Fotostrecke

Fotostrecke: Krieg gegen die Dschihadisten

Foto: Jake Simkin/ AP/dpa

Krieg gegen den "Islamischen Staat" Endlose Schlacht um Kobane

Der "Islamische Staat" scheint geschwächt, im Irak wird die Gruppe zurückgedrängt, Kämpfer desertieren. Doch die erbitterte Schlacht um Kobane zeigt: Der Krieg gegen die Dschihadisten ist noch lange nicht vorbei.

Berlin/Damaskus/Bagdad - Fast hundert Tage Belagerung, fast hundert Tage Tod und Leid. Der Kampf um Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) zeigt, wie zermürbend der Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) ist.

Die Dschihadisten hatten die Provinzstadt im Norden Syriens am 15. September mit Panzern und schweren Geschützen angegriffen. Täglich kommt es seither zu Gefechten, Muslime gegen Muslime: kurdische Milizen und syrische Rebellen gegen die IS-Kämpfer. Ein Ende der Kämpfe in Kobane ist nicht absehbar. Weite Teile der Stadt sind verwüstet.

Fast täglich fliegt die internationale Koalition Angriffe auf IS-Stellungen, manchmal sechs Attacken pro Tag. Mal wird ein Fahrzeug der Dschihadisten zerstört, mal schwere Maschinengewehre, mal ein Mörser, notiert  das US-Verteidigungsministerium. Der Luftkrieg gegen den IS ist ein langwieriges Unterfangen. Den Bodenkrieg scheut das Ausland.

Kämpfer sterben auf beiden Seiten. Rund tausend Dschihadisten wurden in Kobane bereits getötet, schätzt die US-Regierung. Verlässliche Informationen aus der Stadt gibt es kaum. Diese Zahl entspricht den Angaben der Organisation Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich bisher als recht zuverlässig erwiesen hat. Auf kurdischer Seite hat sie die Namen von über 430 Kämpfern dokumentiert, die in Kobane gefallen sind.

Ein Ende der Belagerung ist nicht in Sicht. Zwischenzeitlich drangen IS-Truppen bis ins Zentrum vor. Etwa die Hälfte der Stadt stand unter Kontrolle der Dschihadisten. Doch mittlerweile haben die kurdischen Kämpfer wieder Boden gutgemacht. Keine Seite kann die Schlacht für sich entscheiden.

In Schwarz: Die Dschihadisten haben sich im Nordosten Syriens und Nordwesten Iraks eingenistet

In Schwarz: Die Dschihadisten haben sich im Nordosten Syriens und Nordwesten Iraks eingenistet

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der IS ist geschwächt, aber immer noch stark

Kobane ist nur eine Front von vielen im Krieg gegen den IS. Das Schicksal der syrischen Provinzstadt lässt aber erahnen, was im kommenden Jahr auf die irakische Großstadt Mossul zukommen dürfte. Dort haben sich die Dschihadisten seit Juni eingenistet. Die irakische Armee will im Frühjahr eine Offensive beginnen, um Mossul wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch dort droht dann ein zermürbender Kampf um jeden Straßenzug, um jedes Haus.

Dabei geben die aktuellen Erfolge Anlass zur Hoffnung, die Dschihadisten wirken geschwächt.

  • Ideologisch: Der IS hat im Irak Gebiete verloren, die er bereits zu Teilen seines Kalifats erklärt hatte. Der Führung bereitet das Probleme, zumal die erfolgreiche Expansion nach historischem Vorbild ein wichtiger Teil der IS-Ideologie ist. Doch statt neuer Eroberungszüge rückt die Verwaltung der bereits kontrollierten Gebiete in den Vordergrund. Unter IS-Anhängern nimmt der Missmut zu. Einem Pressebericht zufolge wurden vor Kurzem 100 IS-Kämpfer exekutiert, weil sie für unzuverlässig gehalten wurden.

  • Materiell: Die Luftschläge bereiten dem IS Verluste: Die Ölförderung wird beeinträchtigt, eine von vielen Einnahmequellen der Dschihadisten. Auch haben sie einen Teil ihrer schweren Waffen und Fahrzeuge verloren - wie viel genau, ist nicht bekannt.

Doch zu unterschätzen ist die Gruppe trotz dieser Rückschläge nicht. Sie bleibt weiterhin eine der größten Terrororganisationen im Irak und in Syrien. Sie kontrolliert noch immer ein Gebiet größer als Belgien - auch wenn vieles davon Wüste ist. Bisher scheint auch der Zustrom ausländischer Kämpfer zum IS ungebrochen.

In der IS-Kernregion bleibt die Miliz stark - es fehlen Alternativen

Zurückgedrängt wurden die Dschihadisten bisher fast nur aus Gebieten, in denen sie ihre Herrschaft ohnehin nur schwer durchsetzen konnten: In Regionen etwa, die mehrheitlich nicht-arabisch oder nicht-sunnitisch waren wie das Sindschar-Gebirge, in dem hauptsächlich irakische Jesiden leben. Der "Islamische Staat" ist eine radikal-sunnitische Miliz. Die meisten nicht-arabischen oder nicht-sunnitischen Gegenden im Irak und in Syrien konnte sie erst gar nicht erobern, weil es an örtlichen Verbündeten fehlte.

Das sieht in den ländlichen sunnitisch-arabischen Regionen ganz anders aus: Dort fällt es äußerst schwer, die Dschihadisten wieder loszuwerden. Dies gilt etwa für die nordwestlichen Provinzen des Iraks sowie die nordöstlichen Provinzen Syriens. Dort gab es schon lange ein Machtvakuum - auch vor dem Einzug des IS. Viele Menschen fühlen sich von den nicht-sunnitisch geprägten Regierungen in Damaskus und in Bagdad bedroht. Sie sind ihren Hauptstädten längst entglitten.

Wer soll den IS also vor allem in Syrien stoppen? Die syrische Rebellengruppen wohl kaum. Sie kämpfen seit zwei Jahren mit mäßigem Erfolg gegen die Dschihadisten. Es scheint aktuell nur eine Frage der Zeit, bis sie vom IS besiegt werden. Und noch eine beunruhigende Tendenz: Mangels Alternativen kooperieren die Rebellen in Syrien immer öfter mit den Dschihadisten.

Den Einsatz von eigenen Bodentruppen lehnt die internationale Allianz gegen den IS weiter ab. Im Irak haben sie die Peschmerga-Truppen, die in den nördlichen Gebieten eingreifen können. Vergleichbares fehlt in Syrien, dort beschränkt sich das Ausland auf Luftangriffe, am Boden gibt es keine Unterstützung. Und mit dem verhassten Machthaber Baschar al-Assad und dessen Regierungseinheiten will das Ausland auf keinen Fall kooperieren.

In diesem Patt befindet sich Syrien seit langem - ein Ende ist kaum absehbar. Besiegt ist der "Islamische Staat" noch lange nicht. Und auch der Kampf um Kobane dürfte weiter andauern.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.