IS an der türkischen Grenze Internationale Koalition bombardiert Terrormiliz bei Kobane

Der Ring der Terrormiliz "Islamischer Staat" um die nordsyrische Stadt Kobane wird enger. Nun will die internationale Koalition die Dschihadisten dort schwächen: In der Nähe der Stadt bombardierten Flugzeuge IS-Stellungen.

REUTERS/ USAF

Kobane/Bagdad - Die USA und ihre arabischen Verbündeten haben in der Nähe der eingeschlossenen Stadt Kobane Stellungen des "Islamischen Staats" (IS) bombardiert. Das Bündnis habe die Terrormiliz östlich der nordsyrischen Stadt angegriffen, sagte der Präsident der selbsternannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, der Nachrichtenagentur dpa. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von fünf Angriffen der Koalition.

Die Kämpfe zwischen Kurden und der Terrormiliz gingen weiter, sagte Muslim. Die Extremisten, die zuletzt nur noch zwei Kilometer von Kobane entfernt waren, hätten Verstärkung von neuen Kämpfern aus dem Osten Syriens erhalten. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle haben die Dschihadisten seit dem Morgengrauen ihre Artillerieangriffe auf Kobane, das auf Arabisch Ain al-Arab heißt, verstärkt. Bei heftigen Auseinandersetzungen seien bereits in der Nacht auf Mittwoch neun kurdische Kämpfer und ein IS-Dschihadist getötet worden.

Auch im Irak geht der Kampf gegen den IS weiter: Dort bombardierte die Luftwaffe der Regierung IS-Milizen südlich der Stadt Tikrit. Die Extremisten hatten dort zuvor zeitgleich zwei Orte angegriffen, wie die Nachrichtenseite "Shafaaq News" meldete. Bei den Kämpfen habe es zehn Tote gegeben. Tikrit liegt 170 Kilometer nördlich von Bagdad.

Die Koalition gegen den IS wächst

Die Terrormiliz IS kontrolliert im Norden und Osten Syriens große Teile des Landes. Auch im benachbarten Irak beherrscht sie im Norden und Westen riesige Gebiete. Sie hat in beiden Ländern ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen. Die US-Luftwaffe hatte Anfang vergangener Woche ihre Luftangriffe vom Irak auf Syrien ausgedehnt.

Die von den USA angeführte Koalition gegen den IS wächst weiter. Am Dienstag hatte die britische Luftwaffe erste Luftschläge gegen die Terrormiliz geflogen, zudem zeichnet sich auch eine direkte militärische Beteiligung der Türkei ab. Als erstes europäisches Land hatte sich Frankreich an den Luftangriffen beteiligt. Auch Dänemark, Belgien und die Niederlande kündigten militärische Unterstützung an.

Der IS war zuletzt im Norden Syriens bis an die Grenze zum Nato-Land Türkei vorgerückt. Dort versuchen die Islamisten seit Tagen, Kobane einzunehmen. Sie sollen schon Hunderte Dörfer im Umland kontrollieren und haben zudem offenbar eine türkische Exklave in Syrien eingekesselt.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

mxw/dpa/AFP/Reuters

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Das Pferd 01.10.2014
1.
Verdammt, wo bleiben die Türken? Wenn die IS mit geklauten Mörsern in die Stadt feuern kann, kann eine ausgebildete Artillerie deren Stellungen aufklären und zumindest niederhalten. Ohne syrischen Boden zu betreten. Und da Granaten bereits auf türkischem Boden eingeschlagen sind, gibt es auch den formalen Grund. Erdogan, wenn du das vermasselst, und die Einwohner von Kobane abgeschlachtet werden, hängt Dir auf Ewigkeit an, daß Du das zugelassen hast, weil es Kurden sind.
dt83155007 01.10.2014
2. Ich bin ja kein Militärexperte,
aber wie 30,000 Verrückte gegen 230,000 (offenbar komplett inkompetente) Iraker und ständige Luftangriffe so lässig bestehen können ist mir ein Rätsel.
patsche2712 01.10.2014
3. Erdogan...
...wird es sich kaum erlauben können die IS noch näher auf die türkische Grenze zumaschieren lassen zu können. Es wird nur noch eine Feste von Tagen sein, dann werden die ersten türkischen Verbände die türkisch-syrische Grenze überschreiten und sich der IS im Gebiet um Kobane annehmen. Dieses Schritt hätte noch nur militärische, sondern für Erdogan auch politisches Gewicht, er kann sich nach einer erfolgreichen Militäroperation gegen den IS in dee Heimat als Retter der Kurden im türkisch-syrischen Grenzgebiet feiern lassen.
vezin 01.10.2014
4. Lachhaft!
5 Luftschläge gegen diese Bande von Mördern und Verbrechern - es müsste 24 Std. gebombt werden und zwar mit richtiger Intensität. Im Moment sieht es eher wie ein zaghafter Versuch aus - tolle Wurst einen Pickup per Rakete zu zerstören - bei den modernen lasergesteuerten Waffen könnte man sämtliche bekannten Stellungen der IS in kurzer Zeit zu Staub werden lassen.
Das Pferd 01.10.2014
5.
Zitat von dt83155007aber wie 30,000 Verrückte gegen 230,000 (offenbar komplett inkompetente) Iraker und ständige Luftangriffe so lässig bestehen können ist mir ein Rätsel.
wenn eine Armee wegrennt, ist ihre Zahlenmässige Stärke unerheblich. Wobei es wirklich, militärisch gesehen, ein kleiner Haufen ist. Vermutlich gut ausgerüstet und hoch motiviert, aber eben auch nicht eine gut ausgebildete und eingespielte Armee. Das Problem ist derzeit noch militärisch zu lösen. Hoffen wir auf Erdogan.
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