Offensive gegen "Islamischen Staat" Mission Rückeroberung

Erfolg in den irakischen Sindschar-Bergen: Die internationale Allianz hat die Kämpfer des "Islamischen Staats" zurückgeschlagen. Der Vormarsch ist Teil einer Großoffensive - die Mission ist die Rückeroberung des Nordirak.

REUTERS

Es ist die bisher größte Offensive gegen die Dschihadisten. Im Kampf um das Sindschar-Gebirge sind rund 8000 kurdisch-irakische Peschmerga im Einsatz, so viele wie noch nie. Unterstützt werden sie aus der Luft von der internationalen Koalition. Über 60 Länder haben sich zu ihr bekannt, darunter die USA, Kanada, Australien, die wichtigsten europäischen Länder und die arabischen Golfstaaten. Deutschland unterstützt die Koalition mit Waffenlieferungen und Militärausbildern.

Über 50 Angriffe flog die Koalition seit Montag auf Stellungen des "Islamischen Staates" (IS) in dem Gebirge. Gemeinsam ist es gelungen, den IS-Ring um das Bergmassiv zu durchbrechen. 700 Quadratkilometer Land sollen zurückerobert worden sein, mehrere ranghohe Vertreter der Terrormiliz starben bei der konzertierten Aktion.

Strategisch hat diese Entwicklung für die Allianz einen entscheidenden Vorteil: Durch den Gebietsgewinn können die Kurden nun auch die einzige Schnellstraße attackieren, die das IS-Hinterland in Syrien mit der von den Dschihadisten kontrollierten Stadt Mossul verbindet.

Zugleich ist der Vorstoß in den Sindschar-Bergen ein symbolischer Erfolg: Über Wochen hatten die IS-Kämpfer dort im Oktober Tausende jesidische Iraker eingekesselt. Mit der Sorge vor einem drohenden Massaker an den Jesiden rechtfertigte US-Präsident Barack Obama schließlich auch das Eingreifen der internationalen Koalition gegen den IS. Nun scheinen große Teile des umkämpften Gebiets zurückerobert.

Im Irak funktioniert der gemeinsame Kampf am Boden und aus der Luft gegen die Dschihadisten also inzwischen recht gut. Die irakischen Kurden haben große Teile ihrer zuvor verlorenen Gebiete zurückerobert. Auch die irakische Armee hat Fortschritte gemacht, vor allem in den Provinzen Diyala und Saladin nördlich von Bagdad Gebiete zurückerkämpft. Die Erfolge kosteten allerdings auch erhebliche Opfer: Über 700 Kämpfer der irakischen Kurden sind seit Juni getötet worden. Das Kalifat, wie die Islamisten ihre eroberten Gebiete nennen, schrumpft dennoch.

Im Frühjahr soll die Schlacht um Mossul beginnen

Im nächsten Jahr soll die Mission weitergehen: Für das Frühjahr planen die Peschmerga und die irakische Armee gemeinsam eine Großoffensive, unterstützt von der internationalen Koalition.

Eines der wichtigsten Ziele: Die Stadt Mossul im Norden des Landes soll bis Ende 2015 von den Dschihadisten zurückerobert werden. Derzeit bereiten internationale Militärberater die irakische Armee für die schwierigen Straßenkämpfe vor. Im Irak ist eine internationale Arbeitsteilung gegen den IS entstanden - und sie feiert Erfolge.

In Schwarz: Regionen, die bisher von den Dschihadisten kontrolliert werden (Stand: November)
SPIEGEL ONLINE

In Schwarz: Regionen, die bisher von den Dschihadisten kontrolliert werden (Stand: November)

In Syrien sieht das noch anders aus. Auch dort setzt die internationale Koalition auf Luftangriffe. Bodeneinsätze finden jedoch praktisch nicht statt, dafür fehlt der Partner.

Geschätzte zwei Millionen Kurden leben zwar in dem Bürgerkriegsland. Allerdings sind sie weiter verstreut als im Nachbarstaat, auf Enklaven und Städte im ganzen Land verteilt. Eine gesteuerte, konzertierte Aktion wie im Irak wird dadurch erschwert. Dort leben geschätzte vier Millionen Kurden in einem zusammenhängenden Gebiet, dem irakischen Kurdistan, das weitreichende Autonomierechte hat.

Wirklich Widerstand gibt es daher in Syrien auch nur punktuell. Seit Monaten gelingt es den syrischen Kurden, die Provinzstadt Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) zusammen mit syrischen Rebellen und einer irakischen Delegation zu verteidigen. Doch viel mehr können sie nicht leisten.

Syrer, die gegen den IS aufbegehren, sind auf sich allein gestellt. Die internationale Koalition hält sich mit Unterstützung zurück. Schließlich sind die syrischen Kurdenmilizen ein Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die von der EU und den USA als terroristische Vereinigung eingestuft wird. Viele syrische Rebellen stehen mit Gruppen in Kontakt, die sich zu al-Qaida bekennen.

Auch auf die syrische Armee kann die internationale Koalition nicht setzen. Eine Kooperation mit ihrem Oberbefehlshaber Baschar al-Assad scheint ausgeschlossen. Zudem hat Damaskus die Dschihadisten lange unterstützt. Assad und seine Kämpfer geraten zunehmend unter Druck. Zuletzt wurden sie im Nordosten von IS-Kämpfern geschlagen.

Bei allem Jubel über die Erfolge im Irak: In Syrien ist der Vormarsch der Dschihadisten noch lange nicht gestoppt.

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.