber 13.12.2014
3. Frühe FSA, heute ISIS
Die USA und ihre Verbündeten Türkei, Israel und die Golfstaaten haben die ISIS bzw. die diversen Rebellengruppen in Syrien, die später in der ISIS aufgingen, finanziert. Sie haben die ISIS damit im wahrsten Sinne des Wortes hochgezüchtet, und tragen damit Verantwortung für all das, was die ISIS tat und tut.
mail-an-sakina 13.12.2014
4. offenkundige Stellungnahme von weltweiten islamischen Gelehrten
http://www.madrasah.de/leseecke/islam-allgemein/offener-brief-al-baghdadi-und-isis
Hermes75 13.12.2014
5.
Zitat von DerAraberDie USA und ihre Verbündeten Türkei, Israel und die Golfstaaten haben die ISIS bzw. die diversen Rebellengruppen in Syrien, die später in der ISIS aufgingen, finanziert. Sie haben die ISIS damit im wahrsten Sinne des Wortes hochgezüchtet, und tragen damit Verantwortung für all das, was die ISIS tat und tut.
Auch ständiges Wiederholen macht diese Unsinnige Aussage nicht richtiger... ISIS bezieht seine militärische Stärke hauptsächlich aus den ehemaligen Angehörigen von Saddams Armee die nach dem Einmarsch der USA aufgelöst wurde. Diese haben zunächst im Irak Aufstände gegen die neue irakische Regierung geführt wurden dann aber nach Syrien gedrängt wo das Assad Regime ihnen willig Unterschlupf gewährt hat. Im syrischen Bürgerkrieg hat ISIS gegen die FSA gekämpft und wurde deshalb von Assads Leuten lange unbehelligt gelassen bis ISIS außer Kontrolle geriet und für Assad selbst zum Problem wurde. Die Interessen der USA, der Türkei, der Israelis und der Golfstaaten bzgl. ISIS sind übrigens völlig unterschiedlich, weshalb ihr Versuch diese gemeinsam aufzuzählen total unsinnig ist. Israel z.B. hat nicht das geringste Interesse, dass ISIS stärker wird. Denen ist selbst Assad tausend Mal lieber als die Halsabschneider. Gleichzeitig läuft über Assad aber auch die iranische Unterstützung für die Hisbollah mit der Israel sich faktisch im Kriegszustand befindet. Die Regierungen der Golfstaaten haben richtig Angst vor ISIS, weil sie nämlich selbst auf der Abschussliste der Terroristen stehen. Gleichzeitig wollen sie aber nicht mit den verhassten Iranern gemeinsame gegen ISIS kämpfen, weil sie dann wieder Probleme mit ihren eigenen Religiösen bringen würde. Was die Türkei genau von ISIS will ist bis heute nicht klar. Es ist aber davon auszugehen, dass die türkische Regierung ISIS duldet, solange die keinen Stress in der Türkei selbst machen. Außerdem kämpft ISIS gegen die Kurden was die Türken wiederum begrüßen. Das Problem hat viele Ursachen und viele Mitspieler. Wenn ihnen das zu kompliziert ist, dann halten Sie sich am besten raus und verbreiten hier nicht so einen Unsinn.
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