Christoph Sydow

Krieg in Syrien Assads Gift wirkt

Der Giftgasangriff von Damaskus jährt sich an diesem Donnerstag zum ersten Mal. Ein trauriger Anlass um festzustellen: Der Massenmord an 1400 Zivilisten hat sich für Syriens Diktator Baschar al-Assad gelohnt.
Mutmaßlicher Giftanschlag auf Damaskus (Archivbild August 2013)

Mutmaßlicher Giftanschlag auf Damaskus (Archivbild August 2013)

Foto: AFP/ Shaam News Network/ Ammar Al-Arbini

Was hat der Westen damals doch für Drohungen gegen Baschar al-Assad ausgesprochen! "Die USA sollten militärische Maßnahmen ergreifen. Ich bin bereit, den Befehl zu geben", sagte US-Präsident Barack Obama. "Frankreich wird hart und angemessen gegen Syrien vorgehen", kündigte sein Amtskollege François Hollande an. Es schien der Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg zu sein, ein Militärschlag gegen das Regime nur noch eine Frage der Zeit.

Passiert ist am Ende fast nichts, damals nach dem Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus. Das Massaker, der verheerendste Einsatz von Chemiewaffen in diesem Jahrhundert, jährt sich an diesem Donnerstag zum ersten Mal. Etwa 1400 Menschen kamen dabei ums Leben. Eine Uno-Untersuchung vermied eine eindeutige Schuldzuweisung, fast alle Indizien deuten jedoch darauf hin, dass die Truppen des Assad-Regimes Sarin gegen ihre Landsleute eingesetzt haben.

Ein Jahr nach dem Giftgasangriff ist es Zeit, einzugestehen: Der Massenmord hat sich für Assad gelohnt. Der Westen hat einen fatalen Rückzieher gemacht. Obama, der einst erklärt hatte, mit dem Einsatz von Chemiewaffen würde der Diktator eine "rote Linie" überschreiten - er ließ Assad ungestraft davonkommen.

Das Schreckensszenario des Westens ist trotzdem eingetreten

Die USA und ihre Verbündeten hatten Angst, sie würden mit einer Militärintervention die Dschihadisten in Syrien stärken. Sie ließen sich deshalb auf einen Kuhhandel ein: Assad gab sein Chemiewaffenarsenal auf und darf seither weiter Krieg gegen sein Volk führen - mit Fassbomben, mit Chlorgas und mit dem Aushungern ganzer Ortschaften.

Das Szenario, das die USA und Europa mit ihrer Zurückhaltung um jeden Preis verhindern wollten, ist trotzdem eingetreten: Die Dschihadisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) sind mächtiger denn je, haben große Teile Syriens und des Irak unter ihre Kontrolle gebracht und ein barbarisches Regime errichtet. Erst als die fanatischen Islamisten anfingen, einen Völkermord an der Minderheit der Jesiden zu begehen, entschied sich Obama zum militärischen Eingreifen in dem Konflikt.

Willam Young, Politikberater des renommierten US-Think-Tank Rand, forderte kurz vor dem Jahrestag, der Westen solle mit Assad Frieden schließen, um IS zu bekämpfen. Mit dieser Haltung würden die USA ihren Fehler aus dem vergangenen Jahr einfach noch einmal machen.

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)

Foto: DER SPIEGEL
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