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Fotostrecke: Die Geldquellen der Dschihadisten

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IS als Wirtschaftsmacht Jagd nach den Schatztruhen des Kalifats

Der "Islamische Staat" ist die reichste Terrororganisation der Welt - pro Tag wächst sein Vermögen um eine Million Dollar. Die USA wollen die Einnahmequellen trockenlegen. Doch so einfach ist das nicht.

Washinton - David S. Cohen wird auch der "Batman der Finanzwelt" genannt. Der 51-jährige Jurist leitet die Anti-Terror-Abteilung im amerikanischen Finanzministerium. Sein 700 Mann starkes Team seziert täglich Geheimdienstberichte und Analysen. Das Ziel: die internationalen Finanziers des Terrors aufzuspüren und zu stoppen.

Die Abteilung wurde als Reaktion auf die Attentate des 11. September 2001 gegründet. Doch heute heißt Cohens größter Feind nicht mehr al-Qaida. Er konzentriert sich auf den "Islamischen Staat" (IS), die Terrororganisation im Irak und in Syrien, der US-Präsident Barack Obama im August den Kampf angesagt hat.

"Wahrscheinlich ist der IS die am besten finanzierte Terrororganisation, mit der wie je zu tun hatten - mit Ausnahme von staatlich finanzierten Terrorgruppen", sagte  Cohen in dieser Woche bei einer Veranstaltung des außenpolitischen Thinktanks Carnegie Endowment for International Peace.

Dabei ließ Cohen durchblicken, dass seine Aufgabe dieses Mal ungleich schwieriger wird als sein bisheriger Kampf gegen die Zentralführung von al-Qaida. Das hat drei Hauptgründe:

  • Lokale Einnahmen: "Die Geldquellen des IS sind anders als die vieler Terrororganisationen", sagte Cohen. "Anders als bei al-Qaida machen reiche Geldgeber nur einen kleinen Teil aus. Der IS generiert den überwiegenden Teil seiner Einnahmen durch örtliche kriminelle und terroristische Tätigkeiten." Für die USA ist es nahezu unmöglich, solche Geldströme zu stoppen. In den von ihm kontrollierten Gebieten erpresst der IS Abgaben von der Bevölkerung. Wer sich den Dschihadisten nicht unterwerfen will, muss fliehen und sein Hab und Gut zurücklassen. Das wird vom IS geplündert - Häuser, Fabriken, Geschäfte, Bauernhöfe, Viehherden. Auch Antiquitäten und historische Stätten sind vor den Dschihadisten nicht sicher. Sie stehlen, was sie finden und verkaufen es weiter. Menschen werden von ihnen als Sklaven gehandelt.

  • Etablierter Schwarzmarkt: Im Irak und in Syrien kontrolliert der IS mehrere Ölfelder und kleine mobile Raffinerien, die für die US-Kampfjets nur schwer zu entdecken sind. "Der IS nutzt alte und tief verwurzelte Schmuggelkanäle in der Region", sagte Cohen. SPIEGEL ONLINE hat dieses geheime Netzwerk hier beschrieben. Schon unter Saddam Hussein gelang es nicht, diesen Schmuggel zu stoppen. Cohen schätzt die Öleinnahmen des IS noch immer auf rund eine Million Dollar am Tag. Die USA bemühen sich um Durchhalteparolen: Die Luftschläge auf die Öleinrichtungen des IS hätten Wirkung gezeigt, heißt es. Sie seien ein erster Schritt, um die Rohstoffeinnahmen des IS zu begrenzen.

  • Unwillige Verbündete: Die internationalen Bündnispartner der USA haben teils unterschiedliche Interessen. Manche gehen Deals mit dem IS ein oder schauen weg, wenn ihre Staatsbürger dies tun. So findet Öl des IS seinen Weg noch immer in die Türkei oder ins irakische Kurdistan. Von Privatleuten in Katar und in Kuwait bekomme der IS weiterhin Spenden, klagt Cohen. Aber auch die Europäer tragen zum Reichtum des IS bei: Sie haben Millionenbeträge bezahlt, um Geiseln freizukaufen. Der IS macht systematisch Jagd auf wohlhabende Einheimische, aber auch ausländische Journalisten und Hilfsarbeiter, um die Angehörigen zu erpressen. "Der IS hat dieses Jahr mindestens 20 Millionen Dollar Lösegeld bekommen", sagte Cohen.

"Wir haben keine Geheimwaffen, mit denen wir die IS-Schatztruhen über Nacht leeren können", sagte der amerikanische Jäger der Terrorfinanziers. Dazu seien die Einnahmequellen des IS zu divers und verzweigt.

Obwohl der IS so viel Geld einnimmt, kommt davon bei den Menschen in den von ihm kontrollierten Gebieten wenig an. Lebensmittel bleiben knapp und teuer, ebenso wie Strom und Wasser. Die Infrastruktur ist stark beschädigt. Die Dschihadisten behaupten zwar, dass sie einen Staat schaffen wollen. Doch bisher scheinen sie sich wie andere Milizen lieber aufs Plündern zu konzentrieren.

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