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31. Oktober 2014, 10:15 Uhr

Irak und Syrien

15.000 Ausländer schlossen sich bereits dem IS an

Einem Uno-Bericht zufolge haben sich in den vergangenen Jahren deutlich mehr ausländische Dschihadisten als bisher geschätzt nach Syrien und in den Irak aufgemacht. Auch die Luftschläge halten sie nicht ab.

Berlin/New York - Der Zustrom von Dschihadisten nach Syrien und in den Irak lässt nicht nach - er nimmt vielmehr sogar weiter zu: Die Vereinten Nationen warnen in einem aktuellen Bericht davor, dass potenzielle Kämpfer in "nicht gekannter Größenordnung" in die beiden Ländern strömen, um die Miliz des "Islamischen Staats" (IS) und andere extremistische Gruppen zu unterstützen. Das berichtet die englische Zeitung "Guardian".

Dem Uno-Bericht zufolge, so schreibt es der "Guardian", sind bisher 15.000 Menschen nach Syrien und in den Irak gekommen, um mit dem IS und anderen Dschihadisten-Organisationen zu kämpfen. Die Extremisten kontrollieren weite Teile Syriens, auch im benachbarten Irak beherrschen sie große Gebiete. Die aktuelle Zahl der Kämpfer geht deutlich über bisherige Schätzungen hinaus. Das Papier wurde von einem Gremium des Sicherheitsrats erstellt, der sich vor allem mit al-Quaida beschäftigt.

"Die Zahl seit 2010 übersteigt mehrfach die Größenordnung der kumulativen Zahlen ausländischer terroristischer Kämpfer zwischen 1990 und 2010 - und sie wächst", so zitiert der "Guardian" aus dem Bericht.

Die "Washington Post" berichtet von ähnlich erschreckenden Zahlen auf Basis von Informationen von US-Geheimdiensten. Demnach würden sogar monatlich rund tausend ausländische Dschihadisten einsickern, schreibt die Zeitung.

Die freiwilligen Dschihadisten kommen aus mehr als 80 Ländern, "inklusive einer Gruppe von Staaten, die bisher keine Auseinandersetzungen im Kontext von al-Quaida hatten", heißt es in dem Uno-Bericht. Auch aus Deutschland haben sich mehrere Hundert Dschihadisten den aktiven Kämpfern angeschlossen.

Die Vereinten Nationen werfen die Frage auf, welche Konsequenzen der enorme Zulauf vor allem für den IS für die Terrororganisation al-Quaida hat. Deren Anführer Aiman al-Sawahiri hatte IS von seiner Gruppierung getrennt. Sawahiri "scheint zu versuchen, dem Bedeutungsverlust entgegenzuwirken", heißt es in dem Bericht.

Uno plant regionale Waffenstillstandszonen

Unterdessen kündigte die Uno an, mit regionalen Waffenstillstandszonen den Grundstein für eine Friedenslösung im bürgerkriegsgeplagten Syrien legen. "In diesen Arealen können wir zuerst einen politischen Prozess auf lokalem Niveau beginnen und dann schließlich auf nationaler Ebene", sagte der Uno-Sondergesandte für das Bürgerkriegsland, Staffan de Mistura, am Donnerstag vor dem Sicherheitsrat in New York.

Die Lage in Syrien ist unübersichtlich. Milizen bekämpfen nicht nur das Regime, sondern sie bekriegen sich auch gegenseitig. So unterstützt etwa die Freie Syrische Armee (FSA) die Kurden in Kobane bei deren Kampf gegen den IS. Die belagerte nordsyrische Stadt gilt inzwischen als Symbol des Widerstands gegen die Dschihadisten. Nach langem Warten trafen dort am Donnerstag auch erste kurdische Peschmerga aus dem Nordirak ein. Diese sollen den Verteidigern der Stadt helfen, den IS zurückzudrängen.

Die türkische Regierung hatte in der vergangenen Woche die Erlaubnis gegeben, dass die Peschmerga auf dem Weg nach Kobane türkisches Territorium passieren dürfen. Ankara tut sich jedoch mit Hilfe für die kurdischen Volksschutzeinheiten in Kobane schwer, da diese mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden sind. Die PKK ist in der Türkei als Terrororganisation verboten.

Auch der IS könne so wirksamer bekämpft werden. Der Schwede nannte Aleppo als mögliche erste dieser sogenannten Freeze Zones, sagte aber nicht, wie eine Waffenruhe umgesetzt werden kann.

flo/dpa

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